Kroatien - Inselwelten vor Dubrovnik

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Die Küste Süddalmatiens gehört zu den schönsten in Europa. Festland und Inseln, Buchten, Meeresarme und offene See, alles ist miteinander verwoben, alles ineinander verschlungen. Abgeschnitten durch den Meereszugang von Bosnien-Herzegowina bildet die Hafenstadt Dubrovnik mit den Inseln vor ihren Festungsmauern einen eigenen kleinen Kosmos.

Schaufenster der Unterwasserwelt - Das Aquarium in der Festung

Eine der Aufgaben des Instituts für Meereskunde ist die Bestückung des Meeres-Aquariums in der Festungsanlage von Dubrovnik. Nach frischen Exponaten der adriatischen Meeresfauna tauchen die Biologen vor der Nachbarinsel Lokrum. Spektakulär ragt dort eine Felswand mehrere hundert Meter in die Tiefe. Kristallklares Wasser, bizarre Felsformationen und eine artenreiche Unterwasserwelt machen Dalmatien zu einem Tauchparadies.

Die Meeresgründe bieten noch mehr: Wahre unterseeische Museen. Wissenschaftler des Instituts zur Bewahrung des kulturellen Erbes dokumentieren ein Feld mit über fünfhundert Amphoren. Zeugnisse einer Schiffskatastrophe, die sich vor zweitausend Jahren ereignet hat. Mit ihren Forschungen wollen sie auch verhindern, dass Schatztaucher illegal Beute machen, die dann auf dem schwarzen Markt teuer verkauft wird.

Tanzende Schwerter und Säbel - alte Bräuche und junge Leute

Zu den vielen Traditionen, auf welche sich die Kroaten nach Kommunismus und Krieg wiederbesinnen, gehört auf der Insel Korèula die Moreska, ein Schwert- und Säbeltanz, der zur Zeit der Renaissance im ganzen Mittelmeerraum verbreitet war. Alljährlich wird er in den Sommermonaten aufgeführt. Der Film besucht die Proben der Schwerttänzer. Rafaela und Andro spielen ein Königspaar, das sich erst nach siegreichem Kampf gegen die Mauren wieder in die Arme fallen kann. Rafaela hat Wirtschaftswissenschaften studiert und danach keine Arbeit auf dem Festland gefunden. Auf Korèula aber ein neues Glück mit ihrer Band.

Kroatien Inselwelten vor Dubrovnik

Andro träumte schon als Junge davon, einmal den Weißen König zu spielen. Der Steinmetz ist eigentlich von Beruf Raumfahrtingenieur. Die Arbeit mit dem Marmor, eine über vierhundertjährige Familientradition, war ihm wichtiger. Rafaela und Andro sind die Ausnahme. Die meisten Jungen sehen für sich keine Zukunft auf den Inseln, die zunehmend überaltern.

Deshalb ist Großmutter Zdravka glücklich, dass ihr Sohn Vicko mit seiner Familie dageblieben ist. Sie haben einen kleinen Bauernhof auf Mjlet, das sich rühmt, die grünste Insel der Adria zu sein. Vor zwanzig Jahren lebten noch über tausend Menschen in ihrem Dorf Babino Polje, berichtet Vicko. Und heute seien es neunhundert auf der ganzen Insel. Er ist froh über seine Arbeit im Hotel. Mit dem Ertrag ihrer Landwirtschaft lebt die Bauernfamilie ein einfaches, glückliches Leben. Wenn nur die Mungos nicht wären. Schleichkatzen aus Indien, die das Militär wegen der Giftschlangen auf die Insel brachte. Was mit drei Pärchen begann, wurde zur Plage. Einer der Eierdiebe ist in die Falle gegangen. Eigentlich müssen wir ihnen ja dankbar sein, erzählt die Großmutter. Schließlich hätten sie alle Schlangen gefressen. Deshalb wird der Mungo weit vom Hof wieder in die Freiheit entlassen.

Vom Sperrgebiet zum Nationalpark

Jede der Inseln ist eine Welt für sich. Ein Abstecher führt nach Lastovo am Rande des süddalmatinischen Archipels. Es war militärisches Sperrgebiet der jugoslawischen Armee und durfte bis 1992 nicht von Ausländern betreten werden. Seit dem Ende des Kalten Kriegs rosten die Kanonen vor sich hin. Eine tröstliche Folge. Die Natur der anmutigen Insel mit ihren typischen Steinhäusern blieb intakt und es wurden keine hässlichen Hotelanlagen gebaut. 2006 wurde Lastovo zum Nationalpark erklärt.

Das Neretva-Delta - Sümpfe wurden zu Gärten

Umgeben von Karstbergen bildet das Neretva-Delta eine Insel aus zahllosen Gärten und Plantagen. Mit der Entwässerung der Sumpflandschaft verschwand eine einzigartige Kultur. Die Menschen lebten mit dem Wasser, waren täglich mit ihren Booten unterwegs. Um die alten Lada-Boote zu retten, veranstalten 36 Piratenvereine eine Art Drachenbootrennen über 24 Kilometer. Sie nennen sich nach den gefürchteten Seeräubern, die in den Sümpfen des Deltas ihre Verstecke hatten. "Im Mittelalter", erzählen sie lachend, "haben die Neretva-Piraten die ganze Adria unsicher gemacht. Wir bleiben heute unter uns und kämpfen beim Lada-Marathon mit viel Herzblut gegeneinander."

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