Anpassung an neue Bedingungen Wie der Klimawandel den Weinbau verändert

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Der Jahrhundertsommer 2018 brachte Trockenheit - und den Weinbauern überdurchschnittliche Erträge. Der Juli 2019 war der heißeste Monat seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Der Klimawandel ist im Gange. Wie reagieren die Winzer darauf?

Auf die Dauer wird sich die globale Erwärmung verstärkt auch auf den Weinbau auswirken. Klimaforscher rechnen mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen.

Womit macht sich der Klimawandel im Weinbau bemerkbar?


Die globale Erwärmung wirkt sich auf die Vegetationsdauer, den Ertrag und den Zuckergehalt der Trauben aus.

  • Rotweine können davon profitieren.
  • Weißweinen wie dem Riesling könnte es in Südlagen bald zu warm werden.
  • Im Schnitt treiben die Reben heute ein bei drei Wochen früher aus als noch vor 30 Jahren.
  • Je nach Witterung kommt es auch zu einem früheren Rebblütenbeginn. Und dann besteht die Gefahr, dass ein Spätfrost die Blüten zerstört.
  • Extreme Unwetter mit Starkregen und Hagelschlag bereiten den Winzern immer öfter Probleme.
  • Vor allem die Klimaerwärmung macht den Reben zu schaffen.
Vertrocknete Trauben-Perkel an einem Weinstock (Foto: SWR)
Zu viel Sonne ist auch für Trauben ungesund. 2019 waren viele Trauben von Sonnenbrand betroffen.

Besonders junge Pflanzen leiden unter der Hitze, da ihre Wurzeln noch nicht tief reichen. Doch eine Bewässerung der Weinberge wäre zu kostspielig und in steilen Lagen unmöglich. Durch die verlängerte Vegetationsphase bekommen die Trauben mehr Sonne ab und reifen früher.

Was können die Winzer angesichts des Klimawandels tun?

Die größte Rebfläche im Land besetzt mit 38 Prozent der Riesling. In den letzten warmen Sommern wird er bereits 3 Wochen früher reif als üblich.

Der Zuckergehalt der Trauben ist stark angestiegen. Einige Winzer gehen bereits dazu über, wieder höhere Lagen oder Seitentäler zu bepflanzen, die lange brach lagen. Denn pro 100 Metern Höhe sinkt die durchschnittliche Temperatur um ein Grad. Damit können die Winzer den Zuckergehalt der Trauben verringern und leichtere Weine produzieren.

Welche neuen Sorten passen sich dem Klimawandel an?

Professor Reinhard Töpfer vom Julius Kühn Institut für Rebenzüchtung Geilweiler Hof im Weinberg (Foto: SWR)
Am Julius Kühn Institut für Rebenzüchtung Geilweiler Hof in Siebeldingen beschäftigt sich Professor Reinhard Töpfer mit den Herausforderungen des Klimawandels.

Aus einer lebenden Genbank von 3.000 Reben kombinieren die Züchter vom Julius Kühn Institut in Siebeldingen die Eigenschaften, die in der Zukunft gefragt sein werden:

"Früher hat man versucht, möglichst viel Zuckeraneignungsvermögen zu haben, heute ist frühe Reife unerwünscht aufgrund des Klimawandels. Man möchte heute spätere Reife haben."

Prof. Reinhard Töpfer, Julius Kühn Institut für Rebenzüchtung, Geilweiler Hof

Am Institut für Rebenzüchtung Geilweiler Hof geht man davon aus, dass langfristig ein Sortenwandel im Weinberg stattfinden wird.

Auf dem Rebenlehrpfad des Geilweilerhofs finden sich neue Züchtungen mit Namen wie Calandro, Phoenix und der Regent, der in Rheinland-Pfalz bereits auf zwei Prozent der Fläche angebaut wird.

Hinweistafel im Weinberg mit Infos zur Rebsorte Regent (Foto: SWR)
Regent - so heißt eine Rebsorte, die aufgrund des Klimawandels an Bedeutung gewinnen könnte.
  • Der rote Regent ist eine robuste Rebsorte, die 1967 gezüchtet wurde und seit Mitte der 1990er Jahre auf Erfolgskurs ist. Er zeichnet sich aus durch eine frühe Reife, ein überdurchschnittliches Mostgewicht und eine gute Anpassung an klimatische Veränderungen. Er gedeiht auch in Lagen, die vorher nicht für Rotwein geeignet waren. Ein weiterer Vorteil: Er ist resistent gegen Mehltau und Reblausbefall und muss weniger gespritzt werden als andere Sorten.
  • Der Calardis blanc ist eine weiße Neuzüchtung und stammt ebenfalls vom Geilweiler Hof. Er reift eher spät und entwickelt weniger Zucker, sodass der Alkoholgehalt nicht so hoch ist. Er ist resistent gegen Sonnenbrand. Mit seiner spritzigen Säure und den Fruchtaromen erinnert der Calardis blanc an den Riesling. Sein Name leitet sich von der fränkischen Bezeichnung des Geilweiler Hofs- „Calardis Wiler“ - ab.

Fazit

Auch wenn der Riesling in Rheinland-Pfalz immer noch die wichtigste Rebsorte ist, werden die Winzer langfristig nicht darum herum kommen, kühlere Lagen zu suchen und Neues auszuprobieren, um sich auf den Klimawandel einzustellen.

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