Folge 900 Die Pilatusbahn – Steilste Zahnradbahn der Welt

Der Pilatus ist der sagenumwobene Hausberg von Luzern. Erhaben ragt er über dem Vierwaldstätter See. Einst wurde der Pilatus als locus horribilis, als schrecklicher und gefährlicher Ort bezeichnet, wo in Felsspalten sogar Drachen gehaust haben sollen. Heute ist der Drache das Symbol der Pilatusbahn. Seit 1889 fährt die steilste Zahnradbahn der Welt die knapp fünf Kilometer kurze Strecke hinauf zur Bergstation Pilatus Kulm.

Dauer

Vor allem um Kosten zu sparen, wurde eine möglichst kurze Strecke gewählt. So musste ein Höhenunterschied von 1.600 Metern überwunden werden, mit herkömmlicher Technik war das nicht zu machen. Normale Zahnradbahnen sind bis zu einer Steigung von 25 Prozent zugelassen. Am Pilatus ist aber eine Steigung von bis zu 48 Prozent erforderlich.

Folge 900 Die Pilatusbahn

Talstation der Pilatus Bahn (Foto: SWR, SWR - Wolfgang Drichelt)
Talstation der Pilatus Bahn SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Ein besonderes Zahnstangensystem von Eduard Locher (15.1.1840 - 2.6.1910) mit horizontalem Eingriff schafft bis zu 48 % Steigung. In die "Fischgerätezahnstange" greifen beidseits zwei waagrecht angeordnete Zahnräder ein. Unterhalb der Zahnräder montierte Führungsscheiben verhindern ein Aufsteigen und diesen zugleich der seitlichen Führung des Fahrzeuges auf dem Gleis. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Pilatusbahn - Talstation SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Blick aus dem Führerstand auf die steile Zahnrad-Strecke SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Verschiebestelle SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Die Talbahn wartet auf der Verschiebestelle auf die Bergbahn, da die Strecke nur eingleisig befahrbar ist. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Einfahrt in die Verschiebestelle SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Die Zahnradbahntrasse wurde in den Berg hinein gehauen. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf die enorme Steigung vor der Bergstation auf die umliegenden Berggipfel und ins Tal SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Ein kleiner Wanderweg rund um das Pilatus Massiv bietet gute Ausblicke zum Beispiel auf die Ein- und Ausfahrt aus der Pilatus Bergstation. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Einfahrt in die Pilatusbahn Bergstation SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Pilatus Bergstation mit Kulm Hotel in 2132 Meter Höhe SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Die kleine Wiese vor dem Pilatus Kulm Hotel ist ein beliebter Abflugort für Gleitschirmflieger SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Vom Kulm Hotel aus führt ein Rundweg ins Pilatusmassiv. Von hier hat man herrliche Ausblicke in die Berglandschaft. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Panoramablick - Man kann sich nicht satt sehen in diese unglaublichen Berglandschaft. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Panoramablick vom Rundweg auf das Kulm Hotel mit Terrasse, Luftseilbahn-Station, Zahnradbahn Bergstation und Sonnenpyramide. Auch da hoch kann man laufen. SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Die Luftseilbahn von Fränkmüntegg zum Pilatus Kulm bitet in einer Fahrzeit von 3'39'' Minuten eine "Dragon Ride" SWR - Wolfgang Drichelt Bild in Detailansicht öffnen
Eselwand aus der Lokführerperspektive SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Oberhalb des Wolkenmeeres SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Die erste Bahn am Morgen SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Sonnenseite des Lebens SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Pilatusbahn kurz vor der Bergstation Pilatus Kulm SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Pilatusbahn kurz vor der Bergstation Pilatus Kulm SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Pilatusbahn in der Eselwand SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Pilatusbahn in der Eselwand SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Streckengeher André Langensand macht Pause SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Pilatusbahn kurz vor der Bergstation SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
In der Eselwand SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
48 Prozent Steigung SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
48 Prozent Steigung SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Baumgrenze bei 1.600 Meter SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Baumgrenze bei 1.600 Meter SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
30 Minuten benötigt die Pilatusbahn für die 4,6 Km lange Strecke SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
30 Minuten benötigt die Pilatusbahn für die 4,6 Km lange Strecke SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen
Luzern SWR - Alexander Schweitzer Bild in Detailansicht öffnen

Der Ingenieur Eduard Locher erfand ein Zahnradbahnsystem mit horizontalem Zahneingriff: jeweils links und rechts "beißt" ein Zahnrad in die Zahnschiene, eine sogenannte Fischgrätenzahnstange – bis heute ein einmaliges System.

Einmalig ist auch der Ausblick auf den Vierwaldstättersee. Die Pilatusbahn benötigt 30 Minuten für den Aufstieg bis zur Bergstation auf gut 2.100 Metern Höhe. Oberhalb der Baumgrenze nagt sich der Zug Zahn um Zahn die Eselwand hinauf, dem Wahrzeichen der Pilatusbahn. Hier waren die Bauarbeiten besonders tollkühn – Arbeiter mussten an der senkrechten Wand an Seilen hängend arbeiten. Mit etwas Glück sieht man hier oben auch Murmeltiere, Gämsen oder Steinböcke. Letztere waren hier oben einst ausgestorben. Anfang der 1960er Jahre wurden 19 Steinböcke am Pilatus ausgesetzt. Heute sind es 107 Tiere, die sich sichtlich wohlfühlen und teilweise die Scheu vor den Menschen verloren haben. Bereits 1895 fuhren mehr als 40.000 Besucher mit der Bahn. Die Zahnradbahnfreuden waren damals nur einer betuchten Minderheit vorbehalten: allein die Bergfahrt kostete den Wochenlohn eines Arbeiters.

Der Film zeigt eine nicht nur wegen ihrer Antriebstechnik einzigartige Bahn. Sie ist auch Sinnbild einer Zeit, in der die Gipfelstürmer alles unternahmen um ihre Ziele zu erreichen. Im Fall der Pilatusbahn ist das damals wie heute der Blick auf ein überwältigendes Alpenpanorama.

(ESD: 01.04.2017)

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