Einfach loslassen | Junger Dokumentarfilm

Weniger besitzen als Lebensentwurf

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AUTOR/IN
Amon Barth

In unserer westlichen Überflussgesellschaft gewinnen Modelle und Lebensentwürfe an Bedeutung, die auf weniger Konsum und eine Reduzierung materieller Güter abzielen. Der Regisseur des Films, Amon Barth, hat beschlossen, sich auf das Loslassen einzulassen. Egal ob bei Liebeskummer, Schokoladensucht oder Trauer: Haben wir alle nicht mindestens einen Freund, der uns dann rät, einfach "loszulassen"? Aber ist "Loslassen" wirklich die Lösung oder eher ein sinnentleerter Allgemeinplatz aus esoterischen Selbsthilferatgebern?

Minimalismus als alternatives Lebensmodell der Konsumgesellschaft

Seit einigen Jahren gewinnen in Deutschland Modelle von »Downsizing« und »Minimalismus« im persönlichen Lebensumfeld an Bedeutung. Es geht darum, der Konsumgesellschaft alternative Lebensmodelle entgegenzusetzen. Kern des Trends ist der Gedanke, dass die meisten Menschen hierzulande bedeutend mehr materielle Güter besitzen als sie tatsächlich benötigen. Weniger konsumieren und besitzen, auf mehr verzichten – viele Menschen haben diese Haltung für sich entdeckt. Sie sind davon überzeugt, sich so auf das Wesentliche in ihrem Leben konzentrieren zu können.

Befreiung von Ballast im Leben

Der Regisseur des Films, Amon Barth, schafft Ordnung in seiner Wohnung und erkennt inmitten des häuslichen Chaos‘: »Wenn die Wohnung eines Menschen sein Inneres
widerspiegelt, dann ist mein Inneres ziemlich zugemüllt.« Er begibt sich auf eine Spurensuche, um von Freunden und Bekannten zu lernen, wie man sich von seinem Ballast befreien und so ein entspannteres, glücklicheres Leben führen kann.

Wohnen im Acht-Quadratmeterhaus, Speicher entrümpeln

Amon Barths Reise führt ihn zu Hans Peter Brunner, der dabei ist, in ein »Tiny House«, ein Kleinsthaus, umzuziehen. Wie lebt man auf nur acht Quadratmetern? Wie reduziert man vor diesem Schritt seine Besitztümer? Danach sucht er seine Mutter in ihrem großen Bauernhaus auf. Als Flüchtlingskind nach dem Zweiten Weltkrieg in Armut aufgewachsen, hortet sie seit Jahrzehnten unzählige Dinge auf dem Dachboden. Nun hat sie beschlossen, den Speicher radikal zu entrümpeln, aber immer wieder stößt sie auf Dinge, die Erinnerungen wachrufen. Die Entrümpelungsaktion gerät ins Stocken.

Ausgleich in kreativer Arbeit finden

Ein Töpfermeister, der sich auf japanische Keramik spezialisiert hat, zeigt Amon Barth, wie er in Harmonie mit sich und seiner Umgebung lebt und arbeitet. Der innere
Frieden ist die Grundlage seiner kreativen Arbeit. Während seiner Ausbildung in Japan hatte er gelernt, sich aller störenden Gedanken zu entledigen: »Um überhaupt eine Keramik machen zu können, muss ich diese Ego-Dinge loslassen.
Muss ich den Wunsch loslassen können, etwas Besonderes zu tun, (…) den Wunsch loslassen, etwas zu tun, was anderen Leuten gefällt – wenn ich all das nicht loslasse, kann ich keine Tee-Keramik machen.« Die Begegnung mit einem charismatischen Bildhauer und der Besuch einer Zen-Buddhismus-Gruppe geben Amon Barth weitere Anregungen, wie man »loslassen« lernen kann. Für seinen Freund Benjamin ist die Zen-buddhistische Meditation ein Ringen um authentisches Leben und auch Vorbereitung auf das Sterben: »Sich in Zazen [Sitzmeditation] zu setzen ist wie sich in den Sarg zu setzen. Bereit, alles fallen zu lassen, alles loszulassen. Das
Wegfallen von Körper und Geist, was das Sterben ja auch ist. (…) Das zu üben finde ich sehr, sehr sinnvoll.«


Am Ende seiner Reise hat Amon Barth begriffen, dass man Loslassen nicht erzwingen, aber durchaus üben kann. Und dass es viele verschiedenartige Möglichkeiten gibt, das Loslassen zu praktizieren. Jeder muss für sich individuell entscheiden, welche die Richtige für ihn ist.

Produktionsnotiz

Eine Gemeinschaftsproduktion von Eikon Südwest, der Filmakademie Baden-Württemberg und dem SWR für die Reihe »Junger Dokumentarfilm« in Zusammenarbeit mit der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.

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Amon Barth