Besser hören

Keine Angst vor Hörgeräten!

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Vogelgezwitscher am Morgen ist etwas Schönes – doch das hören leider nicht alle. In den meisten Fällen lässt sich das sehr leicht ändern: Mit dem passenden Hörgerät.

Besser hören, klarer denken: Mit einem Hörgerät

Schon jede*r achte Deutsche soll schlecht hören, jedoch nur etwa ein Drittel davon eine Hörhilfe tragen. Sprich 6,4 Millionen Menschen haben zwar ein Problem mit dem Gehör, tun aber nichts dagegen.

Typische Anzeichen für schlechtes Hören sind z.B. ein zu lauter Fernseher, weniger Gesprächsbeteiligung, zunehmende Missverständnisse mit dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin, häufigeres Nachfragen. Sogar das Demenzrisiko soll bei schlecht Hörenden steigen, denn wer weniger hört, denkt auch weniger mit.

Doch was tun, wenn beispielsweise der Partner immer schlechte hört? Nicht schimpfen oder genervt reagieren, sondern ruhig das Problem ansprechen und den Betroffenen behutsam auf dem Weg zum Hörgerät begleiten – umso besser wird er dann das Gerät auch annehmen.

Was die Krankenkasse zahlt

Eine Frau hält Euro Scheine in der Hand (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Wer ein Hörgerät ohne Zuzahlung will, braucht eine Verordnung für ein Hörgerät von der HNO-Ärztin oder dem HNO-Arzt. Sie stellen den Grad der Schwerhörigkeit fest. Die meisten Krankenkassen übernehmen einen Festbetrag von 784,94 Euro für das erste Hörgerät und knapp 924,90 Euro für zwei Hörhilfen. Je nach Hörschwäche und individuellem Bedarf sind viele Hörgeräte jedoch wesentlich teurer. Wird Ihnen ein höherwertigeres Gerät angeboten, dass drei- oder viermal so teuer ist als der Krankenkassenzuschuss, müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen - es sei denn, das teurere Hörgerät ist medizinisch erforderlich.

Gehen Sie mit dem „Rezept“ zu Hörgeräteakustiker*innen, müssen sie Ihnen ein dem „Stand der Medizintechnik“ entsprechendes Hörgerät zum Nulltarif anbieten. Wer gesetzlich versichert ist und ein Rezept hat, braucht dann lediglich noch die Rezeptgebühr von 10 Euro pro Hörgerät zuzahlen.

Wenn's teurer wird

Sollte ein teureres Gerät medizinisch notwendig sein, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten, müssen die gesetzlichen Krankenkassen auch die Kosten dafür übernehmen. Dafür müssen Sie bei der Krankenkasse einen Antrag auf zusätzliche Kostenübernahme stellen. Außerdem sollten Sie noch ein Attest mit einer schriftlichen Begründung für die medizinische Notwendigkeit beifügen.

Welche Geräte es gibt

Die Entwicklung von Hörhilfen hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Nicht nur was Technik, sondern auch was die Optik betrifft. Teilweise sind die Geräte kaum noch sichtbar.

Es gibt Geräte, die hinter dem Ohr (HdO-Geräte) getragen werden und solche, die vollständig im Gehörgang platziert werden.

  • Die HdO-Modelle können bei jedem Grad der Hörminderung verwendet werden. Sie verstärken einen eingehenden Schall und leiten ihn durch einen kleinen Schlauch ins Ohr.
  • RIC-Geräte (Receiver-In-Canal), auch Mikro-HdO-Geräte genannt, sind nochmals kleiner als die klassischen HdO-Modelle. Der Lautsprecher befindet sich bei solchen Geräten außerhalb des Gehäuses. Sie lassen sich bequemer tragen und es gibt weniger Rückkopplungen. Solche kleinen „Technik-Wunder“ sind allerdings nur für Menschen mit einem leichten bis mittleren Hörverlust empfehlenswert.
  • Eine weitere Variante sind die „Im-Ohr-Geräte“ (IdO-Modelle). IdO-Modelle sind Unikate, weil sie individuell an die Form des Gehörgangs des Trägers angepasst werden. Deswegen sind sie meist auch bequemer tragbar. Die kleinsten unter ihnen verschwinden sogar nahezu unsichtbar im Gehörkanal. IdO-Geräte können von Menschen mit leichtem bis starkem Hörverlust getragen werden.

So hören Sie besser als jede*r Hörende

Die Technik ist mittlerweile so weit, dass man mit manchen Hörgeräten sogar besser hören kann, als normal Hörende. Manche Hörhilfen lassen sich mittlerweile schon per Bluetooth mit dem Handy verbinden. Sie können dann an geräuschreichen Orten wie z.B. Flughäfen oder Bahnhöfen Anrufe besser verstehen.

Die Technik für Hörhilfen entwickelt sich immer schneller weiter. Es gibt also keinen Grund mehr, sich vor einem Hörgerät „zu drücken“, weil es z.B. „alt macht“ oder man Angst hat, nicht mit der Technik klarzukommen. Selbst die Kosten sind kein Argument mehr, denn die gesetzlichen Krankenkassen zahlen etwas dazu, so dass eine gute Grundversorgung gewährleistet ist, ohne dass nochmals etwas obendrauf gelegt werden muss.

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AUTOR/IN
SWR Fernsehen