Anbau von Obst und Gemüse Plastik auf dem Acker - ohne Folie geht es nicht

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Der erste Folienspargel ist im Handel. Unter den Folien-Tunneln auf den Feldern sprießen die Erdbeeren. Wenn man durch die Rheinebene fährt, hat man den Eindruck, ohne Folie geht es nicht mehr. Welche Folgen hat das für die Umwelt?

In Baden-Württemberg werden auf rund 12.000 Hektar Gemüse angebaut. Selbst Biobauern im Südwesten nehmen für ihre Spargelfelder oft Folien. Insgesamt sind es - grob geschätzt - rund 21 Millionen laufende Meter Folie allein beim Spargel in Baden-Württemberg bei einer Anbaufläche von 2.800 Hektar. Verlässliche Zahlen gibt es nicht.

Warum wird Plastik eingesetzt?

Karl-Josef Kury aus Waldkirch bei Freiburg hat sich auf Obst- und Beerenbau spezialisiert. 15 Tonnen Erdbeeren erntet er im Jahr. Wenn es wärmer wird, kommt die Folie tagsüber weg, damit die Früchte Sonne bekommen und die Insekten fliegen können. Nachts werden die Pflanzen wieder abgedeckt, um sie vor Frost zu schützen. Eine frühe Ernte wird immer wichtiger, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Der Druck auf die Landwirte ist groß, denn sie stehen im globalen Wettbewerb. In Spanien bedecken "Plastik-Meere" ganze Landstriche, in Griechenland und Holland sieht es ähnlich aus. Dank dem Einsatz von Plastik stehen viele Obst- und Gemüsesorten das ganze Jahr zur Verfügung. Während in Deutschland der erste Spargel geerntet wird, liegt der aus Peru und Chile längst im Laden. Zu Dumpingpreisen.

"Jeder Verbraucher hat selbst die Möglichkeit auszuwählen, was er kauft. Spargel im Januar muss nicht sein.

Jochen Goedecke, Naturschutzbund, Freiburg

Was sind die Vorteile?

Man kann früher ernten. Außerdem kann dank der Folien das Klima besser gesteuert werden. Beim Spargel wärmt die schwarze Seite den Boden, die weiße kühlt ab. Bis zu zehn Jahre hält eine solche Folie. Noch ein Vorteil: der Spargel bleibt schön weiß, wenn er unter der Folie wächst. Beim Folienanbau braucht man insgesamt weniger Pestizide und weniger Grundwasser. Alles gut, könnte man meinen, doch so einfach ist es nicht.

Was sind die Nachteile?

Die Menschen in Europa produzieren massenhaft Plastikmüll: Nach Zahlen der EU Kommission fallen jährlich 26 Millionen Tonnen an. Dazu gehört auch der Plastikmüll aus der Landwirtschaft. Der Großteil der Folien kann nicht recyceltwerden und landet in der Verbrennungsanlage.

Ein weiterer Nachteil: die Folien können zerfleddern. So gelangt Mikroplastik in den Boden, dort lässt es sich viel schwerer nachweisen als im Wasser. Neben dem anfallenden Müll wird durch die Versiegelung von Flächen der Lebensraum für Insekten und Wildpflanzen eingeschränkt, beklagen Naturschützer. Und eines ist offensichtlich: der Einsatz von Plastik verändert die Landschaft.

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