Verbraucher- und Tierschutz Tierwohllabel und was sie bedeuten

Seit dem 1. April 2019 findet man das Symbol der Initiative Tierwohl auf Fleischverpackungen. Diese neue Kennzeichnung erweitert den Kreis der Tierwohllabel.

Dauer

Heutzutage wollen viele Verbraucher beim Kauf von Wurst und Fleisch wissen, wie es im Stall aussieht. Ob das Tier genügend Platz hatte, ob es artgerecht gehalten wurde. Diverse Label sollen genau diese Infos bieten. Wodurch unterscheiden sich die einzelnen Kennzeichen?

Initiative Tierwohl

Label Initiative Tierwohl (Foto: SWR, SWR - Alice Thiel-Sonnen)
Hinter der Initiative Tierwohl stecken Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. SWR - Alice Thiel-Sonnen

Der Zusammenschluss aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Handel bietet erst seit Herbst 2018 gekennzeichnetes Schweinefleisch an. Das Siegel auf der Packung gibt dem Verbraucher am wenigsten Klarheit. Der Handel darf mit dem Schriftzug werben, nur weil er zahlendes Mitglied der Initiative ist.

Stammt das Fleisch tatsächlich von einem Betrieb, der mehr fürs Schweinewohl tut, ist das extra vermerkt. Das Mehr an Tierwohl liegt aber nur leicht über dem gesetzlichen Standard.

Haltungskompass der Supermärkte

Fleischpackung (Foto: SWR, SWR -)
Der "Haltungskompass" von Lidl. SWR -

Ob Lidl, Aldi, Rewe - derzeit hat noch jeder Discounter und Supermarkt sein eigenes Kennzeichen. Ab April wollen sie ein einheitliches Label einführen. Der Zeiger in der Mitte kann auf Stufe 1 stehen - die bietet den Schweinen nur das, was gesetzlich vorgeschrieben ist. Stufe 2 liefert ein kleines Plus an Komfort, wie ein Strohballen und acht Quadratzentimeter mehr Platz.

Erst ab Stufe 3 gibt es spürbar mehr Platz, offenen Stall oder Auslauf. Stufe 4 wäre Bioqualität. Das Problem: Produkte der Stufe 3 und 4 sind bislang im Laden kaum zu finden.

Tierschutzbund: Für mehr Tierschutz

Deutscher Tierschutzbund Label (Foto: Pressestelle, Deutscher Tierschutzbund)
Pressestelle Deutscher Tierschutzbund

Offener Stall oder Auslauf, ein Stück Holz, das an einer Kette hängt, oder Stroh - also Beschäftigungsmaterial. Wo die Schweine wühlen, scheuern, beißen können. Tageslicht, doppelt so viel Platz, wie gesetzlich vorgeschrieben.

So leben die Schweine, deren Schnitzel mit dem hellblauen Label des Deutschen Tierschutzbunds gekennzeichnet sind. Premiumstufe mit zwei Sternen - das kommt an Bioqualität heran. Die Einstiegsstufe mit nur einem Stern hat aber schon niedrigere Ansprüche.

Das staatliche Tierwohllabel

Das Labe für "MehrTierwohl" (Foto: dpa Bildfunk)

Auf all die verschiedenen Kennzeichen will Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner im Jahr 2020 noch ein weiteres setzen. Eines mit drei Stufen: von Einstieg - mit Kriterien leicht über dem Standard - bis Premium mit viel mehr Platz und Auslauf.

Positiv daran: Es werden Ansprüche auch an Futter, Transport und Schlachtung gestellt. Das leistet ansonsten nur das Label des Deutschen Tierschutzbundes. Negativ ist: Es bleibt eine freiwillige Kennzeichnung. Umweltschützer fordern dagegen eine verpflichtende Kennzeichnung und strengere Kriterien.

ONLINEFASSUNG
STAND