Gravierende Ereignisse häufen sich Schäden durch Starkregen nehmen zu

Dauer

Starkregen kommt aus dem Nichts, die Menschen werden überrascht. Hochwasser bahnt sich zwar an, die Folgen sind jedoch oft die gleichen. In den kommenden Jahren könnten solche Unwetter-Ereignisse immer häufiger auftreten. Davor warnt der Deutsche Wetterdienst.

Die Schäden durch Starkregen sind deswegen oft enorm, weil Wassermassen eine zerstörerische Kraft entwickeln können. Auch in diesem Jahr hat es einige Gemeinden in der Pfalz und im Norden von Rheinland-Pfalz böse erwischt. Mittlerweile arbeiten hunderte Gemeinden im Land an einem Hochwasservorsorgekonzept.

Warum sind die Folgen eines Unwetters oft so dramatisch?

Nicht alle sind nach Ansicht des Deutschen Wetterdienstes dem Klimawandel geschuldet: Es hängt auch damit zusammen, in welcher Art und Weise Flächen landwirtschaftlich genutzt und bebaut werden.

Frank Heuser, Starkregen- und Hochwasserbeauftragter in Altenahr. (Foto: SWR)
Frank Heuser ist Starkregen- und Hochwasserbeauftragter in Altenahr.

Frank Heuser, hat viele Ortschaften in der Verbandsgemeinde Altenahr unter die Lupe genommen.

  • Durch barrierefreies Bauen beispielsweise würde das Risiko verschärft, dass reißende Wassermassen leicht in Gebäude eindringen könnten.
  • Probleme gab es in der Vergangenheit, dass Durchflüsse an Brücken mit Treibgut, welches in Gärten als Schnitt- oder Brandholz gelagert wurde, verstopft wurden.
Überschwemmter Campingplatz in Altenahr (Foto: SWR)
2016 traf es Altenahr besonders schlimm. Damals im Juni hatte es vier Tage lang stark geregnet, mehr als das Vierfache an Niederschlagsmenge als sonst in diesem Monat.

Die Böden in der Region waren voll gesaugt und so stieg der Pegel der Ahr in einer Nacht innerhalb weniger Stunden um 80 Zentimeter auf 3,71 Meter - ein Jahrhunderthochwasser.

Was können Gemeinden tun?

Es gibt ein Katalog von rund 300 Maßnahmen, wie Gemeinden gegen Hochwasser vorsorgen können.


Thomas Siekmann und Frank Heuser, Experten für Starkregenereignisse in Altenahr (Foto: SWR)
Thomas Siekmann, Experte für Hochwasservorsorge aus Thür, arbeitet in der Verbandsgemeinde Altenahr mit Frank Heuser zusammen.

Thomas Siekmann hat neuralgische Orte in der Verbandsgemeinde Altenahr topographisch vermessen, hat Höhen und Senken identifiziert. Aus den Daten konnte er Karten erstellen und die Fließwege des Wassers darstellen.

"Man muss versuchen, dass man durch Begrünung von Teilflächen oder die Vorhaltung von entsprechenden Mulden, das Wasser auf den landwirtschaftlichen Flächen hält."

Thomas Siekmann, Experte für Hochwasservorsorge

Alles Wasser lässt sich aber nicht abhalten. Dann gilt die Devise: Das Wasser muss so schnell es geht wieder raus aus dem Ort. Über hohe Bordsteine oder Palisadensysteme lässt sich die Fließrichtung beeinflussen.

Welche Erfolge gibt es bereits?

  • In einem Ortsteil von Altenahr wird das Entwässerungssystem für mehr als drei Millionen Euro erneuert.
  • Ein deutlich dickeres Rohr soll dabei helfen, dass das Wasser schneller abfließen kann.
  • Außerdem wird kein neues Wohngebiet mehr erschlossen, ohne dass ein Regenrückhaltebecken gebaut wird.

2016 hatte es vor allem den Campingplatz in Altenahr schlimm erwischt. Dort mussten Camper aus der Luft gerettet werden, weil sie von den Wassermassen überrascht wurden.

Christoph Zerwas, Campingplatz-Betreiber in Altenahr (Foto: SWR)
Christoph Zerwas, Campingplatz-Betreiber in Altenahr, hat das Hochwasser 2016 hutnah mit erlebt.

"Dann wurde es auch gefährlich. Da war eine ältere Dame, die eingeschlossen war, wo wir nicht wussten, ist sie noch da. Und dann kam der Hubschrauber, der sie dann gerettet hat und auch noch andere Gäste. ... So ein Jahrhunderthochwasser möchte man nicht nochmal haben."

Christoph Zerwas, Campingplatz-Betreiber in Altenahr

Entlang der Ahr wurde inzwischen viel Erde abgetragen, das Ufer abgeflacht. Jetzt kann sich das Wasser dort ausbreiten. Außerdem wurden die Brückendurchläufe freigebuddelt. Jetzt kann sich das Wasser dort nicht mehr so leicht stauen.

Wie kann jeder selbst vorsorgen?

Christoph Zerwas hatte nach dem Hochwasser von 2016 einen enormen Schaden bei sich Zuhause.

Sein Heizungskeller lief voll, alles war kaputt: Heizung, Waschmaschine, Trockner. Zwischenzeitlich hat er kleine Mauern gebaut und die Lichtschächte kann er nun verschließen, sollte sich Hochwasser anbahnen.

Insgesamt 30.000 Euro hat er investiert. Der Starkregen- und Hochwasserbeauftragte Frank Heuser hält Vorträge, wie Hausbesitzer selbst vorsorgen können. Er kommt für Beratungen auch zu den Menschen vor Ort.

Fazit

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