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Pater in Ornat, im Hintergrund ein Kloster

SENDETERMIN Sa, 31.3.2018 | 6:00 Uhr | 3sat

Der Südwesten von oben Unsere Klöster

Es ist eine Herausforderung, sie lebendig zu halten. Doch nicht alle Klöster haben Nachwuchssorgen. Und als "Tankstelle für die Seele" sind die Klöster heute begehrter denn je.

Ora et labora

Die Benediktiner gelten als einer der ältesten Orden der westlichen Welt. Noch heute leben die Mönche nach den Regeln, die Benedikt von Nursia im sechsten Jahrhundert aufstellte. Ora et labora heißt ihre Devise - Bete und Arbeite. Wie in Zeiten ihrer Gründung versuchen sie, möglichst autark zu leben. So auch Abt Mauritius aus Tholey, dem vermutlich ältesten Kloster Deutschlands. Er und seine Mitbrüder haben eine eigene Imkerei, eigene Obstplantagen, ein Gewächshaus für Gemüse, und sie brennen ihren eigenen Schnaps. Bevor er Mönch wurde, arbeitete der Abt als Sternekoch in Luxemburg. Als er sein Amt übernahm, lag das Kloster finanziell und personell am Boden. Nur durch mutige Reformen konnte Pater Mauritius die Einnahmen des Klosters wieder erhöhen. Die personellen Sorgen aber bleiben. Ein Problem, das fast alle Klöster kennen. Für viele junge Menschen ist es heute unvorstellbar, in ein Kloster einzutreten. Werte wie Enthaltsamkeit, Demut und Gehorsam schrecken sie ab.

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Glaube, Rückzug und Mission

Menschen im Kloster

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Shi Xiao Long ist vor fünf Jahren in das Shaolin Kloster in Otterberg bei Kaiserslautern eingetreten. Die Disziplin, die er hier kennenlernte, half dem 22-jährigen Novizen seinem Leben die richtige Richtung zu geben.

Shi Xiao Long ist vor fünf Jahren in das Shaolin Kloster in Otterberg bei Kaiserslautern eingetreten. Die Disziplin, die er hier kennenlernte, half dem 22-jährigen Novizen seinem Leben die richtige Richtung zu geben.

Das Noviziat der Shaolin dauert 10 Jahre, 10 Jahre hartes körperliches und geistiges Training. An Nachwuchs mangelt es ihnen nicht. Die Schwierigkeit liegt viel eher im Auswahlprozess. Pro Jahr schaffen es nur etwa drei von 400 Bewerbern ins Noviziat.

Pater Mauritius Choriol war einst Sternekoch, folgte dann aber seinem Glauben in die Benediktinerabtei Tholey. Als Abt hat er nur zwei Vorgesetzte – den Papst und Gott. Trotz seiner Verantwortung als Abt bekocht Mauritius weiterhin leidenschaftlich gerne seine Ordensbrüder.

Sr. Anna Magdalena ist die Priorin der Unbeschuhten Karmelitinnen im Karmel St. Josef. Anders als die Benediktiner sind die Karmelitinnen ein Bettelorden, der, abgeschnitten von der Welt durch eine Mauer, seine Zeit im Gebet verbringt.

Sr. Maria studiert Biologie und Theologie auf Lehramt, ist aber keine normale Studentin. Sie ist Steyler Missionarin in Bötzingen – ein moderner Orden, der es den Schwestern freistellt, die Ordens-kleidung zu tragen. Sr. Maria verzichtet darauf, da ihr die zivile Kleidung hilft, den Bedürftigen anderer Glaubensrichtungen zu helfen.

Lisa Slotosch nimmt regelmäßig das Angebot „Kloster auf Zeit“ im Kloster Sießen in Bad Saulgau wahr. Die Ruhe und Besinnlichkeit des Lebens im Kloster helfen der Zahnmedizinstudentin, den Stress im Alltag zu bewältigen.

