Smartphone mit Anzeige 'Fly delayed' vor Abflugtafel in Flughafen (Foto: Colourbox)

Flugverspätung und Annulierung Was tun, wenn die Fluggesellschaft keine Entschädigung zahlen will?

Wird ein Flug annuliert oder verspätet sich um mindestens drei Stunden, kann einem eine Entschädigung zustehen. Was aber, wenn die Fluggesellschaft die Ansprüche ignoriert?

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Wann hat man einen Anspruch auf Entschädigung?

Befindet sich der Start- oder Zielflughafen in der EU oder hat die Airline in der EU einen Sitz, steht Passagieren bei Flugausfällen oder bei Verspätungen ab drei Stunden eine Entschädigung zu. Das gilt auch, wenn die Verspätung erst bei einem direkten Anschlussflug im Nicht-EU-Ausland entsteht. Die EU-Fluggastrechteverordnung gilt auch in der Schweiz, in Norwegen und in Island.

Fluggesellschaften berufen sich gerne auf "außergewöhnliche Umstände", um nicht zu zahlen. Dazu gehören etwa Streik, Unwetter oder Terrorwarnungen. Technische Defekte gehören nicht dazu.

Wie viel Entschädigung steht einem zu?

Die Höhe der Ausgleichszahlung richtet sich nach der Länge der Strecke. Sie haben drei Jahre Zeit, Ihre Ansprüche geltend zu machen:

  • Bis 1.500 Kilometer: 250 Euro pro Passagier
  • Zwischen 1.500 und 3.500 Kilometer: 400 Euro pro Passagier
  • Mehr als 3.500 Kilometer mit Start oder Ziel außerhalb Europas: 600 Euro

Bestehen Sie bei Verspätungen oder Flugannulierungen auf Ihr Recht und lassen Sie sich nicht mit Gutscheinen abspeisen.

Was muss ich tun, um eine Entschädigung zu erhalten?

Schritt 1: Wenden Sie sich an die Fluggesellschaft und fordern Sie Ihre Entschädigung ein. Dazu müssen Sie die Flugdaten angeben, den Grund Ihrer Beschwerde kurz erläutern und am besten eine Frist setzen. Dabei hilft ein Formular des ADAC. Am besten verschicken Sie den Antrag als Einschreiben mit Rückschein. Manche Fluggesellschaften bieten auch - meist gut versteckt - Entschädigungsformulare auf ihrer Internetseite an.

Schritt 2: Reagiert die Fluggesellschaft nicht oder weigert sich zu zahlen, können Sie sich über ein Online-Formular an die "Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr" (SÖP) wenden. Die Schlichtung ist kostenfrei. Ist die SÖP nicht zuständig, leitet sie die Beschwerde an die "Schlichtungsstelle Luftverkehr" beim Bundesamt für Justiz weiter.

Schritt 3: Ist die Schlichtung erfolglos oder sind Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden, können Sie sich an einen Anwalt oder an Fluggastrechtportale wie Flightright, Fairplane und Euclaim wenden. Diese prüfen, ob Ihre Beschwerde berechtigt ist, und kümmern sich um die Auseinandersetzung mit den Fluggesellschaften. Bei Erfolg erhalten Sie eine Entschädigung - abzüglich einer Provision von rund 30 Prozent. Das Verfahren kann sich allerdings über Monate hinziehen.

Es gibt auch Dienstleister, die dem Fluggast seine Entschädigungsansprüche an die Fluggesellschaft abkaufen - wenn es Aussicht auf Erfolg gibt. Der Vorteil: Der Kunde bekommt sofort Geld. Nachteil: Die Provision beträgt - je nach Anbieter - bis zu 45 Prozent, die von der Sofortentschädigung abgezogen werden.

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