Anders produzieren, anders konsumieren Ferkelkastration - vermeidbares Tierleid

Jedes Jahr werden in Deutschland 20 Millionen männliche Ferkel kastriert. 2013 hat der Bundestag beschlossen, dass die Tiere nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Fünf Jahre hatte die Branche Zeit, sich darauf einzustellen. Was seit 01.01.2019 für die EU gilt, wird in Deutschland aber erst ab 2021 umgesetzt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Warum werden Ferkel kastriert?

Wenn männliche Ferkel in die Pubertät kommen, dann entwickeln sie einen Geruch, der Sauen anlockt und ihnen signalisiert, dass sie geschlechtsreif sind. Dieser Geruch macht sich für den Menschen erst bemerkbar, wenn das Fleisch erhitzt wird. Es riecht sehr unangenehm nach Urin und Fäkalien und heißt passend "Stinkerfleisch".

Das betrifft zwar nur fünf Prozent aller männlichen Ferkel, reicht aber aus, dass zur Schadensbegrenzung alle männlichen Ferkel kastriert werden. Damit wird verhindert, dass sie geschlechtsreif werden und diesen Gestank entwickeln.

Eberfleisch kann einen widerwärtigen Geruch entwickeln. (Foto: SWR, SWR -)
Eberfleisch kann einen für Menschen widerwärtigen Geruch entwickeln. SWR -

Ein weiterer Vorteil der Kastration ist, dass die Ferkel ohne Pubertät auch kein Halbstarken-Gehabe entwickeln und die ganze Schweinetruppe friedlicher lebt. Eber können ganz schön aggressiv werden, wenn sie zeigen wollen oder müssen, wer der Stärkere ist.

  • 2002: Der Tierschutz wird im Grundgesetz verankert. "Keinem Tier soll ohne vernünftigen Grund Schmerz, Leiden oder Schäden zugefügt werden dürfen."
  • 2007: Wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem eine Studie der Ludwig-Maximilian-Universität in München, weisen nach, dass Kastration für Ferkel schmerzhaft ist.
  • 2013: Der deutsche Bundestag beschließt, dass Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden dürfen. Er räumt der Branche fünf Jahre Übergangsfrist ein, sich auf Betäubung einzustellen und schmerzfreie Methoden zu testen.
  • 2018: Im November beschließt der Bundestag auf Druck der Ferkel-Erzeuger-Lobby, die Übergangsfrist um zwei Jahre zu verlängern.

Was können wir Verbraucher für die Ferkel tun?

Landwirte sind in der Zwickmühle. Ständig in der Kritik und nach eigener Aussage finanziell am Limit. Die Erzeuger müssen bei der Umsetzung der besten Kastrationsmethode, was das Tierwohl angeht, finanziell unterstützt werden, denn sonst machen noch mehr Landwirte dicht, schließen ihre Schweineerzeugung.

Noch nie war Schweinefleisch im Vergleich zum Lohn so billig wie heute. Es sollte uns mehr wert sein. Und zwar auch an der Fleischtheke, nicht nur in Umfragen.

Billig Einkaufen - Tierleid in Kauf nehmen? (Foto: SWR, SWR -)
Billig Einkaufen - Tierleid in Kauf nehmen? SWR -

Am Fleischhunger der Konsumenten wird das nichts ändern. Die Gefahr, dass sie zukünftig Schweinefleisch aus Ländern kaufen, in denen das Tierwohl einen kleineren Stellenwert hat als bei uns, ist groß.

Fazit

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