Zecken als Krankheitsüberträger 2018 ist ein Zeckenjahr

Seit Anfang dieses Jahres sind in Baden-Württemberg mehr Menschen an der durch Zecken übertragenen FSME erkrankt als im gesamten Jahr 2017. Und die Infektionsgefahr ist noch nicht vorbei.

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Laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg wurden 2018 bis Mitte August 221 FMSE-Erkrankungen gemeldet. 2017 erkrankten im gesamten Jahr insgesamt 195 Menschen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann Hirnhautentzündungen und Lähmungen verursachen und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Wo lauern die Zecken?

Der warme Sommer bietet optimale Bedingungen für die kleinen Blutsauger. Zecken lauern in Wäldern und Parks, aber auch im heimischen Garten auf Gräsern, Farnen oder Sträuchern. Von dort werden sie von vorbeilaufenden Menschen und Tieren "abgestreift" und mitgenommen. Dass sich Zecken von Bäumen auf ihre "Opfer" fallen lassen, ist übrigens ein Mythos.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Eine Zecke steckt in menschlicher Haut, eine Rötung um den Zeckenbiss weist auf eine Infektion hin. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Zecken so schnell wie möglich entfernen Thinkstock -

Neben der virusbedingten Hirnhautentzündung FSME können Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose übertragen, die das Nervensystem und die Gelenke schädigen kann. Genau Zahlen zu Borreliose-Erkrankungen liegen nicht vor, Schätzungen belaufen sich zwischen 40.000 und 120.000 Infektionen pro Jahr. Borreliose kommt in ganz Deutschland vor. Je nach Region tragen bis zu 30 Prozent der Zecken die Erreger in sich.

Die Erreger werden erst übertragen, wenn die Zecke bereits einige Stunden Blut saugt. Nur ein sehr kleiner Teil der Borreliose-Infizierten von rund einem Prozent entwickelt Krankheitssymptome. Treten innerhalb von vier Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollten Sie sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Denn sonst drohen noch nach Jahren Spätfolgen.

Wie kann man sich schützen?

Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es nicht. Wird die Infektion früh erkannt, lässt sie sich aber gut mit Antibiotika behandeln.

Ansonsten gilt: vorsorgen. Wer durch Wald, Feld und Wiesen streift, sollte lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Und die Stümpfe über die Hosenbeine ziehen, das erschwert den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte sich jeder gründlich nach Zecken absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.

Was hat es mit der neuen tropischen Zecke auf sich?

Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Die Zecken Gemeiner Holzbock (links, Ixodes ricinus) und rechts Hyalomma marginatum. picture-alliance / dpa -

Die tropische Zecke der Gattung Hyalomma fühlt sich offenbar aufgrund des extremen Sommers auch in Deutschland wohl. Ursprünglich ist der Blutsauger in trocken-heißen Gebieten Afrikas und Südeuropas beheimatet. Wahrscheinlich wird er durch Zugvögel nach Deutschland eingeschleppt. Die Universität Hohenheim hatte bereits Mitte August bestätigt, dass in verschiedenen Bundesländern mehrere Exemplare an Pferden und einem Schaf nachgewiesen worden waren.

Die Hyalomma ist bis zu fünfmal größer als die bekannten Zecken, kann sehr schnell laufen und begibt sich aktiv auf Wirtsuche. Sie gelten als potentielle Überträger des Krim-Kongo Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch Hämorrhagischen Fiebers und einer Form des Zecken-Fleckfiebers. Unklar ist derzeit noch, ob Hyalomma die Wintermonate in Deutschland überstehen wird und sich dauerhaft hier etablieren kann.

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