Folge 749 XL Mit dem Zug durch Mexiko

Der Chihuahua al Pacifico, kurz genannt Chepe, hält sich genau an den Fahrplan. Jeden Morgen um 6 Uhr setzt sich die "Primera Express", der erste Klasse-Zug, in Bewegung. Eine Stunde später folgt  die "Clase Economica", die Zweite Klasse. Beide Züge werden von riesigen Dieselloks gezogen. Eine Fahrt mit dem Chepe gehört zu den abenteuerlichsten Eisenbahnreisen der Welt.

Dauer

El Chepe verbindet die Pazifikküste Mexikos mit der Stadt Chihuahua im Nordwesten des Landes. Dabei klettert der Zug von der Höhe des Meeresspiegels auf 2400 m Höhe hinauf in die Berge der Sierra Madre, fährt über 39 Brücken, durch 86 Tunnel und schraubt sich auf Serpentinen und Schleifen in eine unvergleichliche Landschaft hinein.

Die Fahrt entlang der Barranca del  Cobre, der Kupferschlucht, ist ein unvergessliches Erlebnis. Vor den Bahnpassagieren öffnet sich das größte Canyon-System der Welt mit Schluchten tiefer als der Grand Canyon in Arizona. Hier sind die "Raramuri" zuhause, eine indigene Bevölkerungsgruppe, die noch heute so leben wie ihre Vorfahren.

Mit dem Zug durch Mexiko

Mexiko (Foto: SWR, SWR - Susanne Mayer-Hagmann)
Die Estados Unidos Mexicanos, die Vereinigten Mexikanischen Staaten sind ein Land mit vielen Gesichtern. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
Geplant war die Linie für einen lukrativen Güterverkehr zwischen Texas/USA und der Pazifikküste Mexikos. Als sie nach mehr als 60 Jahren endlich fertiggebaut war, gab es längst schnellere Wege für die Fracht. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
Seitdem fahren auf einem großen Teil der Strecke regelmäßig Personenzüge über die wilde unwegsame Sierra Madre – die Route des Chepe gilt als eine der spektakulärsten Bahnreisen der Welt. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
1995 wurde Mexikos Eisenbahn privatisiert. Größte Betreiberfirma ist die Ferromex, Abkürzung für Ferrocarril Mexicano. Sie fährt im Norden des Landes. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
Chepe ist die Abkürzung für Chihuahua al Pacifico, eine Eisenbahnlinie, mit deren Bau man 1897 begann. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
650 km wird der Chepe zurücklegen, von Los Mochis in Sinaloa bis Chihuahua in Chihuahua, eine 16-Stunden-Fahrt. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
Mexikos Bahnlinien wurden nach dem Alphabet benannt. Von A bis Z ist alles vorhanden, nur sind einige Strecken längst abgebaut. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
Es gibt derzeit keine sichere, bequemere und günstigere Art, über die raue Sierra Madre zu reisen .... und auch keine schönere. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen
Das Dach der Sierra Madre ist eine schroffe, zerklüftete Landschaft. In ihre Täler und Schluchten sind einst die Raramurí, eine ethnische Gruppe hier im Südwesten des Staates Chihuahua, vor den spanischen Eroberern geflüchtet, die sie zur Arbeit in den Silberminen der Region zwingen wollten. Der indianische Name „Raramurí“ wurde von den Spaniernin „Tarahumara“ verändert. Und so wird das Gebiet auch Sierra Tarahumara genannt. SWR - Susanne Mayer-Hagmann Bild in Detailansicht öffnen

Die Entstehungsgeschichte des Chepe war schleppend. 1861 entstand die Idee, mittels Schiene einen Handelsweg zwischen der mexikanischen Pazifikküste und Texas zu eröffnen. 1897 erfolgte der erste Spatenstich. Von beiden Seiten her wurden rund 700 km der Trasse gelegt. Die mexikanische Revolution brachte das ehrgeizige Vorhaben zum Stillstand. Erst 1940 wurde der letzte und schwierigste Streckenabschnitt begonnen, der Steilabstieg aus dem Gebirge hinab auf die Ebene vor der Küste. 20 Jahre dauerte es, bis das Teilstück fertiggestellt war. 1961 fuhr der erste Zug von der Küste im Staat Sinaloa über die Sierra Madre nach Chihuahua im Staat Chihuahua.

Der ursprünglich angedachte Warentransport hatte längst schnellere Wege gefunden, dafür kommen jetzt die Bewohner der Gebirgsregion und Touristen  in den Genuss, diese aufregende Eisenbahnstrecke zu befahren – zwischen 13 und 16 Stunden Fahrt stehen den Passagieren bevor, aber keine Sekunde Langeweile.

(ESD arte: 28.03.2011)

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