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Im Berner Oberland am Ostufer des Brienzer Sees ist die Brienz-Rothorn-Bahn täglich zwischen Mai und Oktober unterwegs. Sie ist die älteste Zahnradbahn der Schweiz, die auf unveränderter Streckenführung mit Originaldampflokomotiven und Originalwagen heute noch in Betrieb ist.

In Sachen Bahnbau war die Idee und Realisierung dieser Hochgebirgstrecke eine bahntechnische Pionierleistung. 1891 begannen die Bauarbeiten und in nur sechzehn Monaten haben rund sechshundert italienische Bahnbauspezialisten die Strecke der Brienz-Rothorn-Bahn beinahe aus dem Berg "gerissen". Am 17. Juni 1892 fuhr zum ersten Mal die dampfbetriebene Zahnradlok in einer Stunde Fahrzeit von Brienz bis zur Endstation Rothorn Kulm in 2244 Meter Höhe.

Brienz-Rothorn-Bahn

Die Brienz-Rothorn-Bahn mit der ölbefeuerten Lok 15 auf den ersten Metern der Gebirgsstrecke – noch sind die Häuser von Brienz zu sehen. (Foto: SWR, Bettina Bansbach)
Die Brienz-Rothorn-Bahn mit der ölbefeuerten Lok 15 auf den ersten Metern der Gebirgsstrecke – noch sind die Häuser von Brienz zu sehen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Ebenfalls ölbefeuert ist Dampflok Nummer 16. Gerade verlässt die Zahnradbahn den Halteunkt Planalp. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Oberhalb der Planalp hat die kohlebefeuerte Dampflok Nummer 7 die Baumgrenze verlassen. Für das Kamerateam sind die Dreharbeiten schwierig, denn hierher führt keine Straße mehr – jeder Standpunkt muss zu Fuß erwandert werden. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Es folgt die zweite Etappe, der Endpunkt ist noch nicht zu sehen. Die Kohlelok folgt in kurzem Abstand der Öllok, sie haben noch rund neunhundert Höhenmeter in der Zahnstange vor sich. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Ein Zug wie aus den Anfangsjahren der Brienz-Rothorn-Bahn, mit Originalwagen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Morgenstimmung im Ausgangsbahnhof in Brienz. Lok 15 steht zur Abfahrt des ersten Zuges bereit. Im Stundentakt fährt die Brienz-Rothorn-Bahn in einer Stunde Fahrzeit zum Gipfel. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Im Depot der Brienz-Rothorn-Bahn werden alle Wartungs- und Reparaturarbeiten durchgeführt. Von links nach rechts: Lok 7 aus dem Jahr 1936. Lok 5, Baujahr 1891, wurde für die Wengernalpbahn gebaut. Sie kam 1911 zur BRB. Lok 2, Baujahr 1891. Sie ist die älteste Original BRB-Lokomotive. Ölbefeuert ist Lok 16, Baujahr 1992. Ganz rechts: eine Diesellok für Bauzüge. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Das Bahnhofsgebäude der Brienz-Rothorn-Bahn ist ebenfalls ein „Original“ aus dem Jahr 1891. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Am Eingang zum Billettschalter empfängt der aus Holz geschnitzte Lokführer die Fahrgäste. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Brienz ist wegen seiner jahrhundertelangen Holzschnitzkunst auch als „Schnitzlerdorf“ bekannt. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Lok 12 stemmt mit den anderen ölbefeuerten Lokomotiven den stündlichen Pendelverkehr zwischen Brienz und Rothorn Kulm. Bild in Detailansicht öffnen
Kreuzungsstelle Oberstafel. Hier wartet der Talzug mit Lok 14 auf den bergwärts fahrenden Zug. Und für das Kamerateam die Gelegenheit, diese Zugkreuzung zu filmen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Der Ausblick auf den Brienzersee in Richtung Interlaken und die Bergkulisse ist „magisch“. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Der Brienzersee hat eine außergewöhnliche Blaufärbung und über ihm, mit Schnee bedeckt, ragen Eiger, Mönch und Jungfrau in den Himmel. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Mit maximal 250 Promille Steigung sind die Zahnstangen mit dem System Abt am Berg verlegt. Bild in Detailansicht öffnen
Anfang Oktober hat es über Nacht geschneit und so präsentiert sich die Bergwelt in zwei Jahreszeiten. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Einfahrt in der Endstation Rothorn Kulm in 2244 Meter Höhe. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Das Wetter in dieser Höhe ist unberechenbar und die Endstation liegt plötzlich über der Wolkengrenze. Die Gleise der Rothorn-Bahn sind als dunkle Schleife nur noch zu erahnen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Die Endstation „klebt“ förmlich am Hang. Und in der Verlängerung liegt das Rothorn, das jedoch lediglich per Pedes zu erobern ist. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Nebel zieht rasch auf und lässt nur noch durch ein Wolkenfenster einen Blick auf den See zu. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Lokvorbereitungen vor dem Depot der Dampfzahnradbahn in Brienz. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Heute ist Lok 5 die Hauptakteurin. Gebaut wurde sie 1891 für die Wengernalpbahn. 1911 kam sie zur BRB. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Der zweite Hauptakteur ist heute der „Salon Rouge“ ein Originalwagen aus dem Jahr 1936. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Lok 5 wurde bereits um 7.00 Uhr in der Früh angeheizt und rangiert den „Salon Rouge“ noch in die Startposition. