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Geschwend, ein Ortsteil von Todtnau, ist bekannt geworden wegen eines Felssturzes vor anderthalb Jahren. Der hatte die Bewohner zusammenrücken lassen. Doch nun mussten einige erneut ihre Häuser verlassen.

Im März 2019 machte ein Felssturz den 375-Seelen-Ort Todtnau-Geschwend im Kreis Lörrach schlagartig bekannt – im wahrsten Sinne. Ein mannshoher Felsen hatte sich vom Hang gelöst, war quer durch einen Garten gerollt und dann im Hof eines Wohnhauses liegengeblieben. "Das war so ein Geräusch, wie wenn ein schweres Erdbeben ist. Das hat so dieses Grollen und dann hat alles nur noch vibriert", erzählt Anwohnerin Katrin Spitz. Damals hatten die Bewohner Glück. Der Fels richtete keinen großen Schaden an.

Mannshoher Felsen, der in Geschwend herunter gekommen ist. (Foto: SWR)
Edmund Busche am herabgestürzten Felsen in seinem Hof.

Danach mussten Bewohner von Geschwend zweimal für mehrere Wochen ihre Häuser verlassen – wegen der Felssicherungsarbeiten. Und diesen Oktober nun schon wieder. Grund: Hinter den Bäumen am Steilhang verstecken sich noch weitere Felsen, die jeder Zeit herunterstürzen könnten. Mit einer Gewalt, der keine Hauswand etwas entgegensetzten kann. Es sind große Zäune errichtet worden, die den Hang sichern. Er hält kleinere Felsen davon ab, ins Dorf zu stürzen.

Netz zur Felssicherung am Hang in Geschwend (Foto: SWR)
Die Netze schützen das Dorf vor kleineren, herabstürzenden Felsen.

Das Geologische Landesamt hat aber einen Felsen entdeckt, der zu groß ist. "Wenn der im Ganzen 'runterkommt, dann hält auch das Netz nicht mehr. Da ist er zu groß dimensioniert, der Fels. Den stoppt halt nichts mehr bis unten“, sagt Mike Köpfle. Er und seine Männer sind Spezialisten für die Fels-Sicherung.

400-Tonnen-Fels muss separat gesichert werden

Der Fels ist rissig und porös. Er kann jederzeit kippen und ins Dorf stürzen. Um den 400-Tonnen-Brocken zu stabilisieren, soll er separat mit mehreren Stahlseilen befestigt werden. Um diese zu anzubringen, müssen aber zuerst Löcher für die Verankerungen gebohrt werden. Durch die entstehenden Vibrationen bei den Bohrungen könnte sich der Fels lösen.

Zur Vorsicht muss evakuiert werden

Falls der Fels sich durch die Bohrungen doch lösen sollte, sind zur Sicherheit acht Häuser direkt unter der Sicherungsstelle evakuiert worden. Für zunächst sechs Wochen müssen die Einwohner ihre Häuser verlassen. So auch Familie Kaiser. Sie haben zwei Ferienwohnungen gefunden, die als Zuhause für die nächste Zeit dienen sollen.

Doch zuerst muss gepackt werden. Das ist gar nicht so leicht mit einer achtköpfigen Familie, denn es darf nichts vergessen werden. Eine Rückkehr zum Haus ist während der Sicherung des Felsens streng verboten. Und ob es bei sechs Wochen bleibt, ist auch noch nicht klar.

"Ich hab' einfach die Befürchtung, dass wir in sechs oder in acht Wochen immer noch nicht zu Hause sind, denn es hat ja jetzt schon geschneit und wenn es so weiter geht mit der ganzen Regnerei, dann verzögert sich alles – und dass wir Weihnachten nicht zu Hause sind, wäre echt der Horror."

Katharina Kaiser, Anwohnerin Geschwend

Die Einwohner hatten dieses Mal eine längere Vorwarnung, dass sie ausziehen müssen. Sie konnten sich Wohnungen suchen für die Zeit der Felssicherung. Vor anderthalb Jahren war das anders gewesen – damals hatten manche von ihnen kein Dach über dem Kopf, sodass sie für eine Weile im Gasthaus des Dorfes unterkommen mussten.

Im Dorfgasthaus Rössle wird einander geholfen

"Das ging ja sehr plötzlich. Das war innerhalb von einer Stunde, wo die Leute auf einmal einen Schlafplatz gebraucht haben und dann haben auch hier im Haus erstmal ein paar übernachtet, bis sie eine andere Möglichkeit gefunden haben", erzählt Jutta Strohmeier. Sie ist so etwas wie die gute Seele des Gasthauses.

Das Rössle gehört einer Gemeinschaft von über 200 Mitgliedern und wird als gemeinsames Projekt des ganzen Dorfes betrieben. Ohne das Engagement und Menschen wie Jutta Strohmeier, die mit Herzblut und Leidenschaft dabei sind, würde es das Rössle schon lange nicht mehr geben.

Zusammengehalten wird auch in der Gärtnerei Eckert. Vater Robert Eckert und Sohn Ricco arbeiten hier Seite an Seite. Mitten im Hochschwarzwald behauptet sich die Gärtnerei mit Erfolg. Vor 40 Jahren hat Robert Eckert das Geschäft von seinem Vater übernommen. Demnächst will Sohn Ricco das Ruder übernehmen.

Unter dem Felssturz hat der Umsatz nicht gelitten. Sie haben genug Stammkunden. Am liebsten bringt Robert Eckert seinen Kunden die Ware selbst vorbei. Auch bis an die Grenzen der für die Felssicherung gesperrten Gisibodenstraße.