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Afrika: Ägypten Filmtext & Video

Das Katharinenkloster

14:44 min | Mo, 11.11.2019 | 12:45 Uhr | Schätze der Welt | 3sat

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Das Katharinenkloster im Sinai, Ägypten, Folge 307

SWR

Die Begebenheit, die im Alten Testament erzählt wird, gehört zu den Grundlagen des christlichen Glaubens und Welt-Philosophie. Moses erhielt, so die Legende, die zehn Gebote. Seitdem gehört der Berg Sinai, der Berg Moses, Djebel Mosa, zu den heiligsten Stätten der christlichen Glaubenswelt. An seinem Fuß liegt das Kloster St Katherina, ein griechisch-orthodoxes Zentrum, das seit dem 6. Jahrhundert besteht. Mohammed, arabische Kalifen, türkische Sultane und Napoleon, die ägyptischen Könige und die heutigen Staatspräsidenten, alle stellen das Kloster unter ihren Schutz und bewahren es so vor Plünderung und Zerstörung.


Filmtext


Dornenbusch im Kloster

Dornenbusch im Kloster

50 Tage war das Volk Israel von Moses geleitet durch die Wüste des Sinai gewandert auf der Flucht aus Ägypten ins gelobte Land Kanaan. Sie erreichten jene Stelle, den Fuß des Berges Horeb, wo Moses zuvor von Gott in Form eines brennenden Dornbuschs den Auftrag erhielt sein Volk zu befreien, sie lagerten am Berg Sinai.

"Am dritten Tag aber, als es Morgen wurde, entstand ein Donnern und Blitzen; schweres Gewölk lag auf dem Berge, und gewaltiger Posaunenschall ertönte... Der Berg Sinai war ganz in Rauch gehüllt, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgefahren war... und er rief Moses auf den Gipfel. Der stieg hinauf und der Herr redete zu ihm...".

So erzählt das Alte Testament und was folgte lieferte die Grundlagen des christlichen Glaubens und weite Teile der Weltordnung. Moses erhielt, so die Legende, die zehn Gebote.

Sonnenaufgang auf dem Djebel Musa mit Kapelle im Anschnitt

Sonnenaufgang auf dem Djebel Musa mit Kapelle im Anschnitt

Seitdem gehört der Berg Sinai, der Berg Mose, Djebel Musa, zu den heiligsten Stätten der christlichen Glaubenswelt.

An seinem Fuß liegt das Kloster St. Katherina, ein griechisch-orthodoxes, monastisches Zentrum, das seit dem 6. Jahrhundert besteht. Es liegt seit 1400 Jahren im Herzen der Sinai-Wüste und hat seit seiner Erbauung seinen Charakter bewahrt.

Totale des Klosters St. Katherina

Totale des Klosters St. Katherina

Das Kloster St. Katharina ist seit jeher eine unabhängige Mönchsrepublik. Ohne staatliche Anbindung und ohne Pflichten gegenüber kirchlichen Institutionen. Ein freier Ort des Glaubens, der sich selbst verwaltet und nur Gott gegenüber verantwortet. Gebaut aus Quadern des Granit der Umgebung, eng, festungsartig auf einer Höhe von 1400 Metern über dem Meeresspiegel - himmelstrebend. "Ziehe deine Schuhe aus", hatte der Herr zu Moses gesagt, "denn der Ort, den du betreten hast, ist heiliges Land".

Basilika im Inneren des Klosters

Basilika im Inneren des Klosters

Ein Kreuzweg der Kontinente, zwischen Asien und Afrika, zwischen Mittelmeer und Rotem Meer, der Sinai - 60.000 Quadratkilometer Nichts, flirrende Hitze, Eiseskälte. Aber ein erhabener Ort unberührter Schönheit. Nur die Beduinen haben sich hier seit Jahrtausenden durchgeschlagen und leben im engen Kontakt mit dem klösterlichen Alltag von St. Katharina. Mitten im steinernen Meer eine eigenwillige Symbiose, die seit Jahrhunderten Toleranz lehrt. St. Katharina, das Kloster trägt ihren Namen, wie der Berg in der Nähe, auf dem ihre Gebeine gefunden wurden, die heute in der Kloster-Basilika ruhen. Und das Katharinenkloster wurde an jenem Ort errichtet, an dem der brennende Dornbusch stand. Dieser wächst noch heute dort und seine Wurzeln reichen ins Erdreich unter der Basilika. Das Phänomen gehört zu den mystischen Geheimnissen des Sinai. Schon 330 nach Chr. ließ Helena, die Mutter Konstantin des Großen, hier eine Kapelle errichten. Die Kapelle wurde später in den Bau der Basilika eingefügt.

Helena und Katharina, die Frauen, die dem Ort, wie einst Moses, seine heiligen Kräfte abgewinnen konnten und damit den christlichen Glauben verbreiteten. Katharina, wurde im frühen 4. Jahrhundert im Kampf für ihren Gott hingerichtet und später heilig gesprochen.

Es war die Sehnsucht Gott nah zu sein und fern von Verfolgung durch das Römische Reich, das die frühen Christen in die Stille und den Frieden des Sinai trieb. Schon im 3. Jahrhundert siedelten sich Einsiedlermönche in dem kargen Land an. Erst als Konstantin der Große das Christentum zur freien Religion erhob und Rom nach dem Tod Katharinas im Glauben geläutert wurde, blühte das Kloster auf und gewann seinen heutigen Charakter.

