Die "Landshut" auf Fortaleza (Foto: SWR, SWR -)

Das Leben nach der "Landshut"-Entführung

Die Geiseln von Mogadischu

STAND



Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Jahr 1977 rückten erstmals deutsche "Normalbürger" ins Visier von Terroristen. Auch vierzig Jahre danach für die Opfer von damals ein tiefer Einschnitt in ihrer Biographie.

Fünf Tage als Geisel

40 Jahre nach der Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" im Oktober 1977 lebt das Drama bei den Insassen von damals fort. Als Geisel palästinensischer Terroristen fünf Tage lang eingepfercht in einer Flugzeugkabine, in der es mit jedem Tag mehr nach Angst, Schweiß und Tod roch - für die meisten der Insassen blieb dies ein Trauma für den Rest ihres Lebens. Viele fanden kaum - manche gar nicht - in ein "normales" Leben zurück. Ihre Bemühungen um therapeutische Hilfe und materielle Entschädigung gerieten zum Spießrutenlauf. Und auch die Familien und Freunde der Geiseln waren nicht selten überfordert vom Trauma, das die Geiseln mit nach Hause brachten.

Der Lufthansa-Krisenstab zur Entführung der LH-Boeing 737 "Landshut" tagt am 14.10.1977 auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - UPI)
Der Lufthansa-Krisenstab zur Entführung der LH-Boeing 737 "Landshut" tagt unter der Leitung von Vorstandsmitglied Flugkapitän Werner Utter (2.v.r.) am 14.10.1977 auf dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt. picture-alliance / dpa - UPI

Wie wäre das Leben der früheren "Landshut"-Passagiere wohl sonst verlaufen, wenn sie sich nicht zufällig an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Zeit in diesem Flugzeug befunden hätten? Und warum kann das Erlebte eine solche Macht über Menschen haben - selbst mit weitem Abstand von vier Jahrzehnten?

Co-Pilot Jürgen Vietor auf dem Weg zur "Landshut" nach Brasilien. In der Reihe hinter ihm sitzend: Gabriele von Lutzau (ehemals Dillmann). (Foto: SWR, SWR -)
Co-Pilot Jürgen Vietor auf dem Weg zur "Landshut" nach Brasilien. In der Reihe hinter ihm sitzend: Gabriele von Lutzau (ehemals Dillmann). SWR -

Staat und Terror

Über das Wohl und Wehe der "Landshut"-Geiseln wurde im fernen Bonn entschieden, im kleinen und großen Krisenstab der Bundesregierung unter Leitung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Der damalige Justizminister Hans-Jochen Vogel, ein enger Vertrauter Helmut Schmidts, erinnert noch einmal an die schwierige Entscheidungssituation während der dramatischen Entführungstage: Sollen sie - um Menschenleben zu retten - Terroristen freilassen? Darf der Staat sich durch Terror erpressen lassen?

Co-Pilot Jürgen Vietor und die am Bein verletzte Stewardess Gabi Dillmann von der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" verlassen Lufthansa-Maschine "Köln" (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Heinz Wieseler)
Endlich daheim: Co-Pilot Jürgen Vietor und die am Bein verletzte Stewardess Gabi Dillmann von der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" betreten auf Frankfurter Rhein-Main Flughafen wieder deutschen Boden (Archivfoto). picture-alliance / dpa - Heinz Wieseler

Aus den Augen der Opfer

Der Film erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte der "Landshut"-Insassen 40 Jahre nach ihrer Entführung und Befreiung. Er zeigt, wie Passagiere und Besatzung durch dieses Ereignis für immer Geisel blieben.

Drei Frauen im Mittelgang des Flugzeugs "Landshut" vor der Entführung 1977 (Foto: SWR, SWR -)
Im Sommer 1977 haben Beate Keller, Jutta Knauf und Diana Müll einen Schönheitswettbewerb gewonnen. Der Preis - eine Woche Urlaub auf Mallorca inklusive Flug. Eine Reise, die sie nie vergessen werden. SWR -

Jutta Knauf, Beate Keller und Diana Müll und Gabriele von Lutzau, die als Stewardess auf der "Landshut" war und wegen ihres couragierten Verhaltens als "Engel von Mogadischu" bekannt wurde, sowie der Co-Pilot Jürgen Vietor erzählen von ihren Erlebnissen.

Die ehemaligen Geiseln Beate Keller, Jutta Knauf und Diana Müll (v.l.n.r.) am Strand auf Mallorca. (Foto: SWR, SWR -)
Die ehemaligen Geiseln Beate Keller, Jutta Knauf und Diana Müll (v.l.n.r.) treffen sich jedes Jahr auf Mallorca - dort, wo das Entführungsdrama begann. SWR -

Der Film wirft zudem ein Licht auf die politische und gesellschaftliche Verfasstheit der alten Bundesrepublik. Er beschäftigt sich mit Traumatisierungen, die Menschen in der Folge politischer Ereignisse erleiden. Heute, da der Terrorismus immer öfter in den Alltag jedes einzelnen eingreift, ist das Thema nicht weniger aktuell als vor 40 Jahren.

Film von Martina Treuter und Martin Rupps

STAND
AUTOR/IN