Folge 934 Vikingtrain – Auf der Eisernen Seidenstrasse bis zur Ostsee

Es ist ein kompletter Widerspruch: Da ziehen zwei Dieselveteranen aus der Sowjetzeit die Zukunft des Welthandels über die Schienen vom Schwarzmeer-Hafen Odessa. Zukunft? Welthandel? 

Dauer

Wöchentlich zwei bis drei Mal rollt dieser Zug vom Schwarzen Meer an die Ostsee und zurück – 1734 km einfach, in der Rekordzeit von 51 bis 54 Stunden. Der Frachtzug hat nur Container auf den Waggons und braucht für das Passieren von zwei Grenzen jeweils nur etwa 30 Minuten. Der Zug heißt Wikingerzug und hat an allen Bahnhöfen und Grenzen absolute Priorität in der Abfertigung. Das Projekt heißt Viking Project und wurde Anfang des Jahrtausends vom EU-Staat Litauen, dem Russland-Verbündeten Weißrussland und dem Russland-Gegner Ukraine – immer noch im Krieg mit Russland – geplant und schnell in die Realität umgesetzt.

Folge 934 Bilder vom Vikingtrain und seiner Geschichte

Zwei M62 Dieselloks des Wikingerzugs im Grenzbahnhof Kena (Foto: SWR, SWR - Michael Mattig-Gerlach)
Zwei M62 Dieselloks des Wikingerzugs im Grenzbahnhof Kena SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
BKG 1Elektrolokomotivwerk Datong/China – erste E-Lok in Weissrussland eingesetzt, gebaut 2012-2013, 200 Tonnen schwer, 2 x 4.800 kW, acht Fahrmotoren, Drehstromantriebstechnik, 120 km Höchstgeschwindigkeit, als Ersatz für die alten WL80 beschafft von Weissrussland, 12 Loks für 100 Mio Dollar angekauft, im Mai 2012 ausgeliefert, im Sept 2012 im Probebetrieb. Mit Klimaanlage und Vakuumtoilette, Mirkowellenherd und Kühlschrank. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
DerДР1 (DR1) ist ein bei der Rigaer Waggonfabrik (RVR) in Lettland gebauter Triebzug speziell für den schnellen Vorortverkehr auf nichtelektrifizierten Breitspurstrecken. Das Foto zeigt einen dreiteiligen lettischen DR1A mit leicht geänderter Kopfform. Gebaut 1963-1970, 2 x 735 kw(1.000 PS), 177 Tonnen schwer, 54 davon gebaut. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Eisenbahngeschichte Litauens, ausgestellt im Museum in Vilnius SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Schmuckstücke aus der Eisenbahngeschichte Litauens im Eisenbahnmuseum in Vilnius SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Sowjet-Veteranen im Rangierbetrieb von Radzvilitis SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
M62 an der Grenze Weissrussland-Litauen SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Bugaz Brücke bei Odessa, von der es nur zwei gleichartige Brücken weltweit gibt. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Prypiat-Brücke, keine 500 Meter vom havarierten Atomkraftwerksblock von Tschernobyl entfernt. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die mit vielen Milliarden gesicherte Kraftwerksruine in Tschernobyl SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
24 Stunden täglich ist Rangierbetrieb in Klaipeda   SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
In Erwartung des nächsten Wikingerzugs auf dem Güterbahnhof von Klaipeda SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Reparationslokomotive der Deutschen Reichsbahn, Baureihe 52, vor dem Bahnhof von Radviliskis SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Vierachsige Dieselelektrolokomotive (2002-2011) von Siemens gebaut, 140 km Höchstgeschw., 2000 kW stark, 44 Stück an Litauen ausgeliefert, vier dieselmotoren, einer pro Antriebsachse, zunächst für Österreich gebaut, wurde dort „Hercules“ genannt, 37 davon in Deutschland als Baureihe 223 eingesetzt. 16-Zylinder Dieselmotor der MTU Friedrichshafen. Für Litauen wurde 2007 eine neue Lokfamilie Siemens ES 2007 als sechsachsige Version (ER20CF) hergestellt. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
M62 SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
= TschS4 1963 – 1972 gebaut bei Skoada in Pilzen, 230 wurden gebaut, 126 – 131 Tonnen schwer, 4800 kW Dauerleistung, Spitznamen Laminatka, Aquarium oder Seifenschale(Diese Lok hat einen neuen Aufbau, weshalb sie von der ursprünglichen Form abweicht) SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
TEP 60 - steht im Eisenbahnmuseum von VilniusDie Lokomotive entstand im Jahr 1960 im Werk Kolomna, nachdem 1959 drei Varianten zur Auswahl gestellt wurden:1. eine Lokomotive mit zwei Endführerständen, der Achsfolge Bo´Bo´ und Verwendung des Dieselmotors D 452. dieselbe Lokkonstruktion mit der Achsfolge Co´Co´und zwei Führerständen3. wie Variante 1, aber mit nur einem Führerstand. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
ВЛ80C (translit. WL80S, russisch cистема многих единиц, abgek. СМЕ) Diese Baureihe wurde von 1979 bis 1995 in 2746 Einheiten gebaut. Es ist die zahlenmäßig größte Baureihe und verfügt über eine Vielfachsteuerung. Dauerleistung: 2 × 2780 bis 2 × 2880 kW. Die Abkürzung BЛ (WL) steht für die Initialen von Wladimir Iljitsch Lenin. SWR - Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen

Das Wikinger-Projekt ist der letzte Teil der Transportkette von China bis nach Nord- und Mitteleuropa – und es funktioniert allen politischen Misstönen zum Trotz reibungslos. In der geplanten Zukunft des Welthandels wird Fracht in Containern auf der Neuen Seidenstraße in wenigen Tagen aus dem Fernen Osten auf den Märkten Europas landen. Wir zeigen das bereits funktionierende Teilstück der gigantischen Frachtroute zwischen Odessa über Kiew und Vilnius bis zum Osteehafen Klaipeda.

Der Film zeigt entlang der Strecke Odessa – Kiev – Minsk – Vilnius – Klaipeda den Weg der Container-Züge und die Landschaften, durch die der Zug fährt. In den Städten und in der Eisenbahntechnik zeigt sich, auf welch unterschiedlichem Niveau die Partner des Projekts agieren – und in Tschernobyl, wie eng ihr Schicksal über alle politischen Differenzen hinweg miteinander verknüpft ist.

(ESD: 09.06.2018)

EIN FILM VON
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