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Schmalspurbahnen haben vor über 120 Jahren auch in Frankreich in abgelegenen Gegenden für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt. So entstand ein über 200 km langes Bahnnetz zwischen Tournon, Le Cheylard, Le Puy und Dunières. Kurz nach der Stilllegung 1968 nahmen zwei Vereine den Museumsbetrieb wieder auf. Seit 1970 verkehrt zwischen Raucoules und Saint Agrève der Velay-Express.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
14:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Wobei "Express" ein wenig übertrieben klingt. Zuckelt doch der Dampfzug mit rund 30 km/h über die 1000 mm breiten Gleise. Die Männer und Frauen vom Verein "Voies Ferrées Du Velay" kümmern sich um Erhalt und Betrieb der Fahrzeuge und der Strecke. Und es gibt hier sogar eine ganze Familie, die sich über drei Generationen dem "Leben auf der Schiene" verschrieben hat – zumindest in der Freizeit.

Folge 960 Bilder vom Velay-Express

Die Dampflok des Velay-Express ist klein aber sie hat es in sich - sie ist eine der wenigen Mallet-Lokomotiven, die auf einer Schmalspurbahn noch in Betrieb ist. (Foto: SWR, SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt)
Die Dampflok des Velay-Express ist klein aber sie hat es in sich - sie ist eine der wenigen Mallet-Lokomotiven, die auf einer Schmalspurbahn noch in Betrieb ist. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
So schmuck, so glänzend ist alles, kaum zu glauben, dass die Maschine 1906 gebaut worden ist. Lange hat die Restaurierung der Maschine gedauert. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Das Fabrikschild der 020-020 T Blanc-Misseron Nr. 337, die früher einmal PO-Corrèze , Nr. 101 hieß. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Ein Blick in den Führerstand – Platz gibt es nicht viel, denn ein bisschen Kohle muss auch auf dem Boden "verstaut" werden. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Ein Blick ins Depot von Raucoules-Brossettes. In fast jedem Bahnhof an der Strecke gibt es noch die typischen Wassertürme. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Viel Aufmerksamkeit braucht die Lok, vor jeder Fahrt gibt es eine Menge zu tun... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
...tiefe Einblicke sind nötig. Fehlt noch was? SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Auf der Mittelgebirgsstrecke wird viel Sand verbraucht – und der kommt offenbar aus Deutschland. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Mehrere Säcke sind notwendig. Besandungsanlagen wie es sie in großen Bahnbetriebswerken gab und gibt finden sich auf der Museumbahn freilich nicht. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Bremsprobe. Lokführer/Heizer Fabian Grégoire gibt die entsprechenden Zeichen. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Der Zug verlässt Raucoules-Brossettes – vorbei am Eisenbahn-Romantik Kamerateam. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Fabian Grégoire ist heute Heizer – an manchen Tagen ist er auch Lokführer. Im Verein sind Multitalente gefragt. Von Beruf ist er eigentlich Illustrator und bekannter Autor von Graphic-Novels. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Die Landschaft ist geprägt von dichten Wäldern... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
...aber auch von weiten, offenen Landschaften. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Gedreht haben wir während der Fußballweltmeisterschaft – für Frankreich gab es dabei mehr zu feiern als für Deutschland. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Es gibt an der Strecke unglaublich viele Photomotive für Eisenbahnfreunde.... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
...und daher natürlich auch für das Eisenbahn-Romantik Team. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Die Region ist bekannt für ihre Rinderzucht. Es sind zwar keine ganz speziellen Rassen aus der Region, doch hier legen viele Bauern großen Wert auf eine naturnahe Haltung. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Hinter jeder Hecke könnte eine Kuh "lauern" – die Tiere haben hier viel Platz und sie dürfen meist ihre Hörner behalten. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Auch das Eisenbahn-Romantik Team hat einen Landwirt besucht, der sich auf die Rinderzucht spezialisiert hat. Seine Herde kennt ihn gut, wenn er ruft kommen Kühe, Kälber und... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
...sogar der "Chef" angetrabt. Selbst der Stier frisst ihm sozusagen aus der Hand. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Vieles an der Strecke ist noch erhalten. Zum Beispiel dieser Wasserkran. Nicht alle funktionieren, doch der Verein setzt alles daran, die Strecke authentisch herzurichten. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Hier zum Beispiel liegt ein Wasserkran der wieder restauriert wird. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
In der Werkstatt inRaucoules-Brossettes packen alle mit an, nicht nur der Wasserkran wird restauriert, auch die Steine für das Fundament wurden hier bearbeitet. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Auf die Reise geschickt werden die Steine des Fundaments für den Wasserkran mit diesem Gefährt. Gemäß einem alten Werbespruch könnte unter dieser Diesellok der Satz stehen: Ich war einmal eine Dampflok. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Das stolze Team auf der Lok Nr. 70 von 1948, damals wurde die Dampflok in eine Diesellok umgebaut. Genauer gesagt es wurde das Fahrwerk übernommen und mit einem Lastwagenmotor und entsprechenden Aufbauten versehen. Ursprünglich war es eine  Cail , 130T # 70 von 1891. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Das Gespan ist auf dem Weg zu seinem Bestimmungsort... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
... nach Chambon sur Lignon, hier soll der Wasserkran wieder aufgebaut werden und zwar funktionsfähig. Das Fundament ist links zu sehen. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Der Dampfzug ist gemächlich auf der 27 Kilometer langen Strecke unterwegs in Richtung Saint Agrève. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
An größeren Straßen geleitet die Gattin des Lokomotivführers... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
... den Zug charmant über den Bahnübergang. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Vor allem im Frühsommer ist die Gegend wunderschön, die Dampflok gleitet förmlich durch die Blüten. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Die Region ist beschaulich, weit weg vom Trubel der großen Städte, die kleinen Orte sind oft Luftkurorte. Früher kamen die Menschen aus der nahen Industrie Stadt Clermont-Ferrand, um sich zu erholen. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Oft hört man in der hügeligen Gegend den Zug von weit heranschnaufen, und er kündigt sich mit dem markanten Schornstein an... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
...bevor er vollständig auftaucht. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Saint Agrève ist die Endstation der Bahnlinie. Ein kleiner Ort mit einem traditionellen Markt. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Das Eisenbahn-Romantik Team kommt allerdings nicht zum Einkaufen - obwohl die Angebote verlockend sind... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
...so sieht man Knoblauch selten. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Für den Velay-Express wird mit einem Plakat am Lokschuppen geworben – gestaltet hat es Vereinsmitglied und IllustratorFabian Grégoire. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Auch in Saint Agrève gibt es ein kleines Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe – die Lok ist daher stets Schornstein voraus unterwegs. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Betrieben wird die Drehscheibe von Hand, da ist gehörige Muskelkraft erforderlich... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
... und wenn die Drehscheibe erst einmal Schwung hat, muss ebensoviel Kraft zum Bremsen aufgebracht werden. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Neben der Dampflok steht ein ausgebrannter Triebwagen – seine Aufarbeitung dürfte schwierig werden... SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Doch im Schuppen finden sich noch weitere Raritäten an denen gewerkelt wird. Eine ganze Flotte kleiner Triebwagen. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Auch ein alter Kranwagen ist zu bestaunen und gute Dienste leistet er auch noch. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Einer der Triebwagen ist wieder voll funktionsfähig und ist ebenfalls regelmäßig im Einsatz. Es ist ein Billard  Triebwagen A 150 D2, Nr. 222, von 1939. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
InLe Chambon-sur-Lignon treffen sich der Dampfzug und der Triebwagen. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
Zum Schluss ein Panorama mit Wolke – der Velay-Express unterwegs auf der Hochebene der Cevennen. SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen
SWR - Andreas Stirl und Frank Rinnelt Bild in Detailansicht öffnen

