Arbeiten mit der Natur Was ist Biowein?

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Aktuell untersucht die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach einen Fall, bei dem es um die möglicherweise unsachgemäße Deklarierung von Biowein geht. Mitarbeiter und Betreiber einer Weinkellerei stehen im Verdacht, Produkte als Bio vermarktet zu haben, obwohl der Wein nicht den Vorgaben entsprach. Jedoch ist der Aspekt des Biobetrugs nur ein kleiner Teil des Falls. Es geht dabei auch um den Zukauf von Trauben, aus denen gar kein Wein hätte hergestellt werden dürfen. Die Winzer, die sich an die Vorschriften halten, finden es gut, dass aufgrund der gut funktionierenden Kontrollmechanismen solche Einzelfälle aufgedeckt werden können.

Was ist Biowein?

Die größten Unterschiede für Bio-Winzer ergeben sich durch die beschränkte Auswahl an Pflanzenschutzmitteln, die zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu konventionellen Winzern dürfen Biowinzer nur bestimmte Pflanzenschutzmittel verwenden, um Pilzbefälle der Reben zu vermeiden. Außerdem spielt für die Winzer das Fördern von Biodiversität durch Begrünung eine große Rolle. Mit deren Hilfe kann das Bodenleben gefördert werden. Insgesamt spielt bei Biowein der ideologische Ansatz im Weinberg eine entscheidende Rolle.

Winzer Erik Riffel (Foto: SWR)
Winzer wie Erik Riffel arbeiten eng am Rebstock und mit der Pflanze zusammen, das heißt, er geht bewusst auf die Bedürfnisse der Pflanze ein.

Die Bezeichnung Biowein gibt es erst seit 2012, zuvor gab es nur Wein aus biologisch angebauten Trauben. Seit dem Weinjahrgang 2012 gilt die neue EU-Verordnung zu Bioweinen, die mittlerweile auch den kellertechnischen Ausbau von Bioweinen regelt. Erstmals werden Grenzwerte für den Einsatz von Schwefel und die Verwendung von Hefen, die mit Hilfe gentechnischer Mikroben entstanden sind, getrennt vom konventionellen Weinbau regelt.

Auch auf dem Produkt werden die Bio-Qualitäten beworben – mit einem entsprechenden Siegel.

Welche Bio-Siegel gibt es?

Das EU-Bio-Siegel ist verpflichtend, da hier an der Codenummer das Herkunftsland und die Prüfstelle abgelesen und kontrolliert werden können. Das deutsche sechseckige Bio-Siegel stimmt mit den Anforderungen des europäischen überein, ist aber nicht verpflichtend. Landwirte und Winzer können es zusätzlich als Kennzeichnung benutzen.

Neben dem Siegel der Europäischen Union existieren auch andere Siegel von Verbänden wie Ecovin, Bioland, Demeter und Naturland.

Die Verbände wurden oft lange vor der Einführung des EU-Siegels gegründet und haben bereits damals Richtlinien für die Mitglieder aufgestellt. So konnten sie die Europäische Union sowohl bei den Verordnungen in 1991, als auch beim Bio-Siegel 2010 beraten.

Worin liegen die Unterschiede zum konventionellen Weinanbau?

Die EU-Richtlinien sind ebenfalls für die Siegel aller Verbände verpflichtend. Allgemein wird viel Wert auf die benutzten Pflanzenschutzmittel sowie die Biodiversität, den Klimaschutz und das ökologische Gleichgewichts des Weinbergs gelegt.

Traube (Foto: SWR)
Auch im ökologischen Weinbau sind Pflanzenschutzmittel zugelassen, um beispielsweise Pilzbefälle der Reben zu vermeiden.

 „Der Ökolandbau muss die Rebe, die sehr schutzbedürftig ist, trotzdem behandeln. Dazu hat man Kupfer und Schwefel zugelassen. Das dürfen also auch die Ökowinzer verwenden. Kupfer ist nicht gesund, es ist ein Schwermetall. Das wissen die Beteiligten auch, aber sonst wird man mit dem Problem des Pilzbefalls am Ende nicht fertig.“

Werner Eckert, SWR Umwelt- und Weinexperte

Die Verbände setzen hauptsächlich auf weiterführende ökologische und umweltschützende Maßnahmen im Weinbau.

Bio-Wein Siegel (Foto: SWR)
Die verschiedenen Biosiegel haben alle ihre eigenen Richtlinien, die zusätzlich zu den EU-Richtlinien gelten

„Der Sinn von Ecovin war es immer, einen ganzheitlichen Ansatz zu haben und das Ökosystem Weinberg zu betrachten. Die Idee dahinter sind gesunde Reben auf gesunden Böden.“

Andreas Hattemer, Ecovin Vorstandsmitglied aus Gau-Algesheim

Wie wird kontrolliert?

Für das Recht, ihre Produkte als Bio zu deklarieren, müssen Landwirte und Winzer diese zur Prüfung bei der zuständigen europäischen Stelle anmelden. Alle Weingüter, die das EU-Siegel besitzen, werden mindestens einmal im Jahr von Kontrollstellen geprüft – sowohl auf die EU-Richtlinien hin als auch auf die Einhaltung der Regeln der Verbände, falls sie dort Mitglied sind. Die Weinbauern werden von der Weinkontrolle überprüft, diese kontrolliert die Weinbuchführung. Hierbei muss von der Ernte bis zum Verkauf der Trauben alles dokumentiert werden. Die Kontrollstellen sind staatlich zertifiziert und werden wiederum selbst durch staatliche Behörden kontrolliert. Auch Verarbeiter und Händler von Bioprodukten werden kontrolliert.

Bei Auffälligkeiten drohen Sanktionen, wie der Ausschluss eines Jahrgangs aus der Bioproduktion oder sogar der Ausschluss des Winzers aus dem Verband.

Fazit

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