Sr. Reinholda vom Kloster Heiligenbronn im Waldachtal hilft Bedürftigen mit ihrer selbst hergestellten Medizin aus dem eigenen Kräutergarten. Die gewinnt ihre Heilkraft aus der heiligen Quelle, über die Sr. Reinholda wacht.

Sr. Carla ist Dominikanerin und eine der jungen Lehrkräfte aus Brasilien, die in der Klosterschule Speyer unterrichten. Der Orden der Dominikanerinnen hat sich die Jugendarbeit zum Leitthema gemacht und bekommt den jungen Nachwuchs aus Lateinamerika.

Die Schwestern des Klosters St. Josef in Waldfrieden bei Auderath leben abgeschieden hinter einer Mauer, die das gesamte Klostergelände umgibt.

Die unbeschuhten Karmelitinnen sehen sich nicht als Gefangene. Doch ohne die Genehmigung von Sr. Anna darf keine der Karmelitinnen das Klostergelände verlassen. Nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel für einen Arztbesuch, wird der Fuß vor die Mauern gesetzt.

Die Gärten vom Kloster Sießen sind der ideale Ort zum Entspannen und in sich gehen. Lisa Slotosch kommt hier seit mehreren Jahren regelmäßig her.

Sr. Reinholda würde ihr Wissen um die Heilkunde gerne einer jüngeren Schwester weitergeben, doch leider fehlt es an Nachwuchs.

Auch in Neresheim auf der schwäbischen Alb sitzen Benediktiner. Heute leben hier allerdings nur noch 10 Mönche, wesentlich weniger als im Mittelalter.

Auf Buddhas Spuren

Das buddhistische Kloster in Otterberg bei Kaiserslautern setzt auf ähnlich Werte wie die christlichen Klöster, kann sich aber vor Bewerbern kaum retten. Im vergangenen Jahr melden sich hier über 400 Männer, die sich zum Shaolin- Mönch ausbilden lassen wollten. Nur drei von ihnen bekamen einen Platz als Novize. In ihrer zehnjährigen Ausbildung lernen sie die asiatische Kampfkunst, aber auch die buddhistische Lehre, traditionelle chinesische Medizin und Akkupunktur. Ihr Ziel: Sie wollen friedvoll und glücklich auf die Welt schauen - und den Menschen dadurch helfen. Jeder Orden hat seine eigenen, selbstgewählten Aufgaben.

Rückzug und Begegnung

Der Alltag der einzelnen Mönche und Nonnen unterscheidet sich stark. Die Karmelitinnen in Auderath nahe der Mosel beispielsweise leben in einem geschlossenen Kloster. Sie verlassen den geschützten Klausurbereich nur in Ausnahmefällen und versuchen, sich ganz auf ihre Lebensaufgabe, das stille Zwiegespräch mit Gott, zu konzentrieren. Anders als die Benediktiner leben sie nicht von der Erwerbsarbeit, sondern ausschließlich von Spenden.

Die karitativen oder apostolischen Orden hingegen ziehen hinaus in die Welt. Die Dominikanerinnen in Speyer etwa haben sich ganz der Jugendarbeit und Schulbildung verschrieben, die Steyler Missionsschwestern in Bötzingen am Kaiserstuhl kümmern sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft. Schwester Maria ist seit vier Jahren bei den Steyler Missionsschwestern und lebt in einer Art Kloster-WG in Bötzingen. Sie trägt kein Ordenskleid, studiert Lehramt an der Uni Freiburg und gibt in ihrer Freizeit Deutschunterricht für Flüchtlinge. Die Entscheidung, wohin das Leben sie führen wird, überlässt die moderne junge Frau ihrem Orden und Gott. Mit den ewigen Gelübden erklärt sie sich bereit, sich von ihrem Orden in jedes Land der Welt schicken zu lassen.

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Sa, 31.3.2018 | 6:00 Uhr

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