Liebespaar (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)

Nicht nur eine Erfolgsgeschichte 20 Jahre Viagra

Viagra, die berühmteste blaue Pille der Welt, wurde am 1. Oktober 1998 in Deutschland zugelassen. Wie ein Zufall zur Lustpille führte, wofür sie noch gut ist und warum es nichts Vergleichbares für Frauen gibt.

Dauer
Zwei Viagra-Pillen (Foto: SWR, SWR -)
SWR -

Viagra entstand durch Zufall

Ursprünglich wollte der Pharmakonzert Pfizer lediglich ein Medikament gegen Bluthochdruck und Herzschwäche auf den Markt bringen. Doch die Probanden der Testreihe freuten sich schon bald über angenehme Nebenwirkungen im Bett: Ihre Erektionen hielten länger an und waren zahlreicher. Nach seiner Entdeckung entwickelte sich Viagra im Handumdrehen zum Verkaufsschlager. Rund 65 Millionen Männer haben die blaue Pille seither eingeworfen. Kein Wunder, denn die Alternativen für Männer mit Erektionsproblemen sind deutlich weniger attraktiv: Vakuum-Pumpen, Spritzen oder riskante Penis-Operationen.

Viagra wirkt mechanisch

Sildenafil, so heißt der in Viagra enthaltende Wirkstoff. Die Substanz hemmt das Enzym PDE5 und regt so die Durchblutung im Körper an. Zu einer Erektion kommt es daher nicht automatisch, sondern lediglich dann, wenn der Mann erregt ist. Ein sicheres Erfolgsrezept ist Viagra aber nicht: In 30 Prozent der Fälle haben Erektionsstörungen andere Ursachen und müssen mit Nervenstimulation und Beckenbodentraining behandelt werden.

Viagra hat jede Menge Nebenwirkungen

Älteres Paar liegt im Bett (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Sex ist auch nach Herzinfarkt gesund (Symbolbild) Foto: Colourbox.de -

Trotz des Welterfolgs können die blauen Pillen eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen: Kopfschmerzen, Sodbrennen und Hitzewallungen gehören zu den häufigsten Symptomen. Auch Sehstörungen können auftreten, denn der Wirkstoff Sildenafil blockiert nicht nur PDE5, sondern auch das eng verwandte PDE6, das im Auge eine wichtige Rolle spielt. In einigen Fällen kommt es daher zu bleibenden Netzhautleiden und Erblindung. Wer zu viel schluckt, riskiert außerdem schmerzhafte Dauererektionen, Kreislaufprobleme und Herzinfarkt. Es gibt aber auch verblüffende positive Nebenwirkungen: Bergsteiger und Vielflieger setzten auf Viagra, um Höhenkrankheit und Jetlag zu behandeln. Bei fettleibigen Mäusen hat der Wirkstoff sogar zu einer Gewichtsabnahme geführt.

Alternativen zu Viagra

Diverse Viagra-Tablettenpackungen (Foto: SWR, SWR -)
Für die Einfuhr von Medikamenten gelten strenge Bestimmungen. Diese kleinen Helferchen in Sachen Standhaftigkeit bei Männern haben am Zoll allerdings keine Chance, durchgewunken zu werden - sie sind verschreibungspflichtig. SWR -

Inzwischen bieten auch andere Hersteller Pillen mit Sildenafil an und das zu deutlich erschwinglicheren Preisen. Gerade einmal fünf Euro kosten die Alternativen - für das Original muss man das Vierfache zahlen. Auch die Konkurrenzprodukte Levitra, Cialis und Spedra werden auf dem deutschen Markt angeboten. Ihre Wirkstoffe beeinflussen den Körper auf ähnliche Weise wie Sildenafil und es gibt sie wie Viagra nur auf Rezept. Wer das umgehen möchte, sollte aber aufpassen: Im Ausland werden auf Straßenmärkten vermeidliche Potenzmittel zum Schnäppchenpreis verkauft. In den Pillen ist oft kein oder zu viel Wirkstoff drin, oder etwas ganz anderes. Die Nebenwirkungen der gefälschten Produkte sind unberechenbar.

Viagra für die Frau bleibt erfolglos

Das Lustmittel für die Frau ist durch einen ähnlichen Zufall wie Viagra entdeckt worden. Ursprünglich als Mittel gegen Depressionen gedacht, wird „Addyi“ in Amerika nun als „Pink Viagra“ verkauft. Das Medikament soll Frauen die psychische Lustblockade nehmen. Doch der Erfolg blieb bisher aus. Im Schnitt kam es nach täglicher Einnahme der rosa Pille zu lediglich einer einzigen befriedigenden sexuellen Begegnung zusätzlich in zwei Monaten. Während der Einnahmezeit muss zudem vollständig auf Alkohol verzichtet werden. Auch Nebenwirkungen bleiben in der Regel nicht aus: Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erschöpfung folgen auf die Einnahme des Wirkstoffes Flibanserin. Kein Wunder, dass der Erfolg ihres blauen Bruders bei der rosa Pille bisher ausbleibt.

STAND