Verletztes Knie das verbunden wurde und ein Arzt (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Behandlungsmöglichkeiten bei Kniebeschwerden Unnötige Knieoperation vermeiden

Die Zahl der Knieoperationen in Rheinland-Pfalz steigt Jahr um Jahr an. Den Großteil der Eingriffe macht das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks aus.

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Warum steigt die Zahl der Knie Operationen?

Immer mehr Menschen wollen bis ins hohe Alter körperlich aktiv sein. Dieses Anspruchsdenken ist nach Expertenmeinung eine Ursache für die vielen Knieoperationen. Weitere Ursachen sind zum Teil auch wirtschaftliche Interessen der Krankenhäuser, aber auch der niedergelassenen, operierenden Ärzte. Eine Knieoperation bleibt - auch im Vergleich zu anderen Operationen - lukrativ, die Kosten sind gut kalkulierbar und der Eingriff ist planbar.

Demgegenüber stehen konservative Behandlungen wie die Physiotherapie, die sich finanziell nicht in dem Maße auszahlen wie Operationen. Außerdem darf ein Arzt pro Quartal nur eine begrenzte Menge an Krankengymnastik verschreiben. Dass so manche Patienten geradezu um ihre Krankengymnastikrezepte kämpfen müssen, ist ein Problem, weiß der Orthopäde und Unfallchirug Dr. Christian Steingässer.

Knieprothese (Foto: SWR, SWR -)
Ein künstliches Kniegelenk kann die Knieschmerzen lindern. Dennoch birgt eine Operation auch Risikofaktoren. SWR -

Welche Alternativen gibt es zur Operation?

Viele Knie-Operationen sind überflüssig: Bei etwa einem Viertel der am Knie Operierten verbessern sich die Beschwerden nicht. Und es können schwerwiegende Komplikationen auftreten.

Zuerst sollten alternative Behandlungsmöglichkeiten getestet werden:

  • Bei Übergewicht kann es helfen, abzunehmen und so das Kniegelenk zu entlasten.
  • Ein kniegelenknahes Muskeltraining oder auch Gesamtkörpermuskeltraining trägt dazu bei, das Gelenk zu stabilisieren. So kann das Kniegelenk vor einer Überlastung geschützt werden.
  • Auch gelenkschonende Verhaltensweisen wie Fahrrad fahren können die Muskulatur um die Gelenke stärken.

Wie kann man als Patient die richtige Entscheidung treffen?

Hierbei ist vor allem wichtig, sich Zeit zu lassen und zunächst die verschiedenen Maßnahmen auszuschöpfen. Zudem ist es hilfreich, sich eine Zweit- oder sogar Drittmeinung einzuholen, bevor man eine Entscheidung trifft. Als letzter Weg kann immer noch ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden, doch davor sollte man auch alternative Behandlungsmöglichkeiten nutzen.

Hilfreich können auch Internetportale sein, die einen über die verschiedenen Möglichkeiten informieren. Auch der Orthopäde und Unfallchirurg Dr. Christian Steingässer baut gerade ein Videoportal zu orthopädischen Beschwerden auf. Er hat seine Praxis geschlossen und setzt jetzt mehr auf Prävention und Information der Patienten. Dabei ist es sinnvoll, so viel Transparenz wie möglich zu schaffen und beratend zur Seite zu stehen, um die Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die Entscheidung, ob eine konservative Behandlung oder eine Operation stattfinden soll, liegt letztendlich beim Patienten.

Fazit

Viele Knieoperationen sind überflüssig. Erst nachdem konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion und Physiotherapie ausgeschöpft sind, sollte über eine OP nachgedacht werden. Wichtig ist, mindestens eine weitere Meinung eines nicht operierenden Arztes einzuholen.

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