Schadstoffe in Lebensmitteln

Gift im Essen vermeiden

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Schadstoffe möchte niemand zu sich nehmen. Leicht zu vermeiden sind sie allerdings nicht. Denn Verunreinigungen von Luft, Wasser und Böden können unsere Lebensmittel belasten. So erkennen und meiden Sie Schadstoffe.

Antibiotika im Fleisch

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung hat sich in den vergangenen 10 Jahren mehr als halbiert. Es werden aber trotzdem noch etwa 650 Tonnen im Jahr eingesetzt, weil Massentierhaltung und Hochleistungsrassen die Tiere anfällig für Krankheiten machen. Milchkühe und vor allem Geflügel bekommen besonders häufig Antibiotika, auch Reserveantibiotika.

Hauptproblem des Antibiotika-Einsatzes sind die Resistenzbildungen. Rund ein Drittel des Hähnchenfleisches in Discountern ist mit resistenten Bakterien kontaminiert, also Keimen, gegen die kein Medikament mehr wirkt. Und die können auch uns Menschen gefährlich werden. Wer regelmäßig Fleisch isst, das Antibiotikarückstände enthält, „hilft“ den Bakterien dabei, Resistenzen zu entwickeln. Das ist hauptsächlich für chronisch kranke und immungeschwächte Menschen problematisch, weil sie darauf angewiesen sind, dass Antibiotika bei ihnen wirken.

Tierschutzlabel Deutscher Tierschutzbund (Foto: (Pressestelle) -)
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TIPP: Am besten auf Biofleisch zurückgreifen oder auf das Tierschutzlabel mit der Premiumstufe (zwei Sterne) achten. Geflügel sollte gut durchgegart werden, damit alle Keime sicher abgetötet werden.

Pflanzenschutzmittel in Obst und Gemüse

Weltweit sind rund 800 verschiedene Pflanzenschutzmittel auf dem Markt (Insektizide, Unkrautvernichtungsmittel und Fungizide gegen Pilzbefall). Am größten ist die Belastung bei importiertem Obst und Gemüse.

EU-Bio-Siegel (Foto: (Pressestelle) -)
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TIPP: Bio-Lebensmittel sind zu ca. 80% rückstandsfrei. Grenzüberschreitungen kommen nur selten vor und die nachgewiesenen Rückstände und Verunreinigungen sind meist extrem gering. Einheimisches Obst und Gemüse der Saison ist ebenfalls kaum belastet. Grundsätzlich gilt: Vorteile der sonst sehr gesunden Nahrungsmittel überwiegen den Nachteil der möglichen Belastung.

Aktuelle Lebensmittelwarnungen

Bekannte Schadstoffe in Lebensmitteln werden von den Behörden regelmäßig kontrolliert. So wie aktuell u.a. Ethylenoxid. Das Spritzmittel gegen Pilze und Bakterien ist in der EU zwar schon seit 1991 verboten, wird aber in tropischen Ländern weiterhin eingesetzt. Ethylenoxid kann das Erbgut verändern und Krebs erzeugen. Anfang 2020 beanstandeten die Kontrollbehörden vor allem Sesam und Sesamprodukte aus Indien, die mit Ethylenoxid belastet waren. Inzwischen wird die Hälfte aller Importe aus Indien bei ihrer Einfuhr kontrolliert und es muss ein negativer Ethylenoxid-Nachweis vorgelegt werden.

TIPP: Vermeiden ist hier schwierig, weil auch Bio-Produkte betroffen sind. Daher sollte man genau auf die Inhaltsstoffe auf der Packung achten! Aktuell werden vor allem Lebensmittel zurückgerufen, die mit Ethylenoxid belastetes Johannisbrotkernmehl (E 410) und Guarkernmehl (E 412) enthalten. Das sind Stabilisatoren, die vor allem in Fertigprodukten vorkommen wie Back- und Fleischwaren, Konfitüren, Brotaufstrichen oder Eis. Auch in Kaffee, Gewürzen und Nahrungsergänzungsmitteln wurde der Schadstoff schon nachgewiesen.

Die aktuellen Rückrufaktionen können über die Seite lebensmittelwarnung.de (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) abgerufen werden.

Mineralöl in Trockenprodukten

Rückstände von Mineralöl gelangen durch Maschinen bei der Ernte und Verarbeitung in unsere Lebensmittel. Auch Verpackungen aus Altpapier enthalten oft Mineralöle aus Druckfarben, die auf die Lebensmittel übergehen. Mineralöle sind die größten Verunreinigungen für unseren Körper. Sie sind potenziell krebserregend und erbgutschädigend, weshalb solche Rückstände selbst in kleinsten Mengen nicht in Lebensmitteln enthalten sein sollten. Bisher gibt es aber keinen EU-weiten Grenzwert, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist.

Laut einer europaweiten Studie von foodwatch (Dezember 2021) ist jedes 8. Produkt mit gefährlichen Mineralölrückständen belastet. Ökotest prangert solche Rückstände u.a. in Babymilchpulvern, Ölen, Schokolade, Pesto und Toastbroten ebenfalls schon lange an.

TIPP: Besonders betroffen sind trockene Lebensmittel mit großer Oberfläche (Reis, Nudeln Gries, Müslis, Semmelbrösel). Es gibt Barriereschichten für Kartonagen, die den Übergang in Lebensmittel verhindern sollen – diese sind für uns Verbraucher allerdings kaum erkennbar. Deshalb trockene Lebensmittel, die noch lange aufbewahrt werden, idealerweise umfüllen. Am besten in luftdicht verschlossene Einmachgläser, denn so sind die Produkte auch vor Feuchtigkeit und Motten geschützt. Tiefkühlware ist in Kartons sicher, solange sie gefroren sind. Tiefgefrorenes (wie Kuchen) deshalb zum Auftauen aus der Verpackung nehmen.

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SWR Fernsehen