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Sein Logo stammt aus der heutigen Werbezeit: über dem Brienzer Rothorn strahlen fünf Sterne, die für „das Besondere in der Extraklasse“ stehen, begleitet von zwei Steinböcken. Sie haben wir allerdings bei den Dreharbeiten nie beobachten können. Dafür aber einen Fuchs, der an der Strecke wohl seinen Stammplatz hat. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Bei der zweistündigen Fahrt wird im Stil der Belle Epoque ein 11-Gang Menü serviert. Die Rothorn Bahn wirbt damit, alle fünf Sinne in genussvoller Weise anzusprechen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Julia Schlosser geht bei diesem Balanceakt am Berg bei 250 Promille Steigung routiniert vor. Und so serviert sie die Wraps gefüllt mit Lachs, Salat und Sauce Lindingoe ohne Verluste. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Haltepunkt Geldried. Eine kleine Verschnaufpause für Lok, und Fahrgäste. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Das Beerentörtli wird dann der krönende Abschluss sein, verspeist bei einem dramatischen Weitblick in die Berge, um danach noch bei Whisky mit schwarzer Schokolade die Talabfahrt abzuschliessen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Überall in Brienz trifft man auf Holzfiguren, wie hier aus heutiger Zeit ein Wegweiser zum Rothorn. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Diese Holzfigur am Bahnhofsplatz erinnert an eine der „schönen Schifferinnen vom Brienzersee“. Am Ende des 18. Jahrhunderts ruderten junge, unverheiratete Mädchen mit freudigen Gesängen reiche Engländer über den Brienzersee hinüber zu den Giessbach Wasserfällen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Eine der bekanntesten Schifferinnen war Elisabetha Grossmann. Eine starke emanzipierte Frau, die jedoch mit der Heirat eines „Fremden“ nicht glücklich wurde. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Der Schaufelraddampfer „Lötschberg“ aus dem Jahr 1914 verbindet in den Sommermonaten Brienz mit Interlaken. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Vom Oberdeck des Schaufelraddampfers geht der Blick in Richtung Rothorn. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Im Hintergrund: Brienz. Eine Fahrt auf dem historischen Dampfschiff ist nach der Zahnradreise auf das Rothorn – wie der Schweizer sagt: „das Düpfeli auf dem i“ Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Links mündet der Giessbach in den Brienzersee, kurz vor der Ankunft der Schifflände „Giessbach“. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Schifflände „Giessbach“, der Holzbau stammt auch noch aus der Anfangszeit. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Um komfortabel vom Schiff zu den Wasserfällen zu gelangen, wurde 1879 eine Standseilbahn gebaut, die auch heute noch in Betrieb ist, ebenso mit den Originalwagen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Hier wurde erstmals die Abt’sche Weiche eingebaut. Ein Vorbild für nachfolgende Standseilbahn-Bauprojekte. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Auch heute noch ist der Giessbach beeindruckend und sein Wasserrauschen ist mächtig. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Die Schifferinnen ruderten an die Südseite des Sees, dort stürzen die elf Kaskaden der Giessbachfälle in die Tiefe. Ein Anziehungspunkt für den allerersten Tourismus am See. 1875 wurde dort schließlich das Grandhotel Giessbach gebaut. Lange Zeit gab es hierher lediglich die Schiffsverbindung und keine Straße. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Betritt man das Grandhotel Giessbach, taucht man ein in eine vergangene Zeit, die hier immer noch lebendig ist. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Nur knapp entkam der Hotelkomplex der Abrissbirne, nachdem er viele Jahre lang leer stand. Doch der international bekannten Schweizer Umweltschützer Franz Weber gründete die „Stiftung Giessbach dem Schweizer Volk“. Er hatte mit der Idee „die Schweizer schenken sich selbst ein Hotel“, das Grandhotel retten können. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Die Brienz-Rothorn-Bahn steigt in Höhen auf, mit atemberaubenden Ausblicken, kombiniert mit einer beinahe 130jährigen Geschichte und so entsteht ein magisches Zahnradbahnerlebnis im Hochgebirge. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Der Kameramann ist stets von dieser Kulisse beeindruckt, wo minütlich die Wolkenmassen neue Ausblicke freigeben. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Im Wechselspiel des Wetters hat es am Morgen geschneit und die Zahnradstrecke ist von der Bergstation nur noch als dünne schwarze Schleife zu erkennen. Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen
Bei Geldried ist es noch Spätsommer. Stefanie Aebersold von der Brienz-Rothorn-Bahn begleitet uns während der Dreharbeiten, hilft uns bei der Standortsuche für die Kamera und versorgt uns vor allem überall mit frischem Espresso! Bild in Detailansicht öffnen
Unser dreiköpfiges SWR-Team wurde in dieser außergewöhnlichen Bergwelt von Stefanie Aebersold von der Brienz-Rothorn-Bahn an alle möglichen und unmöglichen Drehstandorte gelotst. Und Lokführer Werne Jossi hat ein wenig philosophiert – darüber wie bei der Fahrt in die Höhe der Geist weit wird. Von links nach rechts: Werner Jossi, Lokführer Lok 16 / Holger Jung, Toningenieur SWR / Jac-Uwe Otto, Kameramann SWR / Stefanie Aebersold, Zugbegleiterin und SWR-Teambegleiterin, BRB / Bettina Bansbach, Autorin Eisenbahn-Romantik, SWR Bettina Bansbach Bild in Detailansicht öffnen

