Zeit für den Winterschlaf! Fledermäuse: Flugkünstler suchen Unterkunft

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Jetzt im Spätsommer verlassen die meisten Fledermausarten ihre Wochenstuben - die Orte, an denen die Weibchen in der warmen Jahreszeit ihre Jungen aufgezogen haben.

Große Mausohren zum Beispiel, unsere größte heimische Fledermausart, tun das bevorzugt auf großen Dachböden beispielsweise von Kirchen. Dieses Jahr sind sie früh dran: Der warme Sommer hat ihnen die Jagd leicht gemacht und die Jungen konnten in den meisten Quartieren gut gedeihen und schnell wachsen.

Dachboden einer Kirche (Foto: SWR)
Ein alter Dachboden mit Zugang ins Freie ist ein ideales Quartier für Fledermäuse.

Nach dem Verlassen der Sommerquartiere zieht es die Tiere nun zu ihren Schwarm- und Winterquartieren, um sich zu paaren und Plätze für die Überwinterung zu erkunden.

Am 24.8., dem Höhepunkt der diesjährigen Batnight, öffnet der NABU Rheinland-Pfalz wieder die Tore des Mayener Grubenfeldes, so dass man einen Blick in das größte Schwarm- und Winterquartier Deutschlands werfen kann.

Was sind eigentlich Fledermäuse?

CosimaCosima Lindemann, Landesvorsitzende, Nabu Rheinland-Pfalz (Foto: SWR)
Cosima Lindemann ist die Landesvorsitzende des Nabu Rheinland-Pfalz.

Beim Thema "Fledermäuse" gerät Fledermaus-Expertin Cosima Lindemann ins Schwärmen:

"Dieses Geheimnisvolle! Fledermäuse leben eigentlich mitten unter uns, in unseren Gebäuden, in unseren Städten, jeder hat mal ein Huschen in der Nacht gesehen. Und doch wissen wir unglaublich wenig über diese Tiere, weil sie sehr schwer zu untersuchen sind – das macht sie wahnsinnig faszinierend!"

Cosima Lindemann, Landesvorsitzende Nabu Rheinland-Pfalz

Sie sind keine Vögel, sondern Säugetiere. Und mit Mäusen haben die Fledermäuse auch nichts zu tun.

  • Bekannt ist, dass sie bevorzugt mit dem Kopf nach unten hängen.
  • Und auch die Sache mit dem Ultraschall hat sich herumgesprochen: Fledermäuse sehen tatsächlich nicht nur mit den Augen sondern auch mit den Ohren.
  • Indem sie ständig Schreie ausstoßen, in einem Hörbereich, den wir Menschen gar nicht wahrnehmen und das Echo auswerten, können sie festen Körpern in ihrer Umgebung blitzschnell ausweichen und ihre Beute identifizieren.

In Rheinland-Pfalz gibt es etwa 21 Arten. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass in ganz Deutschland insgesamt grade mal 25 Arten leben.

Tatsächlich hat das waldreiche Rheinland-Pfalz mit seinen abwechslungsreichen Landschaften, seinen Kirchen und Höhlen den Fledermäusen einiges zu bieten.

Wo leben Fledermäuse?

  • Große Dachböden, wie etwa in Kirchen, sind ein typisches Sommerquartier für bestimmte Fledermausarten.
  • Große Mausohren zum Beispiel haben hier ihre Wochenstuben. Da können auch mal mehrere tausend Tiere zusammenkommen.
  • Andere Fledermausarten mögen es kleiner. Viele ziehen die Jungen in kleinen Wochenstuben in Baumhöhlen auf.
  • Auch die Männchen der meisten Arten bevorzugen solche engen Verstecke.

Im Spätsommer beginnen die Fledermäuse umzuziehen. Sie steuern jetzt bereits ihre Winterquartiere an, die in Mitteleuropa vor allem Bunker, Stollen oder Höhlen sind.

Cosima Lindemann sucht nach Fledermäusen in einem alten Stollen (Foto: SWR)
Fledermausexpertin Cosima Lindemann inspiziert einen alten Stollen, ein typisches Winterquartier für Fledermäuse.

Wenn sie in diesen Tagen dort auftauchen, haben sie aber nicht den Winterschlaf im Sinn, sondern sie wollen sich paaren: Wenn die Jungen grade mal selbständig sind, gehen viele Fledermausarten gleich wieder auf Partnersuche.

Sie kommen von weit her zu diesen "Rendezvous-Plätzen", was für genetische Vielfalt sorgt, da die Tiere dort kaum auf nahe Verwandtschaft treffen.

Der eigentliche Winterschlaf beginnt später und dauert je nach Art unterschiedlich lang. Die niedrigen aber immer im positiven Bereich liegenden Temperaturen der Höhlen bieten den Fledermäusen optimale Bedingungen. Wichtig ist allerdings, dass die Tiere im Winter nicht gestört werden.

Warum sind Fledermäuse gefährdet?

Lebensraumverluste, vor allem Abholzung alter Wälder und die Beseitigung von Hecken und Sträuchern, machen den Fledermäusen zu schaffen. Sie finden weniger Quartiere.

Und - besonders wo intensiv und in Monokulturen Landwirtschaft betrieben wird - auch nicht genügend Insekten als Beute.

Quartiermangel gibt es auch bei den Arten, die gern in Menschennähe ihre Jungen aufziehen:

  • Bei der Sanierung alter Häuser werden oft Einflugwege für die Tiere auf die Dachböden verschlossen, moderne Dämmung lässt keinen Platz mehr für Fledermäuse.
  • In den Winterquartieren gibt es zu viele Störungen.
  • Wachen die Tiere mitten in der kalten Jahreszeit auf, kann der Energieverlust für sie tödlich sein.
  • Eine weitere Gefahrenquelle für Fledermäuse sind der Verkehr und der Ausbau der Windenergie:
  • Geraten die Tiere in den Sog der Rotoren, können im Unterdruck ihre Lungengefäße platzen.
  • Oder sie werden im Flug erfasst und von den Windrädern regelrecht zerhackt.

Wie kann man Fledermäusen helfen?

Beim Anfassen von Fledermäusen gilt: Bitte mit Schutzhandschuh! Fühlen die Tiere sich bedroht, können sie nämlich mit ihren spitzen Zähnchen schmerzhaft zubeißen.

Das Entscheidende aber ist, den Fledermäusen eine gute Umgebung zu schaffen und das Leben so ein wenig leichter zu machen: Umsichtig am eigenen Haus sanieren, den Dachboden zugänglich halten, ein paar Fledermauskästen am Haus und den Bäumen aufhängen und natürlich einen insektenfreundlichen Garten anlegen.

Fazit

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