Der tiefe Blick in unsere Taschen Kein Kredit ohne Schufa

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Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
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SWR Fernsehen RP

Sie wollen eine Wohnung mieten oder bei der Bank einen Kredit erhalten - spätestens dann kommt die Schufa ins Spiel. Sie gehört zu den sogenannten Auskunfteien und ist die größte in Deutschland. Die Schufa sammelt Daten von 67,7 Millionen Menschen. So gut wie keiner ist bei ihr ein unbeschriebenes Blatt.

Die Schufa heißt ausgeschrieben "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung". Sie ist keine Behörde, sondern ein privates Unternehmen. Auf ihre Aktivitäten haben die Datenschutzbehörden ein Auge. Und sie halten es für datenschutzrechtlich erlaubt, wie das Unternehmen arbeitet.

Was wird bei der Schufa eingetragen?


Die Schufa arbeitet mit Vertragspartnern zusammen. Das sind zum Beispiel Banken und Sparkassen, Mobilfunkanbieter oder der Versandhandel. Von ihnen bekommt sie Informationen, wie zuverlässig Kunden zahlen.

Die Schufa erhebt viel mehr Daten als nur Name, Geburtsdatum und Wohnort, sagt Christian Gollner, Experte für Verbraucherrecht.

Christian Gollner, Experte für Verbraucherrecht (Foto: SWR)
Christian Gollner beobachtet das Geschäftsgebaren der Schufa seit Jahren.

"Die Bank beispielsweise muss den Kunden explizit um eine Unterschrift bitten, damit sie die Daten weiterleiten kann. Wer einen Vertrag unterschreibt, erlaubt oft automatisch, dass die Daten an die Schufa weitergegeben werden. Aus diesen Daten errechnet die Schufa einen sogenannten Score. Dieses Scoring-Verfahren ist vom Datenschutz erlaubt. Wie der Wert genau entsteht, ist aber ein Geschäftsgeheimnis."

Christian Gollner, Experte für Verbraucherrecht

Das Verfahren gilt als umstritten, weil beispielsweise in den Score-Wert auch einfließt, wie häufig ein Verbraucher umgezogen ist. Dahinter steckt die Idee, dass, wer jährlich umzieht, wahrscheinlich auch seine Rechnungen ungern bezahlt. Dieser Zusammenhang steht immer wieder in der Kritik.

Wer hat Einblick in meine Schufa-Daten?

Vertragspartner geben nicht nur Daten weiter, sie können auch darauf zurückgreifen. Wie die Sparkasse Rhein-Nahe zum Beispiel.

Thomas Löffler, Sparkasse Rhein-Nahe, Bad Kreuznach (Foto: SWR)
Der Schufa-Score hilft einer Bank dabei, einen Kunden einzuschätzen, sagt Thomas Löffler von der Sparkasse Rhein-Nahe in Bad Kreuznach.

Wenn es beispielsweise um die Beantragung einer Kreditkarte geht oder um einen Kredit, müsse die Bank einschätzen können, wie es um die Bonität des Kunden steht, betont Thomas Löffler von der Sparkasse Rhein-Nahe in Bad Kreuznach. Insbesondere bei Neukunden sei dies wichtig.

Es kann jeder ein Mal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft anfordern. Einen Antrag gibt es auf der Schufa-Internetseite. Um ihn zwischen Bezahlpaketen mit Zusatzleistungen und Abos zu finden, braucht es ein paar Klicks.

Christian Gollner warnt davor, auf Formulare im Internet zurückzugreifen, auf die man über Suchmaschinen gelangt. Dies seien kostenpflichtige Dienste, die die Daten lediglich an die Schufa weiterleiten, dies sei völlig unnötig.

Welche Auswirkungen hat der Schufa-Score?

Wer seine Raten oder Kredite zuverlässig abbezahlt, kann bei der Schufa Punkte sammeln. Bei einem schlechten Schufa-Wert wird einem der Kauf auf Rechnung oder der Handyvertrag verwehrt. Und es könnte Probleme bei der Bank geben, weiß Thomas Löffler von der Sparkasse Rhein-Nahe.

"Ein etwas schlechterer Schufa-Wert führt dazu, dass insbesondere bei Konsumentenkrediten die Zinsen etwas höher sind. Bei einem negativen Schufa-Wert, bei einer eidesstattlichen Versicherung oder einer Kontokündigung kann das da dazu führen, dass der Kredit nicht ausbezahlt wird."

Thomas Löffler, Sparkasse Rhein-Nahe

Neben der Schufa-Auskunft würden die Banken bei der Kreditvergabe aber auch das Einkommen oder Vermögen des Kunden berücksichtigen, für das sich die Schufa nicht interessiert und auch nicht in den Score-Wert einberechnet.

Wie kann man gegen Fehler der Schufa vorgehen?

Bei der Schufa können immer wieder Fehler passieren, zum Beispiel Namen verwechselt werden. Aber dagegen ist man nicht machtlos. Aus Sicht der Verbraucherschützer ist es wichtig, bei Fragen, Schwierigkeiten, Falscheinträgen am besten immer mit der Auskunftei sprechen.

Übrigens: Wer keinen Anlass hat, der braucht nicht unbedingt eine Selbstauskunft zu holen, sagen die Verbraucherschützer. Aber sie empfehlen vor allem dann eine Selbstauskunft, wenn man merkt, dass man Probleme bei der Bank, im Autohaus oder beim Handyanbieter bekommt. Die Selbstauskunft kann im übrigen auch mit einem formlosen Schreiben an die Schufa beantragt werden.

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