Aufgestalpte Geldmünzen (Foto: Colourbox, Patrick Daxenbichler - www.pd-design.at)

"Die meisten Leute kommen nicht wieder"

Verbraucherinsolvenz als Weg aus der Schuldenfalle

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Wer überschuldet ist, sieht oft keinen Ausweg. Die Verbraucherinsolvenz ist eine Möglichkeit, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Wer ständig sein Konto überzogen hat und auch noch zusätzliche Schulden hat, für den könnte eine Verbraucherinsolvenz eine Lösung sein. Eine konkrete Summe, ab wann ein Verbraucherinsolvenzverfahren eine Alternative sein kann, gibt es nicht.

Spätestens allerdings, wenn man kein pfändbares Einkommen mehr hat und man auch keine Möglichkeit mehr sieht, seine Schulden zu zahlen, sollte man drüber nachdenken. Allerdings nicht wegen 2.000 Euro Schulden auf dem Girokonto.

Was die Verbraucherinsolvenz bringt

Eine Verbraucherinsolvenz bringt in absehbarer Zeit einen wirtschaftlichen Neuanfang, weil die Restschulden erlassen werden. Das ist nicht nur eine finanzielle, sondern oft auch eine psychische Entlastung.

Wie lange eine Verbraucherinsolvenzverfahren dauert

Ein Verbraucherinsolvenzverfahren dauert drei Jahre und es dauert nochmals drei Jahre, bis der Schufaeintrag gelöscht ist. Wer einen Schufaeintrag wegen eines Verbraucherinsolvenzverfahrens hat, kann quasi nichts mehr bestellen, hat Schwierigkeiten einen Handyvertrag oder auch eine neue Wohnung zu bekommen, denn viele Vermieter verlangen oftmals eine Schufa-Auskunft.

Verbraucherinsolvenz: Mann vor Laptop zerbricht sich den Kopf (Foto: Colourbox)
Rechnungen, Mahnungen, Schulden: Eine Verbraucherinsolvenz kann die Lösung sein.

Das ist der erste Schritt im Insolvenzverfahren

Zuerst sollte man sich einen vollständigen Überblick über die Anzahl der Gläubiger verschaffen. Wichtig ist eine aktuelle Forderungsaufstellung. Wer nicht alle seiner Gläubiger kennt, sollte sich bemühen, diese herauszufinden. Dazu könnte man beispielsweise bei Auskunftsdateien wie die Schufa anfragen oder beim Amtsgericht bei der Gerichtsvollzieherstelle.

Woher man einen Insolvenzantrag bekommt

Einen Insolvenzantrag gibt es beim Amtsgericht beim Insolvenzgericht. Viele Gerichte bieten ihn auch bereits zum Download an. Einen Verbraucherinsolvenzantrag kann man erst stellen, wenn man zuvor einen außergerichtlich Einigungsversuch mit seinen Gläubigern versucht hat.

Dazu braucht man eine externe Stelle, wie beispielsweise eine Schuldnerberatung, die das bescheinigt. Erst danach kann man zu Gericht und seinen Antrag stellen.

Diese Unterlagen benötigen Sie für eine Verbraucherinsolvenz

Neben dem Antrag braucht man noch eine Bescheinigung über das Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuchs.

Was ein Verbraucherinsolvenzverfahren kostet

Das kommt auf die Gläubigeranzahl und darauf an, wie viele Pfändungsanträge es bereits gibt. Mit mindestens 2.000 Euro muss man rechnen. Die Kosten können allerdings gestundet werden, so dass sie nicht sofort fällig werden.

Abwarten und Tee trinken reicht nicht

Während das Verbraucherinsolvenzverfahren läuft, hat man als Schuldner auch Pflichten. So hat man die Verpflichtung zu arbeiten oder sich zumindest um Arbeit zu bemühen. Ebenso muss man jegliche finanzielle Änderungen mitteilen wie zum Beispiel beim Kindergeld, einem Bonus, einer Gehaltserhöhung und auch eine Adressänderung.

Wieviel Geld noch bleibt

Während das Insolvenzverfahren läuft, bleibt einem noch der gesetzlich festgelegte pfändungsfreie Betrag. Das sind bei einer Einzelperson ungefähr 1.250 Euro im Monat. Je nachdem, wie viele Unterhaltsberechtigte - zum Beispiel Kinder - es noch gibt, erhöht sich natürlich der Betrag.

Wie häufig man eine Verbraucherinsolvenz beantragen kann

Nach Ablauf der dreijährigen Laufzeit des Insolvenzverfahrens hat man noch eine Sperre von elf Jahren! Die Erfahrung zeigt aber: Die meisten Leute kommen danach nicht wieder – haben es also raus aus der Schuldenfalle geschafft.

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