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Jeder Kerze wird gleich hergestellt, aber doch gibt es Unterschiede! Hier erfahren Sie, worauf es bei einer guten Kerze ankommt!

Der Docht

Kerzenlicht (Foto: SWR, SWR -)
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Der Docht besteht aus mehreren langen geflochtenen Baumwollsträngen und saugt die brennbare Masse in die Verbrennungszone. Dochte unterscheiden sich in Form (Flach- und Runddochte), Saugfähigkeit, Art und Stärke des Garns sowie in ihrer chemischen Präparation. So werden die Baumwollstränge mit anorganischen Salzen präpariert, damit sie sich leichter entzünden lassen, eine gute Kapillarkraft aufweisen, standfest sind, langsam abbrennen und nach dem Auslöschen nicht nachglühen. Leider kommen hier bei billigen Importen Bleisalze zum Einsatz. Zinksalze sind eine gute, aber teure Alternative. Optimales Brennverhalten hängt entscheidend von der Wahl des passenden Dochts ab. Er muss abgestimmt sein auf Art und Durchmesser der Kerze, Herstellungsverfahren und Brennmasse.

Die Brennmassen

Die Brennmasse wird auch oft als Wachs bezeichnet. Heute setzt man als Brennmasse hauptsächlich Paraffin, Stearin, Bienenwachs, Fette und Öle ein.

1. Paraffin

Paraffin ist der mit Abstand am häufigsten verwendete Kerzenrohstoff. Es ist ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffen, das man je nach Herkunft als Erdöl-, Braunkohlen- oder Syntheseparaffin bezeichnet und ein Abfallprodukt der Schwerölindustrie. Der Grundstoff ist im Aussehen weiß und leicht transparent. Die meisten Kerzen des täglichen Bedarfs werden heute auch wegen verfahrenstechnischer Vorteile preisgünstig und in Massenware aus Paraffin oder Paraffinkompositionen hergestellt. Die Brennmasse der Ceresinkerzen besteht aus vollraffiniertem Paraffin, angereichert mit höherwertigen Komponenten (z.B. härteres Paraffin mit höherem Schmelzpunkt).

2. Stearin

Ausgangsstoff für Stearin sind Fette und Öle sowohl tierischer als auch pflanzlicher Herkunft. Kerzen aus reinem Stearin sind besonders stabil. Sie lassen sich nicht biegen, halten hohe Belastungen hinsichtlich Temperatur, Schräglage und Zugluft aus. Gehärtete pflanzliche Fette und Öle, wie zum Beispiel Palm- und Palmkernöl der Ölpalme oder Kokosfett, werden seit einigen Jahren zunehmend auch in Kerzen für den Innenraum verwendet. Auf Grund der weichen Konsistenz und des vergleichsweise niedrigen Schmelzpunkts eignen sich diese natürlichen Rohstoffe in reiner Form aber fast ausschließlich für Behälterkerzen zum Beispiel Öllichte. Stearinkerzen werden nur im Gießverfahren hergestellt.

3. Kompositionskerzen

Kerzen (Foto: Colourbox)

Sie bestehen aus einem Gemisch aus neunzig Prozent Paraffin und zehn Prozent Stearin. Es wird hauptsächlich für Teelichte verwendet. Für „Kompositions-Öllichte“ dürfen außer festen, gehärteten oder ungehärteten pflanzlichen Ölen oder Fetten auch solche tierischen Ursprungs verwendet werden. Sie werden mit Wachsen, festen Fettsäuren oder festen Kohlenwasserstoff- Verbindungen gemischt. Der Anteil der festen, gehärteten oder ungehärteten pflanzlichen oder tierischen Öle und Fette in Kompositions-Öllichten ist in Prozenten anzugeben und darf nicht unter 30% liegen. Reine Öllichte bestehen aus einer festen Brennmasse mit Docht, die von einer starren Hülle umschlossen ist. Die Bezeichnung „Öllichte“ darf nur verwendet werden, wenn die Brennmasse ausschließlich aus gehärtetem Pflanzenöl oder festem Pflanzenfett besteht. Sonst findet sich oftmals der Begriff "Tageslichtbrenner".

4. Kerzen aus nachwachsenden Rohstoffen - eine ökologische Alternative?

Stearin aus nachwachsenden Rohstoffen klingt zunächst recht gut. Die ökologische Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Palmöl - auch das "grüne Erdöl" genannt - ist höchst umstritten. Palmöl ist ein hochwertiges Pflanzenfett, das nach der Verarbeitung frei von gesundheitsgefährdenden Trans-Fetten ist. Außerdem kann es kostengünstig auf vergleichsweise geringer Fläche produziert werden kann. Der Ertrag liegt fast dreimal höher als bei Raps. Mittlerweile werden Ölpalmen weltweit, aber vor allem in den Tropen angebaut; insbesondere in Indonesien und Malaysia. Diese beiden Länder decken fast 90 Prozent des Weltmarktes für Palmöl ab. Die Produktion bringt diesen Staaten zwar viel Geld ein, aber es werden auch riesige Anbauflächen benötigt.

