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Australien: Australien Filmtext & Video

Das Opernhaus von Sydney

13:55 min | So, 30.6.2019 | 6:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Das Opernhaus von Sydney, Australien, Folge 359

3Sat

Als 1973, nach 14 jähriger Bauzeit Opernhaus von Sydney eröffnet wurde, war es ein Gebäude vor seiner Zeit. Die visionäre Skulptur wurde jedoch bald kultureller Mittelpunkt der jungen Australischen Nation. Mehr als eineinhalb Millionen Fliesen reflektieren das Licht. Der Architekt Louis Kahn proklamierte beim Anblick des Opernhauses: "Die Sonne wusste nicht wie wunderschön ihr Licht war, bis es von diesem Gebäude wiedergespiegelt wurde." Das Opernhaus von Sydney ist eines der vielseitigsten Zentren der Darstellenden Künste mit über 1600 Veranstaltungen und 1,2 Millionen Zuschauern im Jahr. "Manchmal", so Utzon, "geschieht es, dass ein waghalsiger Schritt ins Ungewisse uns ein Geschenk für die Zukunft gibt." Das kreative Genie jedoch, das es erschuf, der dänische Architekt Jørn Utzon, hat sein Meisterwerk nie mit eigenen Augen gesehen.

Filmtext


Bevor etwas entsteht - muss es erträumt werden. So liegt jedem Anfang ein gewisser Zauber inne. Was nie erdacht wurde - kann auch nie entstehen. Wenn die Augen den Segeln in den Himmel folgen, begreift man die sich widerstrebenden Kräfte dieses einzigartig harmonischen Gebäudes. Was dabei entsteht liegt im Herzen und in der Fantasie des Betrachters.

Das Opera House bei nächtlicher Beleuchtung

Das Opera House bei nächtlicher Beleuchtung

Als 1973, nach 14 Jahren voller dramatischer Kontroversen, das Opernhaus von Sidney eröffnet wurde, war es ein Gebäude ohne Beispiel. Es dauerte genau so lange bis sich die Australische Nation an das Opernhaus gewöhnte und als das erkannte, was es ist: eine visionäre Skulptur die zum kulturellen Mittelpunkt der jungen Nation wurde. 2007 wurde das Opernhaus zum Weltkulturerbe ernannt und damit als einer der großen architektonischen Leistungen des 20. Jahrhunderts anerkannt. Sein Schöpfer, der Däne Jörn Utzon, wird damit als einer der großen Architekten der Moderne geehrt. Utzon sagte einmal: "Das wunderbare daran Architekt zu sein, liegt darin für Menschen etwas zu schaffen, was sie mögen und lieben und das habe ich immer im Sinn."

150 Jahre bevor hier das Opernhaus erbaut wurde, stand Fort Macquarie an Bennelong Point. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war es ein Straßenbahndepot. Als in den Fünfziger Jahren die Straßenbahnen aus Sydneys Stadtbild verschwanden, stand es leer. 1956 veranstaltete die Regierung einen internationalen Wettbewerb zur Errichtung eines "nationalen Opernhauses". Über 200 Architekten aus aller Welt reichten Pläne ein. Der Gewinner der Ausschreibung, ein unbekannter Däne namens Jörn Utzon, hatte die Vision eines Gebäudes, dessen Attraktion die Fünfte Fassade, das Dach, ist. Sein Design schien nicht von dieser Welt und provozierte jede Menge Kontroversen. Die Spitznamen der Australier reichten von "dänsches Törtchen" über "Zirkuszelte im Sturm" bis zu "sich liebende Schildkröten".

Utzon wurde gezwungen mit den Bauarbeiten zu beginnen bevor sämtliche Kostenanalysen und alle technischen Probleme gelöst waren. So konnte niemand die Bauzeit oder die Kosten vorhersagen. Die Konstruktionsfirma Ove Arup & Partner nahm die Herausforderung das Gebäude zu bauen an. Ove Arup beschrieb das Projekt als eine: "Entdeckungsreise ins Unbekannte". Zu jener Zeit brauchte ein Computer 18 Monate für sämtliche Berechnungen, die für den Bau der Daches benötigt wurden. 44 Zeichner machten mehr als tausendsiebenhundert Pläne für die Dachkonstruktion.