Treppenaufgang , Kloster St. Katherina

Treppenaufgang , Kloster St. Katherina

An dem kargen, stillen, rituellen Leben der Mönche von St. Katharina hat sich nur wenig geändert. Sie sind in erster Linie Glaubensdiener geblieben. Die Bruderschaft, wuchs im 4. Jahrhundert ständig an, und zählte bis zu 200 Mönche. Die letzten Jahrzehnte verwaltete nur noch eine kleine Schar von 20 Glaubensbrüdern das bedeutende Gelände. Unter den Mönchen waren immer wieder herausragende Denker, Schreiber, Gelehrte, Religionsphilosophen und Künstler. Das Katharinenkloster besitzt die größte Ikonensammlung der Welt.

"Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie Licht", schrieb Matthäus und lieferte indirekt die Vorlage für "Die Verklärung Jesu", das Mosaik, das die Apsis der Kirche ausfüllt. Von den Mönchen des Klosters geschaffen, zählt es zu den schönsten sakralen Werken der Christenheit. Jesus, begleitet von Moses und Elias im Kreis seiner zwölf Jünger und der zwölf Propheten.

Seitenansicht Kloster St. Katherina

Seitenansicht Kloster St. Katherina

St. Katharina war von Anbeginn ein Zufluchts- und ein Wallfahrtsort. Bereits im 4. Jahrhundert kamen Reisende aus fernen Ländern, um sich hier im Glauben zu sichern. Und die Mönche verteidigten ihre orthodoxe Haltung, auch gegenüber Kirchen, bis heute. So entspricht hier der Glaube auch dem Bauwerk - eine Festung - , die sich den Urgedanken des Christentums verschrieben hat und das Leben und Sterben von Jesus Christus ehrt. Das Kloster - ein Bollwerk. Gerüstet gegen die Angriffe kriegerischer Stämme und Eindringlinge und gegen Glaubenszweifel.

Als sich im 7. Jahrhundert der Islam auf dem fast ausschließlich christlichen Sinai dramatisch ausbreitete, baten die Mönche Mohammed um Hilfe. Dieser versicherte ihnen in einem verwahrten Schreiben, dass sie unangetastet blieben.

Arabische Kalifen, türkische Sultane und selbst die Armee von Napoleon gingen mit dem Kloster versöhnlich um. Es wurde nie zerstört, nie überfallen und behielt so, seine Autonomie. Im Gegenteil alle stellten St. Katharina unter ihren ausdrücklichen Schutz, bis hin zu den ägyptischen Königen und den Staatspräsidenten. Die Glocken im Turm der Basilika sind eine Stiftung des russischen Zaren. Sie läuten auch im Widerhall des Turmes der Moschee, die nach Mohammed auf dem Gelände errichtet wurde, als Zeichen der Versöhnung. Die Toleranz der Glaubensrichtungen existiert hier seit der Gründung und macht St. Katharina auch zu einem Mahnmal der Freiheit im Glauben.

Bibliothek des Klosters

Bibliothek des Klosters

Ein Ort der Weisheit. Davon zeugt auch die Bibliothek. Rund 5000 Handschriften und frühe Werke es Buchdruckes in einer der aufschlussreichsten Schriftensammlungen der Welt und neben dem Vatikan die bedeutendste Quelle christlicher Geistesgeschichte. Früher besaß die Bibliothek die älteste Bibel, den Codex Sinaiticus. Sie wurde im 19. Jahrhundert zu Forschungszwecken an den russischen Zaren entliehen und niemals zurückgegeben. Stalin verkaufte das wertvolle Dokument 1933 für damals ungeheuerliche 100.000 Pfund Sterling an das Britische Museum. Er brauchte Geld für Waffen. Das wertvollste Buch der Bibliothek heute, der Codex Syriacus, eine Bibelhandschrift aus dem 5. Jahrhundert. Und so ist die Schriftensammlung, gleich alt wie das Kloster selbst, ein Ort der geistigen Anregung und Auseinandersetzung geblieben. In der ständigen Befragung und Rückbesinnung auf die Wurzeln des Glaubens und seiner Gültigkeit und eine Quelle des Zuspruchs in Zeiten des Zweifels.

In St. Katharina wird seit 1400 Jahren Glauben gelebt. Täglich versammeln sich die Mönche zum gemeinsamen Gottesdienst und geben ihren Glaubenswillen und ihre Glaubenskraft an jene weiter, die sie hier suchen.

Wenn sich jede Nacht Karawanen von Pilgern aus Europa, Asien, Afrika und Amerika zu Fuß, mit dem Esel oder auf dem Kamel auf den Weg machen, den heiligen Berg Moses zu besteigen und die Beduinen, die seit jeher hier leben, zur Hilfe kommen, rücken die Völker und die Kulturen, die verschiedenen Glaubensrichtungen und die Hoffnung auf ein göttliches Zeichen ganz nah zusammen.

Das Kloster St. Katherina am Berg Moses, wo sich Himmel und Erde berühren.

Buch und Regie: Horst Brandenburg

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Katharinenkloster:
Doublehead



Buch und Regie: Horst Brandenburg
Kamera: Thomas Ch. Weber