Relativ neu, bisher nur in kleinen Chargen produziert, sind Kerzen aus gentechnisch freiem Sojawachs oder aus Rapsöl. Soja-Wachs wird aus dem Öl der Sojabohne, einem erneuerbaren Agrarrohstoff hergestellt und verbrennt langsamer, kälter und schadstofffreier als Paraffin auf Erdölbasis. Rapswachs ist ein schnell nachwachsender, biologisch abbaubarer Rohstoff. Es hat hervorragende Brenneigenschaften und bedient Menschen, die nachhaltige vegane Kerzen bevorzugen.

Ein relativ neues Produkt sind Kerzen aus recycelten Fetten und Ölen heimischer Biomasse. Für die Herstellung wird kein Erd- und Palmöl importiert und der NABU unterstützt das Projekt als Kooperationspartner. Hergestellt werden die Kerzen in Deutschland.

5. Bienenwachs

Bienenwachskerzen liegen auf einem Papier (Foto: Colourbox)

Bienenwachs ist ein Ausscheidungsprodukt der Honigbiene. Es zeichnet sich durch einzigartig matten Glanz aus, der ihm den Anschein einer lebendigen Materie verleiht. Bienenwachs verwendet man sowohl für den eigentlichen Kerzenkörper als auch für Verzierungen. Die fertigen Kerzen haben eine natürliche Bienenwachsfarbe und riechen leicht nach Honig. Bienenwachs ist ein seltener, kostbarer und teurer Rohstoff. Deshalb haben Bienenwachskerzen auch nur einen geringen Anteil an der europäischen Kerzenproduktion. Deutsche Imker verwenden das Wachs ihrer Bienen selbst oder es wandert in die Kosmetikindustrie. Das importierte Bienenwachs kommt meist aus China, Südamerika oder Südafrika.

Die Herstellung

Die Art der Herstellung spielt für die Qualität eine entscheidende Rolle. Mehr noch als die Art des Wachses entscheidet das Verfahren darüber, wie lange und auch wie gleichmäßig eine Kerze abbrennt.

  • Billigkerzen werden meist im sogenannten Pulverpressverfahren industriell hergestellt, sie sind also gepresstes Paraffin-Granulat mit Docht. Einige Hersteller sparen durch einen technischen Trick Wachs, indem sie beim Pulverpressverfahren sehr kleine Luftblasen verarbeiten. Die Struktur lässt sich bei den Kerzen leicht von unten erkennen. Wenn das Pulver grobkörnig auszumachen ist, handelt es sich wahrscheinlich um eine eher minderwertige Kerze. Auch das Gewicht ist ein Indiz. Gute Kerzen liegen schwer in der Hand. Auch der Geruch gibt einen Hinweis auf verwendete Rohstoffe. Kerzen, die sehr künstlich riechen, bestehen sicher nicht aus echtem Wachs. Kerzen, die besonders schnell herunter brennen, sind qualitativ ebenfalls nicht besonders hochwertig. Gerade im Hinblick auf die eigene Gesundheit ist es wichtig, auf Qualität zu achten und sich die Inhaltsstoffe einer Kerze mal genauer anzusehen.  
  • Beim sogenannten Gießverfahren wird das Wachs erst erwärmt und schließlich zusammen mit dem Docht in die jeweilige Form gegossen. Kerzen aus dem Gießverfahren sind in der Regel schwerer und brennen auch entsprechend länger. Hierzu wird meistens Bienenwachs oder Stearin verwendet.
  • Das handwerklich älteste Verfahren bei der Kerzenherstellung ist das Kerzenziehen. Die Dochte werden dabei bis zur gewünschten Stärke durch ein flüssiges Wachsbad gezogen. Entsprechend teuer sind diese Kerzen im Vergleich zu den anderen Verfahren. Andererseits brennen sie auch besonders lange und gleichmäßig.

Warum brennt (oder rußt) eine Kerze?

Kerzen (Foto: Colourbox)

Wenn Sie den Docht einer Kerze anzünden, bringt die von der Flamme ausgestrahlte Hitze das Wachs zum Schmelzen, es entsteht die sog. Brennschüssel. In der Brennschüssel sammelt sich bei einer guten Kerze nicht zu viel flüssiges Wachs an. Es ist gerade so viel, dass  das flüssige Wachs  durch die Kapillaren am Docht gleichmäßig empor steigen kann. Sobald in der Flamme eine Temperatur von etwa 600° - 800°C erreicht ist, werden die Wachsmoleküle zersetzt und unvollständig  verbrannt. Unvollständig deshalb, da sich die erwärmte Luft zu schnell an der Flamme vorbei bewegt und damit  zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht. Nur bei vollständiger Verbrennung von organischem Material bildet sich Kohlendioxid, bei  unvollständiger Verbrennung bildet sich immer noch zusätzlich  etwas Ruß mit  schädlichen Verbindungen. Je mehr Zugluft auf die Kerzenflamme  einwirkt, desto weniger Sauerstoff steht zur Verfügung und desto gekühlter ist die Flamme -  deshalb rußen die Kerzen in Zugluft umso mehr. Je mehr Ruß sich entwickelt, desto gelber ist die Flammenfarbe.

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