Wasser wird in ein Glas geschüttet (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / dpa | Oliver Berg)

Verbrauchertipp

Trinkwasser filtern - was bringt das?

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Können wir unser Leitungswasser bedenkenlos genießen oder sollten wir es lieber vorher filtern? Wird durch eine Aufbereitung die Qualität des Wassers besser oder sogar schlechter?

In Deutschland ist das Trinkwasser so gut kontrolliert wie kein anderes Lebensmittel, das ist in der Trinkwasserverordnung geregelt. Krankheitserreger und Stoffe in gesundheitsschädigenden Konzentrationen dürfen nicht darin enthalten sein. Die Behörden und Versorgungsunternehmen müssen die Qualität regelmäßig kontrollieren.

Trinkwasser aus dem Wasserhahn ist um ein Vielfaches billiger als Flaschenwasser: Ein Zweipersonenhaushalt zahlt in Deutschland im Mittel circa 0,2 Cent pro Liter. Ein Liter Mineralwasser kostet wesentlich mehr.

Ist unser Trinkwasser mit Arzneimittel-Rückständen belastet?

Rückstände von Medikamenten gelangen über den natürlichen Wasserkreislauf ins Abwasser. Nahezu deutschlandweit wurden in Fließgewässern und im Grundwasser Rückstände gefunden. Mit 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter stellen sie allerdings keine Gefährdung für die menschliche Gesundheit dar - zumal ihre Konzentration im Trinkwasser noch einmal wesentlich geringer ausfällt.

In Ladenburg geht die Suche nach der Ursache für die Belastung des Trinkwassers mit koliformen Keimen weiter. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul

Obwohl die Konzentrationen in der Umwelt als gering eingestuft werden, zeigen wissenschaftliche Studien für einige Wirkstoffe negative Effekte auf Umweltorganismen. Hormone aus Arzneimitteln beispielsweise beeinflussen die Fortpflanzung von Fischen schon in sehr niedrigen Konzentrationen. Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gelten aber als ausgeschlossen.

Gibt es erhöhte Werte für Nitrat?

Nitrat kann über Kunstdünger und Gülle ins Grundwasser gelangen. Nach neuen Daten gehen die Nitratwerte im Allgemeinen weiter zurück, auch wenn in vielen Gegenden die Werte durch Massentierhaltung und übermäßiges Düngen in der Landwirtschaft ansteigen. Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser bleiben nach Angaben des Umweltbundesamts aber die seltene Ausnahme.

Traktor verteilt Gülle auf einem Acker (Foto: SWR, SWR -)
Düngen mit Gülle SWR -

Gibt es Grenzüberschreitungen bei Blei?

Grenzwertüberschreitungen für das giftige Schwermetall Blei kommen nur in weniger als 0,1 Prozent der Proben vor. Schuld daran sind nicht die Natur oder Wasserwerke, sondern veraltete bleihaltige Leitungen oder Armaturen in den Häusern.

Was tun bei Legionellen?

Legionellen sind mikroskopisch kleine, stabförmige Bakterien, die sich bei Temperaturen von 25 - 55 Grad ungehindert in den Warmwasserspeichern und -leitungen vermehren. Aber: Das Trinken ist grundsätzlich bedenkenlos.

Legionellen können beim Duschen gefährlich werden. Wenn Legionellenkeime eingeatmet werden, können sie Gesundheitsprobleme bis zur heftigen Lungenentzündung - die "Legionärskrankheit" - verursachen. Gefährdet sind Kinder und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

  • Lassen Sie Warmwasser immer erst laufen, bevor Sie es als Lebensmittel nutzen, wenn Sie länger als vier Stunden kein Wasser entnommen haben.
  • Bei einer Unterbrechung von sieben Tagen sollten Sie so lange Wasser laufen lassen, bis die Rohrleitung etwa einmal gespült ist.
  • Bei längeren Urlauben ist es sinnvoll, Restwasser aus dem Dusch- und Brauseschlauch ablaufen zu lassen und die Schläuche vom Hahn abgeschraubt hängen zu lassen.

So sind Sie beim Trinkwasser auf der sicheren Seite:

  • Entnehmen Sie zum Trinken oder Kochen stets kaltes Wasser.
  • Lassen Sie abgestandenes Wasser vorher ablaufen und warten Sie, bis kühles Wasser nachfließt.
  • Bei Leitungswasser, das unangenehm riecht oder schlecht schmeckt, sollten Sie bei Ihrem Wasserversorger nachfragen.

Wenn das Wasser sehr kalkhaltig ist:

Was den lästigen Kalk angeht, so ist dieser aus gesundheitlichen Gründen eigentlich erwünscht, denn Kalzium und Magnesium sind lebenswichtige Mineralien. Auch verhindert eine dünne Kalkschicht an der Innenwand von Wasserrohren das Ablösen von giftigen Stoffen. So sind beispielsweise in Gegenden mit kalkfreiem saurem Wasser Trinkwasserleitungen aus Kupfer eine Gefahr, weil sich dieses aus dem Rohrmaterial lösen kann.

Was Sie gegen Kalkablagerungen machen können:

  • Entkalken Sie Kaffeemaschine und Wasserkocher regelmäßig statt täglich Wasser zu filtern - das spart Geld. Hilfreich ist eine Kalkfängerspriale. Sie "fängt" den ausfallenden Kalk beim Kochen in ihrer stark vergrößerten Oberfläche. So kann er sich nicht am Gerät absetzen.
  • Folgen Sie bei der Waschmitteldosierung den Mengenangaben der Hersteller bezüglich Ihrer Wasserhärte. Dann genügt der zugefügte Enthärter gegen Kalk.
  • Gegen Teefilm hilft ein Spritzer Zitronensaft, weil er das Wasser etwas saurer macht, und zwei bis dreimaliges Abkochen des Wassers. So setzt sich Kalk ab.
  • Teegenießer können folgenden Entkalkungstrick anwenden: Beim Aufgießen des Getränkes lässt man das kochende Wasser über eine Filtertüte, wie man sie für Kaffee benutzt, in die Kanne mit dem Tee laufen. Der Kalk bleibt im Papier hängen und der Tee schmeckt besser.

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