Belastetes Grundwasser Zu viel Nitrat ist ungesund

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In Rheinland-Pfalz ist die Nitratbelastung im Wasser zu hoch. Der Hauptgrund ist die Verwendung von Düngemittel. Doch zu viel Nitrat kann gesundheitsschädliche Folgen haben.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich am Montag mit Umweltministern sowie Vertretern der Wasserwirtschaft und von Umwelt- und Bauernverbänden in Berlin getroffen. Beim Güllegipfel sollte über die dringend notwendige Verschärfung der Düngeverordnung beraten werden. Die ist notwendig, denn die Nitratwerte im deutschen Grundwasser sind seit Jahren zu hoch. Das gilt vor allem auch für Rheinland-Pfalz.  

Ortstermin im rheinhessischen Alzey: Viele Bürger kommen an diesem Vormittag zu Harald Gülzow vom Unabhängigen Verein für Gewässerschutz. Sie alle haben Proben von ihren privaten Brunnen dabei, möchten wissen, wie gut die Qualität ihres Wassers ist. 

Bei drei Viertel der Proben misst Harald Gülzow Nitratwerte zwischen 50 und 100 Milligramm pro Liter.

Nitratwerte (Foto: SWR)
Nitratwerte über 100 Milligramm pro Liter sind zu hoch, überraschen aber den Experten Harald Gülzow nicht.

Zwei Wasserproben liegen sogar bei 400 Milligramm. Werte, die sogar der Diplom-Physiker selten misst. Solche Werte sind in anderen Teilen von Deutschland nicht zu messen.

"Selbst wenn man das Wasser nur zum Bewässern von Gemüse nutzen wollte, darf der Nitratwert nicht so hoch sein, weil Nitrate werden von den Pflanzen auch mit angereichert. Das heißt, nachher haben sie das Nitrat, das sie zu viel im Brunnen hatten, auf dem Tisch und essen es", erklärt Harald Gülzow.

Weshalb ist zu viel Nitrat im Wasser gefährlich? 

Nitrat an sich ist nicht gefährlich. Doch im Körper kann es zu Nitrit umgewandelt werden. Gerade für Babys gefährlich, weil es die Sauerstoffaufnahme im Blut hemmt. Im schlimmsten Fall kann das Baby ersticken.   

Auch Erwachsene sollten ein Zuviel an Nitrat vermeiden. Im Körper können sich krebserregende Nitrosamine bilden. Die Weltgesundheitsorganisation warnt deshalb schon lange vor den Gefahren durch Nitrat. In der EU gilt ein Grenzwert für Grundwasser von fünfzig Milligramm pro Liter. Weil dieser Grenzwert in Deutschland jedoch vielerorts und seit Jahren deutlich überschritten wird, droht der Europäische Gerichtshof jetzt mit Strafzahlungen von mehr als 800.000 Euro pro Tag.  

Wie kommt das Nitrat ins Wasser? 

Große Mengen Nitrat stammen häufig aus den Düngemitteln. Ein Grund: Viele Landwirte setzen mehr Dünger ein als ihre Pflanzen aufnehmen können. Vor allem mit Gülle wird ausgiebig und häufig zum falschen Zeitpunkt gedüngt. Aus dem überschüssigen Dünger bildet sich Nitrat, das durch tiefere Bodenschichten ins Grundwasser sickert.   

Daher ist in besonders intensiv bewirtschafteten Regionen der Nitratgehalt sehr hoch - dort, wo Obst, Gemüse und Wein angebaut werden. In Rheinland Pfalz gilt das zum Beispiel im Bitburger Land, der Vorderpfalz und in Rheinhessen. 

Das beobachtet Harald Gülzow mit Sorge. Seit über dreißig Jahren misst er die Nitratwerte auch in Rheinland-Pfalz. Nicht nur von privaten Brunnen sondern auch an Quellen.

Harald Gülzow (Foto: SWR)
Harald Gülzow vom Verein VSR Gewässerschutz misst regelmäßig zum Teil hohe Werte bei den Wasserproben von privaten Brunnenbesitzern.

Auch in Orbis, dem Ursprung der Selz, sind die Werte zu hoch, so der Experte: "Wir haben hier in der Selz 103,7 Milligramm Nitrat pro Liter. Das ist extrem viel. Grundwasser sollte immer unter fünfzig Milligramm pro Liter haben, damit es auch als Trinkwasser in Zukunft genutzt werden kann. Wir haben jetzt hier mehr als das doppelte, was an der Oberfläche rauskommt, das ist einfach unverantwortlich."

Was wird dagegen unternommen? 

Am Montag waren Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Umweltschutz zum Spitzentreffen bei Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Das Ziel: Eine verschärfte Düngeverordnung. In Rheinland-Pfalz gibt es seit 2014 das Programm "Gewässerschonende Landwirtschaft". Teilnehmende Landwirte werden gefördert und beraten, wie sie Nitratauswaschungen reduzieren können.  

Im rheinhessischen Guntersblum geht man mit der größten Uferfiltratgewinnungsanlage in Rheinland-Pfalz neue Wege: Wegen der hohen Nitratbelastung des Grundwassers in der Region versetzt man dieses mit Uferfiltratwasser aus dem Rhein, das in zehn 60 Meter tiefen Brunnen gesammelt wird. Mit dieser aufwendigen Methode kann der Nitratgrenzwert im Trinkwasser eingehalten werden.   

Fazit 

Nitrat im Grundwasser ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Es ist höchste Zeit, dass in der Landwirtschaft sparsamer gedüngt wird. Damit wir auch in Zukunft unbedenklich unser Wasser genießen können.  

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