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Erst Lockdown light, dann Lockdown nicht mehr ganz so light - und trotzdem sind die Zahlen hoch. Warum ist das so? Und was können wir noch tun? Virologe Prof. Bodo Plachter gibt Antwort!

Prof. Plachter, warum sinken die Zahlen nicht trotz Lockdown?

Das lässt sich im Moment schwer sagen. Zum einen sind die Zahlen wegen der Feiertage noch immer nicht leicht zu deuten, zum anderen wissen wir wenig darüber, wo sich die Menschen anstecken. Sicher ist: Es gibt nach wie vor immer wieder Ausbrüche in Altenheimen, was die Infektions- und Todeszahlen nach oben treibt.

Gibt es denn auch schon irgendeinen positiven Effekt?

Die Lage auf den Intensivstationen entspannt sich gerade etwas. Leider wissen wir aber nicht, ob das nur eine Momentaufnahme ist.

Auch Großbritannien lebt im Lockdown – und dort ist die Lage noch viel schlimmer als hier. Auf der Insel kursiert eine besonders ansteckende Virus-Mutation. Könnte ein mutiertes Virus auch bei uns verantwortlich sein für die hohen Zahlen?

Inzwischen wissen wir ja sicher, dass der Erreger, der sich in Südafrika stark verbreitet hat, im Südwesten angekommen ist. Die Mutante, die im Vereinigten Königreich zuerst nachgewiesen wurde, ist auch in Deutschland an verschiedenen Orten nachgewiesen worden. Wie weit es hierzulande verbreitet ist und ob die aktuellen Fallzahlen etwas mit dieser Virusvariante zu tun haben, muss noch untersucht werden.

Ist es wichtig, die Proben genauer zu untersuchen?

Ja, man muss untersuchen, welche Virusstämme zirkulieren und wie sie mit dem Infektionsgeschehen in Zusammenhang stehen. Man kann aber nicht alle Proben untersuchen, da solche Analysen aufwändig sind. Je nach Analysemethode können 200 – 400 Euro pro Probe anfallen. Man wird die Untersuchungen also gezielt bei auffälligen Befunden oder anhand von Stichproben durchführen.

Sind die bekannten Mutationen gefährlicher als die bisherige Variante?

Das Virus kann besser in unsere Zellen eindringen. Dadurch ergibt sich eine höhere Viruslast im Rachen, was wiederum diese Variante ansteckender macht – aber wohl nicht gefährlicher. Trotzdem ist die Entwicklung problematisch. Denn durch die hohen Infektionszahlen steigen in der Folge auch die Todeszahlen.

Wie sollten wir Bürger mit diesem Wissen um Mutationen, die sich schneller verbreiten, umgehen?

Wir müssen uns unbedingt an alle Schutzmaßnahmen halten. Denn die wirken auch gegen diesen Erreger.

Wie sieht es – Stand heute - mit der Wirksamkeit der Impfung gegen die Mutationen aus?

Verunsicherung: Impfen gegen Corona – soll ich oder soll ich nicht? „Zur Sache Baden-Württemberg!" (Foto: SWR, SWR)
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Nach gegenwärtigem Stand sind die zugelassenen Impfstoffe auch gegen die Mutationen wirksam. Zunächst sind dies aber Ergebnisse aus Laborversuchen. Genauere Informationen wird man erhalten, wenn man die Ergebnisse von Untersuchungen aus Großbritannien erhält, wo ja schon seit einigen Wochen geimpft wird.

Wir sprechen viel von den Impfungen. Wie ist der Stand bei den Medikamenten? Wird es vielleicht bald ein wirksames Mittel gegen Corona geben?

Bislang gibt es kein gut wirksames, antivirales Medikament gegen SARS-CoV-2. Es gibt aber eine Reihe von Firmen, die an solchen Medikamenten arbeiten.

Wann werden die Zahlen – aus Ihrer Sicht - endlich relevant sinken?

Das wäre ein Blick in die Glaskugel. Im Augenblick tun sie es jedenfalls noch nicht, wobei wir ja nicht wissen, ob die Zahlen nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel schon verlässlich sind. Ab nächster Woche ist dieser Unsicherheitsfaktor zumindest behoben.

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