Folge 848 XL Mit dem Zug durch Kamerun

« Afrika en miniature » wird Kamerun gerne aufgrund seiner vielfältigen Kulturen genannt. Ideal also, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Besonders abenteuerlich ist die Entdeckung dieses zentralafrikanischen Landes mit der Eisenbahn. Gebaut wurde sie während deutscher Kolonialzeit und später unter französischem Mandat. Noch heute gehen manche Kameruner zum "Banop", zum Bahnhof ...

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Die Reise auf der sogenannten Mittellandbahn führt vom Wirtschaftszentrum Douala, unweit des Atlantiks, hinauf nach Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Schon in Douala erkennt man das Koloniale Erbe Kameruns an der Architektur – deutsche und französische Häuser stehen hier dicht beieinander.

Die Eisenbahn ist der ideale Ort, die Menschen und die Kultur des Landes zu entdecken. Mit etwas Glück kommt man in den Genuss von Makossa, einem typisch kamerunischen Musikstil, der einst durch die Bahn verbreitet wurde. Die Musiker reisten mit dem Zug, übten und spielten darin und machten so den Makossa im ganzen Land bekannt. Die Kameruner haben ihr besonders reiches kulturelles Erbe stets bewahrt. Ihr Volk besteht aus vielen Völkern, die sich von einem Volk zum anderen stark unterscheidet. Im Süden Kameruns lernen wir beispielsweise die Lebensweise der Pygmäen kennen. Außerdem begleiten wir David, einen Jäger, der "Dank der Gnade Gottes" Tiere fängt.

Folge 848 XL Mit dem Zug durch Kamerun

VM 505 Dieseltriebwagen (Foto: SWR, SWR - Alexander Schweitzer)
VM 505 Dieseltriebwagen. « Afrika en miniature » wird Kamerun gerne aufgrund seiner vielfältigen Kulturen genannt. Ideal also, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Wir beginnen diese in Douala, der ehemaligen Hauptstadt und erkennen schnell, wie stark der europäische Einfluss noch ist. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Am 8. März geben die Frauen den Ton an. Den Internationalen Frauentag begehen sie als Festtag und tragen Kleider mit eigens entworfenem Stoffdesign. Obwohl in Kamerun die Frauen den Männern rechtlich gleichgestellt sind, sind sie häufig Diskriminierungen ausgesetzt. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
VM 505 - 3-teiliger Dieseltriebwagen. Auf 1.000 mm schmaler Spur machen wir unsere Entdeckungsfahrt. Von Douala aus führt unsere Reise durch die küstennahe Littoralregion, eine von zehn Provinzen des Landes, über Edéa und Eséka 262 Kilometer hinauf nach Yaoundé, der heutigen Hauptstadt. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Ausfahrt in der Hafenstadt Douala. „Die Eisenbahnlinie von Douala nach Yaoundé ist Teil eines großen Projekts, der sogenannten deutschen Kolonialeisenbahn. Das Projekt wurde zweigeteilt, in die Nordlinie, die von Douala bis in den Tschad führen sollte und die Zentrallinie, die über Moloundou bis ins ehemalige Tanzania gehen sollte.“ SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Auf über 700 Meter; Die auch Mittellandbahn genannte Strecke bildet noch heute das Rückgrat des Bahnverkehrs in Kamerun. Chaotische Straßenverhältnisse und viele Unfälle sorgen für die Attraktivität der Bahn. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Am Sanaga beobachten wir den, nach Fußball, zweiten Lieblingssport der Kameruner - Pirogenrennen. Einst war die Piroge, ein Einbaum, ein gängiges Fortbewegungsmittel in Kamerun. Mehrere Kilometer legen die Männer in diesem Tempo auf dem Sanaga zurück. Mit fast 1.000 Kilometern ist er der längste Fluss Kameruns. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
„Während des Krieges bauten die Franzosen das Projekt weiter. Die Deutschen haben ja Yaoundé nicht erreicht. Bis zum Krieg bauten sie den größten Streckenabschnitt. Sie haben die Nordlinie gebaut und die Mittellandbahn, also die zentrale Eisenbahnlinie.“ Die Mittellandbahn gehörte nun zur Chemins de fer de Cameroun, die den Bahnbau fortführte. Da Frankreich allerdings den Sitz der Kolonialverwaltung ins klimatisch angenehmere Yaoundé verlegte, wurde die Bahnstrecke dorthin umgeleitet. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Wir sind zu Besuch bei Pygmäen, den wahrscheinlich ältesten Bewohnern der tropischen Wälder Afrikas. Wegen ihrer großen Fähigkeit zu Tanzen, wurden sie schon von den alten Ägyptern als „Gottestänzer“ bezeichnet. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Pygmäen leben mit und von der Natur und ernähren sich von der Jagd oder sammeln Produkte des Waldes. Hier haben sie einen Baum entdeckt, indem sie Honig vermuten. Mit dem Buschmesser wird ein Loch in den Stamm geschlagen. Und danach werden die Bienen ausgeräuchert. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Wir sind nun unterwegs auf den letzten Kilometern vor Yaoundé. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
70 Prozent der Kameruner sind Christen. Der pallottinische Glaube, der kein Gelübde gegenüber Gott kennt, wurde von dem Deutschen Heinrich Vieter nach Kamerun gebracht. Der „Vater des Glaubens“ baute hier 1906 die erste Kirche Kameruns. Die heutige Basilika stammt aus den 80er Jahren. Die Basilika „Maria, Königin der Apostel“ bietet Platz für 4.000 Menschen. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Der Bahnhof von Yaounde, der Hauptstadt Kameruns. Der Zugbetrieb in Kamerun wird heute von Camrail durchgeführt. Die Firma gehört zu einem Großteil zum französischen Mischkonzern Bolloré. Die mehr als 100 Jahre alte, eingleisige Strecke wurde einst wegen des Gütertransports gebaut. Heute kann sie den stetig wachsenden Güterverkehr nicht mehr bewältigen, den der Hafen von Douala mit sich bringt. SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen

Das wohl beeindruckendste Überbleibsel deutscher Kolonialgeschichte in Kamerun ist die Brücke von Edéa. Sie wird zwar von der Eisenbahn nicht mehr genutzt, zur Zeit ihrer Inbetriebnahme aber war sie mit einer Spannweite von 160 Metern die längste Stahlbogenbrücke Afrikas. Heute dient sie als "Kulturbrücke" und ist ein Symbol der Beziehungen zwischen Kamerun und Deutschland.

Gebaut wurde die Bahn übrigens, um u.a. Palmöl zum Hafen nach Douala zu transportieren. Damals war es das wichtigste Handelsgut und noch heute wird es wie anno dazumal hergestellt. In Njock finden wir die Überreste des letzten deutschen Bahnhofs von Kamerun. Die weitere Strecke bis Yaoundé wurde unter französischem Mandat weitergebaut.

Nur wenig erinnert noch an die ursprüngliche Funktion des Gebäudes. Heute ist hier eine kleine Kapelle untergebracht. 70 Prozent der Kameruner sind Christen. Die Evangelisierung Kameruns nahm ihren Ursprung in Yaoundé. 1906 baute hier der "Vater des Glaubens", Heinrich Vieter, die erste Kirche. An ihrem Platz steht heute die Basilika "Maria, Königin der Apostel". Gebaut wurde sie aus Materialien aus ganz Kamerun, sie ist damit auch ein Stück "Kamerun en miniature".

(ESD arte: 30.09.2014)

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