Sydney Opera House mit Terrasse

Sydney Opera House mit Terrasse

Das gesamte Dach wurde aus vorgefertigten Segmenten gebaut, die mit riesigen Kränen montiert wurden. Auf solche Weise wurde damals zum ersten Mal gebaut. Utzon und Arup brauchten mehr als vier Jahre um alle technischen Probleme der Konstruktion zu lösen. Das brachte Verzögerungen mit sich, die wiederum die Kontroversen über das Projekt anheizten und das Verhältnis zwischen Utzon und der Regierung belasteten. Kosten und Bauzeit stiegen ständig, die Geduld der Politiker und der Öffentlichkeit wurde immer kleiner. Utzon wurden die Gelder gesperrt, er konnte seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. In einem Vabanquespiel verließ Utzon im Februar 1966 seine Baustelle - in der Annahme, er würde zurückgebeten. Eine Fehleinschätzung. Die Regierung betrachtete das als Resignation und übergab die Fertigstellung des Opernhauses an ein Team australischer Architekten. Utzon kehrte niemals nach Australien zurück. In acht Jahren hatte Utzon 23 Millionen Dollar ausgegeben. Er hinterließ das Meisterwerk einer Skulptur. Die Fertigstellung und der Innenausbau dauerten weitere sieben Jahre und verschlangen 79 Millionen Dollar.

Utzon bezeichnete die Dachkonstruktion als die fünfte Fassade. Ohne Zweifel ist es eine der bekanntesten Fassaden der Welt. Der Perfektionist Utzon entwarf die Fliesen mit einer Firma aus Schweden und recherchierte dabei die genaue Zusammensetzung der matten und der glänzenden Glasur, die genaue Färbung des Weiss und die Beschaffenheit des Tons. 1 Million 56 Tausend (1.056.000) Fliesen reflektieren das Licht in sich ständig ändernder Weise.

Der Architekt Louis Kahn beim Anblick des Opernhauses: "Die Sonne wusste nicht wie wunderschön ihr Licht war, bis es von diesem Gebäude gespiegelt wurde."

Das Fundament des Opernhauses ist inspiriert von den Tempeln der Maya. Wer über die 100 Meter weite Treppe emporsteigt, erhebt sich aus dem täglichen Leben und begibt sich in ein anderes Universum. Utzons Vorstellungen der Innenausstattung wurden am meisten kompromittiert durch die Ignoranz konservativer Politiker und ständige Änderungen am Bauauftrag.

Opernhaus in der Sonne

Opernhaus in der Sonne

Die Konzerthalle ist die größte Veranstaltungsstätte mit 2700 Plätzen. Sie ist für symphonische Musik konzipiert. Das Sydney Symphony Orchestra das über 100 Vorstellungen im Jahr gibt, hat hier sein Zuhause. Das Theater für Opern wurde zum Kompromiss, als es vom großen Gebäude in das kleinere verlegt wurde. Wegen der Platzbeschränkung liegen zweidrittel des Orchestergrabens unterhalb der Bühne.

Das Opernhaus von Sydney ist eines der vielseitigsten Zentren der Darstellenden Künste in der Welt. Zu den über 1600 Veranstaltungen auf fünf Bühnen im Jahr kommen 1,2 Millionen Zuschauer. Und vier Millionen Besucher kommen jährlich allein um das Opernhaus zu sehen. 1999 wurde Jörn Utzon, mittlerweile in seinen achtziger Jahren, mit einer späten Geste der Aussöhnung von der Regierung von Neu Süd Wales eingeladen um als Berater bei der Renovierung und Neuausstattung der Innenräume mit zu arbeiten. Utzon stimmte zu. "Das Opernhaus" sagte er, "liegt mir so nahe am Herzen und ist ein so großer Teil meines Lebens." In seinem Haus in Dänemark entwarf er die Innenausstattung dieses Raumes, der 2004 wieder eröffnet wurde. Der Wandteppich ist Utzons Hommage an Carl Phillip Emanuel Bach. Als ein Journalist Utzon fragte, warum er die Probleme der Innenarchitektur, für die er nicht verantwortlich war, lösen wolle, antwortete dieser philosophisch: "Es ist wie ein Garten, jeder Garten hat einige Unkräuter - aber das sollte uns nicht daran hindern den Garten zu genießen." Dieser Garten ist einmalig und wird weiterhin Künstler, Darsteller und Besucher aus aller Welt anziehen und inspirieren.

Opernhaus Sydney

Opernhaus Sydney

Traurig aber wahr, Jörn Utzon hat sein Werk niemals in der Realität gesehen. "Manchmal geschieht es, dass ein waghalsiger Schritt ins Ungewisse uns ein Geschenk für die Zukunft gibt."

Buch und Regie: Werner Meyer

Kamera: Paul Ree

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Sydney Opera:
Matthew Jones#

Mozart Theme:
Originalausschnitt aus The Mikado



Buch und Regie: Werner Meyer
Kamera: Paul Ree