Ein Landwirt fährt mit einer Dünger- und Pestizidspritze übers Feld (Foto: picture alliance / dpa -)

Belastung durch überdüngte Äcker Gefährliches Nitrat im Trinkwasser

Die Landwirtschaft trägt durch die Düngung maßgeblich zum Nitratgehalt des Grundwassers bei. Denn viele Bauern setzen mehr Dünger ein als ihre Pflanzen benötigen oder aufnehmen können. Der überschüssige Dünger sickert durch tiefere Bodenschichten und reichert sich im Grundwasser und somit auch im Trinkwasser an.

Weshalb ist zu viel Nitrat im Wasser gefährlich?

Nitrat an sich ist nicht gefährlich. Doch im menschlichen Körper kann es zu Nitrit umgewandelt werden. Für Babys ist es eine ernste Gefahr, denn Nitrit kann den Sauerstofftransport im Blut hemmen, im schlimmsten Fall kann das Kind ersticken. Auch für Erwachsene ist ein Zuviel an Nitrat gefährlich, wenn sich daraus Nitrosamine bilden. Sie stehen in Verdacht, Krebs zu erregen.

Diese Gefahren sind bekannt. Seit mehreren Jahren fordert die EU Deutschland auf, nachzubessern bei der Qualität des Grundwassers. Denn hierzulande hapert es mit der Umsetzung der Vorgaben. Bis 2027 sollen alle Gewässer einen Nitratgehalt von weniger als 50 Milligramm pro Liter aufweisen. Dieser Wert wird je nach Region deutlich überschritten. Vor allem dort, wo intensive Landwirtschaft, etwa Obst- Gemüse oder Weinanbau betrieben wird; beispielsweise in Rheinhessen, im Bitburger Land oder in der Vorderpfalz.

Was bedeutet die Nitratbelastung für unser Trinkwasser?

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Wasserversorger bekommen Probleme bei der Trinkwasseraufbereitung SWR -

Beim Verein VSR Gewässerschutz ist man nicht sonderlich überrascht, als zum Teil hohe Werte bei den Wasserproben von privaten Brunnenbesitzern gemessen werden. In einigen Regionen ist die Belastung des Grundwassers so hoch, dass Wasserversorger den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter nur durch Mischung ihres Grundwassers mit weniger belastetem Wasser unterschreiten können, so etwa in der rheinhessischen Gemeinde Guntersblum.

Als die Nitratwerte des Grundwassers in der Gemeinde immer mehr gestiegen sind, hat man neue Brunnen gebohrt, parallel zum Rhein.

Nitrat 3 (Foto: SWR, SWR -)
Harald Gülzow, VSR Gewässerschutz SWR -

So wird Rheinwasser gewonnen, das wenig Nitrat beinhaltet, und mit dem stark nitrathaltigen Grundwasser gemischt. Auf diese Weise bekommt man Wasser mit einem Wert unter 50 Milligramm pro Liter. Das beobachtet Harald Gülzow vom VSR Gewässerschutz mit Sorge. Seit über dreißig Jahren misst er die Nitratwerte auch in Rheinland-Pfalz. Nicht nur von privaten Brunnen, sondern auch an Quellen.

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Nitrat-Werte jenseits der Trinkwasserqualität SWR -

So wie hier in Orbis im Donnersbergkreis am Ursprung der Selz. Harald Gülzow: "Wir haben hier in der Selz 103,7 Milligramm Nitrat pro Liter. Das ist extrem viel. Grundwasser sollte immer unter fünfzig Milligramm pro Liter haben, damit es auch als Trinkwasser in Zukunft genutzt werden kann. Wir haben jetzt hier mehr als das doppelte, was an der Oberfläche rauskommt. Das ist einfach unverantwortlich."

Was wird dagegen unternommen?

Eine Neufassung der Düngeverordnung ist seit einiger Zeit in Arbeit. Wann sie in Kraft tritt, ist unklar. Immerhin: In Rheinland-Pfalz gibt es seit knapp zwei Jahren eine Wasserschutzberatung für Landwirte. Hier können sie ihre Böden analysieren lassen und bekommen anschließend eine Dünge-Empfehlung. Trotzdem ist in manchen Regionen die Nitratbelastung des Grundwassers so hoch, dass einige Wasserversorger Auswege suchen, um den Grenzwert einzuhalten.

Fazit

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