Seit 1992 werden von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur gebaute ölbefeuerte Dampflokomotiven zusätzlich im Regelbetrieb eingesetzt. Wir haben der Brienz-Rothorn-Bahn im Oktober 2019 einen Besuch abgestattet und außergewöhnliche Wetterverhältnisse auf dieser Gebirgsstrecke erlebt. In der Endstation erstreckt sich der Weitblick zu Eiger, Mönch und Jungfrau und auf den Brienzersee, wo in den Sommermonaten der Schaufelraddampfer "Lötschberg" die Passagiere zum Grandhotel Giessbach mit seinen spektakulären Wasserfällen bringt. Seit 1879 fährt die Standseilbahn von der Schifflände hinauf zum Grandhotel und zu den Giessbachfällen.

Die Rothorn Bahn hat den Tourismus am Ende des 19. Jahrhunderts im Berner Oberland angekurbelt, war diese Gegend doch tief im Schatten der mondänen Bergorte wie Zermatt, St. Moritz, oder Interlaken verborgen. Wohlhabende Engländer kamen schon im 18. Jahrhundert an den Brienzersee, um die eindrücklichen elf Wasserkaskaden der Giessbachfälle zu erleben. Giessbach liegt Brienz in südlicher Richtung gegenüber und dort wurde 1875 das Grandhotel gebaut, welches bis heute erhalten ist und eine wechselvolle Geschichte aufbieten kann. Das Grandhotel war nur mit dem Boot erreichbar und von Brienz aus boten junge, unverheiratete Mädchen in ihren Ruderbooten die Überfahrt an. Bis heute sind die "schönen Schifferinnen vom Brienzersee" tief verwurzelt in den Geschichten um den See und in der Entwicklung des Fremdenverkehrs dieser Region. Der aufkommende Schiffsverkehr hat dann ihre Dienste überflüssig gemacht.

Das Wasser, die Berge und die Gebirgszahnradbahn bieten beeindruckende Facetten in dieser außergewöhnlichen Landschaft im Herzen der Schweiz.

(ESD: 08.05.2020)

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