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Der Sudan ist ein Eisenbahnland. Das über 4000 km lange Streckennetz, eines der längsten Afrikas, wurde vor über hundert Jahren von den Engländern während der Kolonialzeit angelegt, um den Nachschub im Kampf gegen die aufständischen Mahdisten zu sichern. Wenig hat sich seit dieser Zeit verändert. Im Gegenteil viele Verbindungen auf denen Mitte des vorigen Jahrhunderts noch reger Betrieb herrschte, sind heute unbefahrbar, im Sand versunken oder vom Nil unterspült. Erst langsam kommt es zu einer Renaissance der Eisenbahn.

Nachdem sich westliche Firmen wegen eines US-Embargos, nicht trauen im Land zu investieren, sind es wie in vielen Ländern Afrikas die Chinesen, die beim Aufbau einer dringend notwendigen Infrastruktur helfen. Dass die Volksrepublik dabei eine nicht immer uneigennützige Strategie verfolgt, ist den Menschen egal, die endlich in modernen, klimatisierten Zügen von Khartum aus die zwei größten Regionalzentren erreichen können. Das Eisenbahn-Romantik-Team hat den ‚Al Dschazira‘, benannt nach einer Halbinsel im Nil, getestet und mit den Fahrgästen gesprochen. Eine junge Mutter mit drei Kindern: Während der vier Stunden Fahrt sind wir gut versorgt. Es gibt Tee und Sandwiches und wir haben viel Spaß miteinander.

Auch das einst größte Eisenbahnbetriebswerk Afrikas in Atbara ist mit einem der neuen Triebwagen erreichbar. Dort allerdings offenbart sich die andere Seite der Sudanesischen Bahn: Im Freigelände stehen hunderte betriebsunfähiger Diesel-Lokomotiven, vor allem aus USA und Europa. Der Chefingenieur erklärt die Problematik: Der Grund dieser Misere ist das Embargo, das seit 1997 unser Land extrem negativ beeinflusst. Wir bekommen kaum Ersatzteile, um die Maschinen betriebsfähig zu halten. Wir haben auch 40 Lokomotiven aus Deutschland, davon sind gerade mal noch zehn im Einsatz.

Folge 958 Bilder von altem Eisen und neuen Zügen im Sudan

Der 'Al Nil' verlässt den Bahnhof Atbara. (Foto: SWR, Michael Mattig-Gerlach)
Der 'Al Nil' verlässt den Bahnhof Atbara. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die dieselelektrischen Lokomotiven von Henschel sind die beliebtesten Maschinen im Sudan. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Eine Chinesische Güterzuglokomotive im Rangierbahnhof Khartum. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Der 'Al Dschazira' benannt nach einer fruchtbaren Halbinsel wartet im Bahnhof 'Wad Madani' auf die Abfahrt. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Bereitwillig gaben uns die Mitreisenden auf der Fahrt in den Süden Interviews. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Kommt der 'Expresszug' werden die Bahnübergänge in der Stadt per Flagge gesichert. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Der 'Al Dschazira', erkennbar am grünen Kleid, und eine Henschel BJ. 1981 im Bahnhof Atbara. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Der 'Al Nil', im Hintergrund die Freitagsmoschee von Atbara. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Der Güterzug aus Port Sudan in der Wüste hinter 'Haya'. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Mitfahrt im Güterzugbegleitwagen, wegen der starken Bewegung des Wagens musste immer einer die Kamera halten. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Lokomotive mit der General Kitchener 1897 unterwegs war. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Strecke ist gut – der Zug erreicht 75 kmh. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Eine Henschel Baujahr 1975 zieht den letzten Salonwagen Richtung Wadi Halfa. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Glücklicherweise steht der Esel nicht auf der Schiene. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Im Bahnbetriebswerk Atbara gehören Radreifenwechsel zur Routine. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Im Eisenbahnmuseum von Atbara. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Der 'Römische Kiosk' bei der Tempelstadt 'Naga' in der Nähe der Bahnlinie Khartoum – Atbara Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Pyramiden von Meroe liegen in Sichtweite der Bahn. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Unser Zug Richtung 'Wadi Halfa' ist mit einer Henschel bespannt. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Frühstück im Salonwagen Richtung 'Wadi Halfa'. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen
Die Stimmung im Salonwagen ist trotz der Hitze von über 40 Grad gut. Michael Mattig-Gerlach Bild in Detailansicht öffnen

Dass im Sudan genügend technisches Knowhow vorhanden ist, um auch komplizierte Reparaturen und Wartungsarbeiten durchzuführen, zeigt der Film an anderer Stelle. Turnusmäßig alle fünf Jahren müssen die Radsätze der modernen Dieseltriebwagen gewechselt werden. Routiniert bauen die Mechaniker die neuen, aus China gelieferten Teile ein. Mit zwei Hallenkränen, einer davon dient schon seit 90 Jahren, setzen sie anschließend den Wagenkasten punktgenau auf die Drehgestelle.

Nach fünf Wochen im Sudan macht das SWR-Team zum Schluss des Films eine Reise der besonderen Art. Im letzten weißen Salonwagen geht es am Nil entlang Richtung ägyptische Grenze. Wir erleben, wie luxuriöses Reisen in Afrika früher ausgesehen hat: Nur vier komfortable Schlafabteile pro Wagen, Badewannen, Butler und ein eigener Koch mit Küche. So würde man gerne von Khartum bis Kairo reisen. Doch längst ist es nur mehr ein Traum.

(ESD: 15.03.2019)

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