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Jeder fünfte Neurentner schied 2016 aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig aus dem Arbeitsleben aus.

Das "betrifft"-Team stellt Menschen vor, die unter starker Arbeitsbelastung leiden und Gefahr laufen, krank davon zu werden. Oder bereits erkrankt sind. Der Film zeigt auch, was man dagegen tun und wie man das Rentenalter doch noch gesund erreichen kann.

Fit bis zur Rente - wenn Arbeit krank macht Wie man das Rentenalter gesund erreichen kann

Krankenschwester in Arbeitskleidung (Foto: SWR, SWR - Hermann Abmayr)
"Wir schaffen eigentlich jede Schicht unterbesetzt. Wir sind am Limit." Krankenschwester Dunja W. SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
Nach fünf Jahren Einsatz in der Intensivstation ist der Rücken kaputt. Dunja W. bei der Physiotherapie. SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
Besuch in einem Schweizer Krankenhaus: Dunja W. ist begeistert von den Arbeitsbedingungen. SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
Beide arbeiten in Früh-, Spät- und Nachtschicht: Dunja W. in der Klinik, ihr Partner in der Industrie. SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
ver.di-Kundgebung für „mehr Hände in der Pflege“. Dunja W. (links) mit einer Kollegin SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
Matthias M., Bandarbeiter. Ihn bringen kurze Taktzeiten und schwere körperliche Arbeit an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Nach der Schicht fühlt er sich ausgebrannt. Er fordert Erleichterungen, denn bis zur Rente könne er so nicht arbeiten. SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
Zwei Bandscheibenvorfälle und ein Herzinfarkt: Jetzt ist die Krankenschwester Waltraud C. erwerbsunfähig. SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen
Die betrifft-Doku zeigt auch Beispiele für die Erleichterung von Arbeit und ein Drei-Schicht-Modell, bei dem die Nachtarbeit weniger belastend ist als üblich. Remzi B., langjähriger Fließbandarbeiter SWR - Hermann Abmayr Bild in Detailansicht öffnen

Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Psychische Erkrankungen sind immer häufiger Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Die Zahl der Krankheitstage wegen Burn-outs hat sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Auch Küchenchef Christof S. leidet darunter. Wochenlang musste er bis zu zwölf Stunden täglich arbeiten. Obwohl das nicht zulässig ist. Dann brach er erschöpft am Küchentisch zusammen. Mit der Diagnose Burn-out wurde er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Eine Rehabilitationsmaßnahme konnte ihn wieder stabilisieren. Doch er wird seinen Beruf als Küchenchef nie mehr ausüben können. Welche Perspektive hat er jetzt?

Versagt der staatliche Arbeitsschutz?

Filmemacher Hermann Abmayr fragt auch, warum es so weit kommen konnte. Schließlich gibt es in den Gewerbeaufsichtsämtern Arbeitsschützer, die Verstöße gegen die geltenden Bestimmungen verhindern sollen. Sie sind für den Gesundheitsschutz bei der Arbeit zuständig und damit auch für die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes. Und das in allen Branchen. Von der Gastronomie über die Krankenhäuser bis zur Industrie.

Doch Michael von Koch, der Chef der Stuttgarter Gewerbeaufsicht, klagt, dass die Behörde diese Aufgaben nicht erfüllen könne. Es sei „reiner Zufall, wenn einmal eine Kontrolle einen Arbeitgeber trifft“. So wenig Personal stehe den staatlichen Arbeitskontrolleuren zur Verfügung. In bestimmt Branchen wie der Bauindustrie könne dies zu schlimmen, ja sogar zu tödlichen Unfällen führen.

Schon junge Menschen fühlen sich ausgebrannt

Dabei klagen bereits junge Menschen über stressige Arbeitsbedingungen. Das Fernseh-Team begleitet Matthias M., einen Bandarbeiter, den kurze Taktzeiten und schwere körperliche Arbeit an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit bringen. Nach der Schicht fühlt er sich ausgebrannt. Er fordert Erleichterungen, denn bis zur Rente könne er so nicht arbeiten.

Ältere Beschäftigte sind am Band von Matthias M. nicht mehr zu finden. Sein Betriebsrat ist deshalb der Meinung, „dass es inzwischen noch wichtigeres gibt als Lohnforderungen“. Er sagt: „Die Frage der Arbeitsbedingungen und die des Gesundheitsschutzes ist für mich persönlich als Betriebsrat eine zentrale Frage.“ Die betrifft-Dokumentation zeigt auch Beispiele für die Erleichterung von Arbeit und ein Drei-Schicht-Modell, bei dem die Nachtarbeit weniger belastend ist als üblich.

Die Schweiz als Vorbild in der Pflege

Auch von Pflegekräften wird in Deutschland ein extrem harter Einsatz verlangt. Obwohl Dunja W. erst 35 Jahre alt ist, klagt die Krankenschwester schon über starke Rückenschmerzen. Schichtdienst und personelle Unterbesetzung machen ihr zu schaffen. „Wir sind am Limit“, sagt sie. Die Arbeitszeit hat sie aus gesundheitlichen Gründen reduziert. Waltraud C., ihre Kollegin, ist nach mehreren Erkrankungen erwerbsunfähig und musste vorzeitig in die Rente gehen. Ein Fall von vielen.

Das „betrifft“-Team hat Dunja W. beim Besuch einer Klinik in der Schweiz begleitet. Die Krankenschwester wäre am liebsten dortgeblieben. So gut haben ihr die Arbeitsbedingungen gefallen. Um dies zu erreichen, kämpft sie zusammen mit der Gewerkschaft für einen Tarifvertrag, der "mehr Hände in der Pflege" bringt. Im Sinne der Patientinnen und Patienten und der eigenen Gesundheit. Denn Arbeit darf nicht krank machen.

Über den Autor Hermann Abmayr

Der Filmemacher und Fernseh-Journalist Hermann Abmayr arbeitet seit gut 30 Jahren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er hat sich immer wieder mit der Arbeitswelt beschäftigt, auch mit dem Gesundheits- und Umweltschutz im Betrieb. In seiner ersten Fernsehdokumentation für den Süddeutschen Rundfunk (SDR) hat er damals aufgedeckt, dass ein großer Automobilzulieferer seine Beschäftigten mit gefährlichen Lösemitteln hatte arbeiten lassen.  

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