STAND

Gesunder Darm, gesunder Mensch? In der Tat. Das Multitalent in unserer Mitte hat mehrere Jobs zu erledigen, die für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden entscheidend sind.

Im Laufe eines Lebens leistet der Darm Schwerstarbeit. Brauchbare Stoffe rettet er, andere machen die Mikroorganismen der Darmflora unschädlich. Er liefert dem gesamten Körper die Energie, die er zum Leben braucht. Ein eigenes sensibles Nervennetz steuert die Reise der Nahrung durch den Körper. Das sogenannte „Bauchhirn“ organisiert, koordiniert und kontrolliert. Außerdem sitzt in der Darmschleimhaut Erwachsener ein Großteil der gesamten Abwehrzellen des Körpers. Folglich sollten wir dem Multitalent in unserer Mitte etwas Aufmerksamkeit widmen.

Nahrungsreise

Beim Verdauungsvorgang wird die Nahrung in verwertbare Bestandteile zerlegt und über das Blut aufgenommen. Kleine Moleküle wie beispielsweise Traubenzucker gelangen unverändert und sofort in den Blutkreislauf.

Eine Computeranimation eines menschlichen Darms. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Thinkstock -

Je Nach Mahlzeit reist die Nahrung durchschnittlich 24 Stunden durch Magen und verschiedene Darmabschnitte: Vier Stunden Stopp im Magen, sechs Stunden Halt in der Dünndarmpassage, circa sieben Stunden Transport durch den Dickdarm und etwa sieben Stunden Station im Mastdarm. Dann wird alles Unverdauliches ausgeschieden. Am schnellsten werden Kohlehydrate zerlegt, Fette brauchen am längsten.

Sensibles Nervennetzwerk

Das autonome Nervensystem (med: enterisches Nervensystem) steuert mit seinen über 100 Millionen Nervenzellen die Verdauung. Es reicht von der Speiseröhre bis zum Darmausgang. Das enterische Nervensystem gleicht in vielerlei Hinsicht dem Zentralen Nervensystem (ZNS: Gehirn und Rückenmark). Es besitzt die gleichen Zelltypen, Botenstoffe und Rezeptoren (Andockstationen). Dieses sensible Nervennetz analysiert die Zusammensetzung der Nahrung, organisiert die Abwehr von Bakterien, kontrolliert Hormone und Sekrete und schickt Alarmsignale ins Gehirn.

Die Verdauung ist ein ausgeklügeltes System. Das „Bauchhirn“ organisiert und kontrolliert also den Transport der Nahrung. Dafür muss es auch die Muskelzellen im Darm koordinieren. Ist der Transsport gestört kommt es häufig zu Magen-Darmbeschwerden. Ist das System zu passiv, kommt es zu Verstopfungen, ist es zu aktiv zu Durchfall.

Ein junger Mann krümmt sich vor Schmerzen und hält sich den Bauch. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Thinkstock -

Stress, Bewegungsmangel oder falsche Ernährung können die Funktion der Nervenzellen stören, so die Vermutung der Wissenschaftler. Bauchschmerzen und Blähungen sind erste Anzeichen. Aber auch Reizdarm und seine typischen Symptome wie Unwohlsein, Krämpfe oder Durchfälle werden mit einer Fehlfunktion im „Bauchhirn“ in Zusammenhang gebracht.

Darm als Immunsystem

Ein Großteil der gesamten Abwehrzellen des Körpers, ca. 70% befindet sich in der Darmschleimhaut. Das darmeigene Immunsystem produziert außerdem Immunglobuline (IgA). Diese speziellen Eiweißkörper (Antikörper) produziert der Körper zur Abwehr fremder Substanzen. Sie dienen vor allem der örtlichen Abwehr von Fremdkörpern auf den Schleimhäuten. Das darmeigene Abwehrsystem besitzt der Mensch nicht gleich von Geburt an, es muss trainiert, verfeinert und gestärkt werden.

Darmflora

Der Darm ist eine wichtige Bakterienfabrik. Milliarden von Mikroorganismen leben im Darm. Diese Darmflora besteht aus einigen hundert verschiedenen Arten von Darmbakterien. Sie bereiten die Nahrung auf, produzieren wichtige Nährstoffe und unterstützen das Immunsystem. Starke Medikamente, Antibiotika, Cortison, Hormone, Schadstoffe in der Nahrung, auch Umweltgifte können die Darmflora schädigen. Sie töten nicht nur krankmachende, sondern auch die für die Abwehrfunktionen notwendigen „gesunden“ Bakterien.

Pilze und Parasiten

Befindet sich die Darmflora nicht mehr im Gleichgewicht so ist dies der ideale Nährboden für Pilze und Parasiten. Sie entziehen dem Körper die Nährstoffe, die lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe enthalten und schwächen somit das Immunsystem. Ihre Abbauprodukte sind giftige Stoffe, die über die Darmwand in die Blutbahn gelangen. Die Abwehrkraft wird geschwächt. Vermutlich leistet das Erkältungen, Allergien oder Hautkrankheiten Vorschub.

Tabuthema: Darmkrebs

Auch für Darmkrebs gilt: Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Eine jährliche Stuhluntersuchung auf versteckte Blutspuren, senkt das Risiko an Darmkrebs zu erkranken um ein Drittel.

Darmkrebs (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Thinkstock -

Nahe Angehörige von Darmkrebspatienten tragen ein besonders hohes Risiko zu erkranken, denn Vererbung spielt hier eine große Rolle. Über Gespräche mit Angehörigen findet man heraus, ob ein erhöhtes Risiko besteht. Betroffene sollten bereits als junge Erwachsene regelmäßig eine Darmspiegelung durchführen lassen, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu entdecken. Auch Personen, die eine entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) haben, sollten unbedingt regelmäßige Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Ab einem Alter von 50 Jahren ist die Stuhluntersuchung Kassenleistung. Ab 55 Jahren sollten gesetzlich Versicherte alle zehn Jahre zur Darmspiegelung.

Weitere Infos finden Sie hier:

mdr.de/was-tun-bei-darmkrankheiten

darmkrebs.de

STAND
AUTOR/IN