Neben einer Mallet-Dampflok und liebevoll restaurierten Holzwagen kommen auch Dieseltriebwagen zum Einsatz. Diese sind vom Hersteller Billard aus den 1930er Jahren. Uriges Design und knatternde Motoren sind Garantie für ein besonderes Fahrerlebnis. An den Endbahnhöfen gibt es Drehscheiben, so dass die Dampflok immer mit der Rauchkammer voraus auf die Strecke geht. Überhaupt sind alle Bahnhöfe und Nebenanlagen, wie Wassertürme und Lokschuppen, noch original erhalten. In den 1950er und 60er Jahren wurde angesichts der drohenden Stilllegung kein Geld mehr ausgegeben. Also wurde nicht modernisiert, aber auch nichts abgerissen. Ein Glücksfall für die Museumsbahn.

Entlang der Strecke gibt es viel zu erleben. Immer gibt es irgendwo einen Wochenmarkt mit kulinarischen Spezialitäten und Handwerkskunst aus der Region. Wanderfreunde kommen auf ihre Kosten und wer sich über traditionelle Rinderzucht informieren möchte fragt einfach einen der vielen Landwirte. Manchmal etwas abseits, aber immer einen Ausflug wert, sind kleine Restaurants auf dem Land. Eines davon ist zugleich auch Bücherstube und Weinhandlung.

Le Chambon-sur-Lignon, ein kleines Städtchen an der Strecke mit typischen Häusern aus grauem Gestein, ist weltweit bekannt. Zur Zeit der deutschen Besetzung in den 1940er Jahren fanden hier, und in den umliegenden Dörfern, Tausende jüdische Kinder und Familien Zuflucht und Hilfe. Organisiert von evangelischen Pfarrern entstand eine Gemeinschaft der Helfenden. Die meisten Flüchtenden kamen mit dem Zug, erhielten am Bahnhof zu essen und zu trinken und es wurden für sie Verstecke organisiert.

Die Museumszüge fahren zwischen Ende April und Ende Oktober an den Wochenenden, in den Ferien auch mittwochs. Sonderfahrten, zum Beispiel in der Adventszeit, gibt es auch.

(ESD 29.03.2019)

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