Übertriebene Hygiene im Haushalt Warum weniger putzen manchmal besser ist

Wir greifen immer mehr zu desinfizierenden Sprays und Tüchern. Doch das ist gar nicht notwendig. Im Gegenteil: zu viel Sauberkeit kann uns sogar krank machen.

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Ein Eimer mit diversen Putz- und Desinfektionsmitteln. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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64 Kilogramm Wasch- und Reinigungsmittel kauft ein Vier-Personen-Haushalt durchschnittlich im Jahr. Darunter immer mehr Desinfektionsmittel und Reiniger mit "antibakterieller Wirkung". Sie sollen Toilettenbrillen, Türklinken, Lichtschalter oder Kinderspielzeug vermeintlich entkeimen.

Achtung in der Küche

Die Küche gilt als hauptsächliche Gefahrenquelle für Darmkeime. Armin Schuster, Biologe vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene Freiburg, erklärt: "Das Hauptrisiko geht von rohem Fleisch oder rohem Ei aus. Die Messer, Bretter und Utensilien, die dafür verwendet werden, sollten nach dem Benutzen nicht für andere Dinge direkt weiterverwendet werden. Davor und danach die Hände waschen, das Geschirr spülen und trocknen lassen, dann ist alles in Ordnung."

Händewaschen wichtig

Außer bei Magen-Darm-Infekten muss eine Toilette nicht desinfiziert werden, denn sie hat weniger Keime als man vermutet. Normales Putzen reicht völlig aus. Viel wichtiger als Desinfizieren ist es, sich nach dem Toilettengang gründlich die Hände zu waschen.

Warum Desinfektionsmittel sogar schädlich sind

Armin Schuster zu den Inhaltsstoffen von Desinfektionsmitteln: "Die bioziden Wirkstoffe habe alle in einer Form ein Risiko: Der Alkohol ist brennbar, andere Wirkstoffe sind allergisierend oder hautreizend und können die Atemweg angreifen. Diese Schadwirkungen muss mit dem möglichen Nutzen entgegensetzt werden."

Hände, die ständig putzen oder gewaschen werden, verlieren ihren natürlichen Fett- und Säureschutzmantel. Folge: Sie sind gerötet bis dauerhaft entzündet. Kinder, deren Spielzeug und Hände nicht desinfiziert werden, sind laut Schuster besser gegen Keime und Bakterien gerüstet. Studien des Umweltbundesamtes belegen, dass diese Kinder sogar weniger Allergien bekommen.

Was Sie zum Putzen wirklich brauchen

Für den normalen Haushalt reichen aus:

  • ein Allzweckreiniger
  • ein Handspülmittel
  • und ein Sanitärreiniger auf Zitronensäurebasis

Mit Mikrofasertüchern kann man gründlich reinigen und man kann sie waschen. Am besten benutzt man für jeden Bereich eine andere Farbe, damit man nicht durcheinander kommt. Desinfektionstücher, -sprays oder -reiniger sind nicht nötig.

Armin Schuster bringt es auf den Punkt: Aus seiner Sicht wird versucht, etwas Unnötiges zu verkaufen, indem Ängste geschürt werden. Und zwar mit dem Versprechen, dass Desinfektionsreiniger im Haushalt 99,9 Prozent aller Bakterien und Pilze beseitigen. "Aber das ist nicht erforderlich."

Fazit

Weniger Putzen und Desinfizieren hält gesund, schont die Geldbörse und unsere Umwelt - und noch dazu: unsere Nerven.

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