Gefährliche Nebenwirkungen Aspirin - die verharmloste Wunderpille

Ob Kopfschmerzen oder Erkältung – Aspirin gilt seit über 100 Jahren als Wundermittel gegen fast alles. Doch bei regelmäßiger Einnahme kann das Medikament gefährliche Nebenwirkungen haben.

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Wie wirkt Aspirin?

Acetylsalicylsäure – kurz ASS, wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Damit das Schmerzsignal nicht mehr im Hirn wahrgenommen wird, bremst das ASS-Molekül im Körper ein bestimmtes Enzym aus. "Das heißt: Mit Aspirin kann man Entzündungsprozesse unterbrechen, was auch schmerzlindernd sein kann. Aber Aspirin hat auch eine blutungsfördernde Wirkung, weil im Grunde der hemmende Effekt aufgehoben ist", erklärt Prof. Dr. Robert Thimme, Ärztlicher Direktor der Inneren Medizin der Uniklinik Freiburg. 

Aspirin bewirkt, dass die Blutplättchen nicht mehr so schnell verklumpen, das Blut wird flüssiger, Ablagerungen und somit Infarkte und Schlaganfälle können verhindert werden. Für Herz-Kreislauf-Patienten die Rettung.

Wie wird Aspirin eingesetzt?

Aspirin sollte man nicht vorbeugend einnehmen. "Wenn man beispielsweise eine koronare Herzerkrankung hat, verhindert die Einnahme von Aspirin, dass es an den erkrankten Gefäßen zu einem erneuten Verschluss kommt. Wenn ein Stent einlegt wurde, sorgt Aspirin dafür, dass dieser Stent offen bleibt. Es wirkt auch nach einem Schlaganfall, also in einem ganz ähnlichen Setting. Aspirin ist ein sehr gutes Medikament in der Sekundärprävention“, sagt Robert Thimme. 

Aber: Viele Menschen, die gesund sind, schlucken trotzdem regelmäßig Aspirin, in der Hoffnung Herzinfarkt, Schlaganfall und sogar Krebs vorbeugen zu können. Vor einem so leichtfertigen Umgang mit dem Medikament warnt der Mediziner. "Ein Apfel am Tag, das unterstütze ich. Ein Aspirin am Tag, das würde ich nicht unterstützen. Eine kurzfristige Einnahme ist in Ordnung. Aspirin ist fiebersenkend, schmerzlindernd und es kann sicherlich die Grippesymptomatik abschwächen. Problematisch ist die langfristige, nicht indizierte Einnahme." 

Welche Risiken gibt es?

Dass es bei einer dauerhaften Einnahme auch Risiken gibt, wurde lange vernachlässigt. Bei Gesunden ist der Nutzen zu gering und das Risiko, dass es zu Magen-Darm-Blutungen kommt, zu groß. Neue Studien zeigen, dass Patienten, die langjährig Aspirin einnehmen ein mindestens doppelt so hohes Risiko für Blutungen haben wie Patienten, die Aspirin nicht einnehmen. "Das ist eine der der Hauptnebenwirkungen von Aspirin, an die man denken muss und die auch klinisch relevant sein können", so Robert Thimme. Vor allem bei älteren Patienten kann das schnell lebensgefährlich werden.

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