Trinkwasserfilter (Foto: IMAGO, IMAGO / imagebroker)

Aktivkohle, Osmoseverfahren und Co.

Tipps für den Gebrauch von Tischwasserfiltern

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Trinkwasserfilter kommen immer wieder zum Einsatz, obwohl sie meisten gar nicht notwendig sind. Wir klären auf.

Aktivkohlefilter

Aktivkohle kann einige große, unpolare, organische Wasserinhaltsstoffe zurückhalten, z. B. chlorierte Kohlenwasserstoffe, Pflanzenschutzmittel oder Medikamente. Aber Schwermetall-Ionen (z.B. Blei), Nitrat und Calcium/Magnesium (Kalk) lassen sich durch dieses Verfahren nicht herausfiltern. Der Kalkgehalt wird lediglich minimiert.

Nachteile: Ist der Filter voll beladen, können die angelagerten Stoffe konzentriert wieder ins Wasser "durchbrechen". Aktivkohle bietet einen hervorragenden Nährboden für Mikroorganismen. Deshalb enthalten die Filter oft keimtötendes Silber, das aber ausgewaschen wird. Es finden sich bis zu 15 Milligramm Silber pro Liter Wasser. Werden die Geräte länger nicht benutzt oder steht das Wasser im Behälter, besteht so die Gefahr, dass sich im Wasser Keime vermehren.

Wasserfilter (Foto: Colourbox)

Hygiene

  • Lesen Sie auf jeden Fall die Bedienungsanleitung für Ihre Filterpatrone und befolgen Sie diese.
  • Wechseln Sie die Kartusche und reinigen Sie den Filter regelmäßig, um stets für eine einwandfreie Wasserqualität zu sorgen.
  • Verwenden Sie die ersten beiden Liter einer neuen Kartusche nicht als Lebensmittel. Hier wird verstärkt Aktivkohle und Silber ausgewaschen.
  • Es ist sinnvoll, den Filter im Kühlschrank aufzubewahren. Achtung: Keinesfalls in der Küche am Fenster stehen lassen. Sonneneinstrahlung kann sehr schnell dazu führen, dass sich Keime bilden und vermehren.
  • Gefiltertes Wasser sollte für Kleinkinder und immungeschwächte Menschen abgekocht werden.
  • Manche Behälter dürfen regelmäßig in die Spülmaschine.

Entsorgung der gebrauchten Kartuschen

Die meisten Anbieter nehmen die gebrauchten Kartuschen zurück zum Recyceln. Dazu müssen sie eingeschickt werden.

Ionenaustausch

Ionentauscher entziehen dem Trinkwasser anorganische, polare Teilchen (Ionen) und tauschen sie gegen andere aus. So können zum Beispiel hartem Wasser Calcium- oder Magnesium-Ionen (Kalk) entzogen und gegen Natrium-Ionen ausgetauscht werden.

Nachteile: Ist der Austauscher voll, kann er die zurückgehaltenen Ionen plötzlich konzentriert an das Wasser abgeben. Dies kann unbemerkt geschehen, da die Geräte nur einen Druckanstieg oder eine bestimmte Durchflussmenge anzeigen. Kommen Geräte längere Zeit nicht zum Einsatz oder steht das Wasser im Behälter, können sich Keime vermehren. Beladene Filterpatronen von Tischgeräten können nicht regeneriert, sondern müssen ersetzt werden. 

Auch Blei und Nitrat könnten von Kationen bzw. Anionen-Austauschern durch Natrium bzw. Chlorid-Ionen ersetzt werden. Aber Vorsicht: Ein Filter wiegt in falscher Sicherheit. Die Gefahr, unbemerkt eine geballte Ladung der Stoffe aufzunehmen, ist groß, wenn der Filter voll ist. Auch Abkochen beseitigt Blei und Nitrat nicht.

Fest installierte Anlagen müssen regelmäßig mit Austauscherlösung regeneriert werden. Das funktioniert im Prinzip wie bei der Spülmaschine: Regeneriersalz muss eingefüllt werden. Je nach Wasserverbrauch beläuft sich die Menge für einen Privathaushalt auf 10-15 kg pro Monat mit Folgekosten von fünf bis zehn Euro.

Membran-/ Umkehrosmose-Verfahren:

Umkehrosmose-Verfahren pressen Wasser mit Hilfe elektrischer Pumpen durch eine nur in eine Richtung durchlässige Membran. Diese Haut lässt dabei nur sehr kleine Moleküle wie das Wasser hindurch. Größere Stoffe wie Nitrat, Phosphat, Schwermetalle, aber auch Mineralstoffe werden zurückgehalten. Auf diese Weise entsteht auch "hochreines Wasser" für Laboratorien und die Raumfahrt.

Nachteile: Damit die feine Membran nicht verstopft, muss sie unter hohem Wasserverbrauch gespült werden. Um 1 Liter gefiltertes Wasser zu gewinnen, werden daher zum Beispiel 3 Liter Trinkwasser gebraucht. Die Folge: Hohe Energie- und Wasserkosten.

Die Membran ist anfällig für Verkeimung, da sich dort Schwebstoffe sammeln. Ein dauerhafter Verzehr dieses Wassers kann dem Körper Mineralien entziehen und zu Unterversorgung führen. Es entstehen Folgekosten für Filter- und Membrantausch. Außerdem muss der Wassertank alle sechs Monate desinfiziert werden.

Fazit:

  • Grundsätzlich machen Wasserfilter und -filteranlagen im Haushalt nur Sinn, wenn das Wasser tatsächlich mit unerwünschten Stoffen belastet ist. Aber dann muss die Filtermethode passend zum Stoff gewählt werden. Dennoch: Bei Einsatz im Haushalt überwiegen die Risiken oft die versprochenen Vorteile. Aus hygienischer Sicht ist von Wasserbehandlern abzuraten, denn dadurch wird meist unnötig eine weitere Stufe im Wasserweg eingebaut, die wenig oder gar nicht kontrolliert ist. Trinkwasser ist ein verderbliches Lebensmittel, das schnell verkeimt, wenn es zu lange im Behälter steht oder mit alten Filtern in Kontakt kommt.
  • Tischwasserfilter haben keine konkrete Leistungsangabe. Das Wasser ist zu Beginn nachweislich weniger kalkhaltig, dafür etwas saurer.  Angaben darüber, wie lange das Wasser kalkärmer ist und Schadstoffe ausgefiltert werden, gibt es nicht. Manche Filter zählen lediglich, wie oft der Deckel geöffnet wird, nicht aber, wieviel Liter Wasser gefiltert wurde.

Expertin im Studio: Bärber Neher, hauswirtschaftliche Fachberaterin

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