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Der Wolf ist in Deutschland zurück - auch im Südwesten hat er sich niedergelassen. Herdenbesitzer müssen nun ihre Tiere verstärkt schützen, etwa mit Herdenschutzhunden. Und Spaziergänger sollten wissen, wie sie sich diesen Tieren gegenüber am besten Verhalten.

In vier Gebieten kommt der Wolf inzwischen im Südwesten vor. Im Nord- und im Südschwarzwald lebt jeweils ein einzelner Wolf, im Westerwald dagegen ein ganzes Rudel, das in diesem Jahr erstmals Nachwuchs bekommen hat. Außerdem hat sich in der westlichen Eifel in Rheinland-Pfalz ein Wolf dauerhaft neu angesiedelt. Und im Odenwald wird einer beobachtet: noch ist unsicher, ob er bleibt oder doch weiterzieht.

Drei Wolfspräventionsgebiete

Ein Wolf war 2019 auch in Ostwürttemberg unterwegs, das Tier wurde von einer Fotofalle aufgenommen (Sujetbild)Ein Wolf war 2019 auch in Ostwürttemberg unterwegs, das Tier wurde von einer Fotofalle aufgenommen (Sujetbild) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Carsten Rehder/dpa)
picture alliance/Carsten Rehder/dpa

Der Schwarzwald ist daher im Juli 2020 zum Wolfspräventionsgebiet erklärt worden, die westliche Eifel im November 2020. Wolfspräventionsgebiete werden dann ausgerufen, wenn ein Wolf sesshaft geworden ist (d.h. mindestens ein halbes Jahr lang in der Gegend nachgewiesen werden konnte) und dass Herdenbesitzer Hilfen beantragen können, um den Schutz ihrer Tiere zu finanzieren. Im Westerwald sind schon länger Wölfe und ist daher auch Wolfspräventionsgebiet.

Elektrozäune oder Herdenschutzhunde

Die meisten Besitzer von Schaf- oder Ziegenherden entscheiden sich für Elektrozäune. Doch auch Herdenschutzhunde sind sehr wirksam, besonders als Zusatz. In Baden-Württemberg geht Frank Lamprecht, Wildtiermanager des Nabu und Projektleiter für das Thema Herdenschutz in der Praxis, von mehr als 25 Haltern aus, die Herdenschutzhunde einsetzen. Die großen, dominanten Hunde verstehen die Herde als ihre Familie und verbellen mögliche Angreifer wie den Wolf effektiv. Optimal: bellen reicht in der Regel, es kommt nicht zu einem Kampf. Denn Wölfe vermeiden Situationen, in denen sie verletzt werden könnten - zu riskant ist es als Wildtier, geschwächt überleben zu müssen.

Richtiges Verhalten für Spaziergänger

Langhariger Pyrenäenschäferhund (Foto: Colourbox)

Spaziergänger brauchen also keine Angst vor den Herdenschutzhunden zu haben - sie sind nicht aggressiv und auf Kampf aus. Wildbiologe Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg betont, dass nur zertifizierte Herdenschutzhunde gefördert werden, die an Menschen gewöhnt sind. Respekt ist aber dennoch angesagt. In Deutschland sind Herdenschutzhunde bislang hinter den Elektrozäunen bei ihrer Herde. Wer an so einer Herde vorbei muss, geht einfach ruhig weiter. Hunde müssen jedoch unbedingt an der Leine geführt werden und am besten mit größerem Abstand an der Weide vorbei geleitet werden. Sie stammen schließlich vom Wolf ab und sind Feindbild Nummer eins.

Beispiel Schweiz

In der Schweiz gibt es eine lange Tradition mit Herdenschutzhunden. Sie leben mit Schafen in den Alpen auch ohne Zäune. Wanderwege führen mitunter mitten durch eine Herde. Hier heißt es stehen bleiben und ruhig abwarten, ob der Hund sich beruhigt. Hört er nicht auf zu bellen, ist es besser, den Rückweg anzutreten. Wanderer mit Hunden müssen in jedem Fall einen anderen Weg einschlagen, denn es ist fast unmöglich, gefahrlos mit einem Hund durch eine Herde mit Herdenschutzhund zu laufen.

Im Garten: Carsten Weber, Naturschützer

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