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Die einen können derzeit nicht, manche wollen nicht: Es geht ums Rechnungen zahlen. Schneller als viele sich das wünschen, flattert bereits eine Zahlungserinnerung samt unnötigen Mahngebühren ins Haus.

Wie lange man sich mit dem Bezahlen einer Rechnung Zeit lassen darf, steht meistens schon in den Verträgen oder der Auftragsbestätigungen mit drin. Üblich ist auch der Zusatz „zahlbar in 14 Tagen nach Rechnungsdatum“.

Bei dem Vermerk „zahlbar sofort und ohne Abzug“ musst man zahlen, sobald man die Rechnung in Händen hält.

Entscheidend ist, wann die Rechnung fällig ist

Ein Handwerker und eine Frau stehen in einer Küchen nebeneinander und er zeigt auf ein Klemmbrett und sie unterschreibt gleich (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Ganz egal, ob es z.B. um eine Zahnarztrechnung oder eine Handwerkerrechnung geht: Rechnungen müssen gezahlt werden, wenn sie fällig sind. Dennoch lohnt es sich nochmals auf die Rechnung zu schauen, ob sich da nicht ein Passus findet, bis zu welchem Datum die Rechnung gezahlt werden soll.

Bis wann Online-Bestellungen bezahlt werden müssen

Bei Online-Bestellungen kommt es darauf an, welche Zahlungsart gewählt wurde. Wer bei der Bestellung auf “Zahlung auf Rechnung" geklickt hat, muss die Rechnung erst nach Erhalt der Ware zahlen und nicht sofort.

Die Miete muss bis zum 3. Werktag im Monat überwiesen werden

Geldscheine liegen auf einem Mietvertrag. (Foto: dpa Bildfunk, Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk)
Armin Weigel/dpa +++ dpa-Bildfunk

Die Miete ist zu Beginn eines Monats im Voraus zu zahlen, spätestens aber muss das Geld am dritten Werktag des Monats überwiesen werden.

Was für Versicherungen gilt

Wer “frisch” eine Versicherung abgeschlossen hat, muss die Erstprämie innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsschluss zahlen, sonst kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten.

Vergisst man eine oder mehrere Folgeprämien rechtzeitig zu bezahlen, darf die Versicherung aber nicht gleich kündigen. Der Versicherer muss vielmehr erst mal abmahnen und einem 2 Wochen Zeit geben, um den Beitrag nachzuzahlen. Wer diese Frist verstreichen lässt, riskiert, dass jedoch, dass ihm die Versicherung den Vertrag fristlos kündigt.

Halten Sie sich an diese Reihenfolge beim Bezahlen

Wer mehrere Rechnungen und Mahnungen Zuhause liegen hat, aber nicht alle zahlen kann: Sollte auf jeden Fall immer zuerst Miete, Strom und Gas als Erstes bezahlen.

Ein 100 Euro Schein steckt in einer Steckdose. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Gerät man mit der Miete in Verzug, kann der Vermieter sogar – je nach Höhe des Rückstands – das Mietverhältnis fristlos kündigen. Das sollte auf jeden Fall vermieden werden!

Miete und Kreditraten als Erstes zahlen!

Mit allen anderen Gläubigern, wie beispielsweise der Versicherung, sollte man versuchen, eine Stundung der Forderung zu vereinbaren.

Mahngebühren: Wie hoch die sein dürfen

Ein Stempel mit der Aufschrift "MAHNUNG". (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Eine Mahngebühr gilt als Verzugsschaden. So ein Verzugsschaden kann nur verlangt werden, wenn Verzug vorliegt. Wird eine Rechnung nicht bezahlt und schickt der Versender daraufhin eine Mahnung, kommt man erst nach Ablauf der in der Mahnung gesetzten Frist in Verzug – und muss auch erst dann die Mahngebühr bezahlen.

Hier gilt die Grundregel: Mahngebühren dürfen nicht höher als der zu erwartende Schaden sein. Es dürfen also nur Kosten in Rechnung gestellt werden, die tatsächlich durch die Mahnung angefallen sind wie z.B. das Porto und der Verwaltungsaufwand.

Mahngebühren dürfen maximal 3 Euro hoch sein

Dabei gibt es keine prozentuale Regel nach dem Motto: Je höher der Rechnungsbetrag, umso höher darf auch die Mahngebühr ausfallen! Prinzipiell dürfen Mahngebühren 2-3 Euro nicht überschreiten.

Gerichtlicher Mahnbescheid statt Mahnung: Zulässig

Eine Lupe vergrößert ein Schreiben, auf dem Mahnung steht (Foto: dpa Bildfunk, Christian Charisius)
Christian Charisius

Gleich ein gerichtlicher Mahnbescheid statt eine “einfache” Mahnung schicken: Ist das überhaupt zulässig oder wie oft muss gemahnt werden bevor der Rechnungsteller z.B. einen gerichtlichen Mahnbescheid gegen mich beantragen kann?

Rechtlich ist es leider so, dass der Rechnungsteller auch ohne vorherige Mahnung einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen kann.

Teures Parken: So wehren Sie sich

Parken Sie unzulässig z.B. auf einem privat betriebenen Supermarktparkplatz, könnte es Ihnen passieren, dass Sie gleich Post von einem Inkassobüro bekommen, wonach Sie z.B. gleich 100 Euro zahlen soll: Ist das zulässig?

Bei dieser sogenannten Parkraumbewirtschaftung dürfen die Gebühren doppelt so hoch sein als im Bußgeldkatalog. Das wird noch von den Gerichten als angemessen betrachtet. Direkt bei der ersten Zahlungsaufforderung aber bereits Mahn- oder Inkassogebühren zu verlangen, ist allerdings nicht zulässig.

Wichtig zu wissen: Der kleine Zettel am Scheibenwischer bedeutet noch nicht, dass Ihnen eine Rechnung zugegangen ist. Erst, wenn die erste postalische Zahlungsaufforderung kommt, müssen Sie zahlen – allerdings dürfen da noch keine zusätzlichen Entgelte mit drin sein.

Wie Sie sich gegen unzulässige Inkassogebühren wehren

Bei Inkasso-Mahnbescheiden wird oft mit der Kontopfändung gedroht. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Bodo Marks/dpa)
picture alliance / Bodo Marks/dpa

In solchen Fällen, sollten Sie die Strafe (nur die!) zu zahlen, wenn sie auch angemessen ist. Werden zusätzlich schon in der ersten Zahlungsaufforderung Mahn- oder Inkassogebühren geltend gemacht werden, sollten Sie schriftlich widersprechen.

Inkassokosten sind erst zulässig, wenn Sie sich in Verzug befinden. Also nicht gezahlt haben, obwohl die Rechnung fällig war.

Gelber Brief: Jetzt wird´s ernst 

Erhalten Sie einen gerichtlichen Mahnbescheid im gelben Umschlag, gilt: Den sollten Sie nur zahlen, wenn die Forderung tatsächlich gerechtfertigt ist. Andernfalls sollte Sie das beigefügte Widerspruchsformular am Besten per Einschreiben mit Rückschein an das Mahngericht schicken und zusätzlich noch einen Widerspruch an den  Antragsteller schicken.

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