Das sollten Sie beachten

Duzen oder Siezen?

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Wer darf im beruflichen Umfeld wem das "Du" anbieten? Und wie sieht das im privaten Bereich aus? Benimm-Expertin Carolin Lüdemann hat die wichtigsten Regeln zusammengefasst.

Wer bietet im privaten Bereich das "Du" an?
Privat gilt, dass der Ältere dem Jüngeren das „Du“ anbietet; das Geschlecht ist dabei unwichtig. Ob eine Frau dem Mann oder ob ein Mann der Frau das „Du“ anbietet, spielt heute zwar keine Rolle mehr, früher dagegen schon: damals oblag es dem Herrn, der Dame das „Du“ anzubieten. Der Sinn und Zweck dahinter lautete: Der Herr musste eine Abfuhr riskieren – und nicht umgekehrt.

Wer sollte im Beruf das "Du" anbieten?

Im geschäftlichen Umfeld entscheidet der Rang darüber, wer wem das „Du“ anbieten darf. Somit unterbreitet der Geschäftsführer seinem Mitarbeiter bzw. der Kunde dem Lieferanten das Duz-Angebot. Die privaten Regeln werden nur hilfsweise hinzugezogen: so zum Beispiel, wenn zwei Kollegen auf der gleichen Hierarchiestufe stehen und man ausschließlich über den „Rang“ zu keinem Ergebnis kommen könnte. Dann bietet entsprechend den privaten Regeln der Ältere dem Jüngeren bzw. die alteingesessenen Mitarbeiter dem neu hinzukommenden Kollegen das Du an.

Wenn man nach der Firmenfeier plötzlich mit dem Chef auf Du und Du ist. Gilt das auch am nächsten Tag noch?
Als Sonderfall gelten Betriebsfeiern: Dann darf man als Mitarbeiter zwar die Duz-Offerte des Vorgesetzten annehmen, muss jedoch den nächsten Arbeitstag abwarten, um zu erkennen, ob diese noch Bestand hat. Das bedeutet, dass der Mitarbeiter die direkte Anrede so lange umschifft, bis sich sein Vorgesetzter eindeutig dazu geäußert hat. Gegebenenfalls kann das auch bedeuten, dass man mit dem „Duzen“ noch einmal bis zur nächsten Weihnachtsfeier warten muss.

Kann ich ein "Du" wieder zurücknehmen?
Wer einmal ein „Du“ angeboten oder angenommen hat, kann dieses nicht wieder zurückziehen oder zurückweisen. Es gilt die Devise: einmal per „Du“, immer per „Du“.

Ich möchte ein "Du" nicht annehmen. Wie mache ich das am geschicktesten?

Zwei Schilder (Foto: Colourbox.de -)
Colourbox.de -

Laut Knigge darf man ein Duz-Angebot auch ablehnen. Das ist jedoch mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Wird einem das „Du“ angeboten, so geht damit zumeist ein Kompliment einher – der Anbietende möchte einem signalisieren, dass er einen besonders schätzt bzw. dass aus seiner Sicht ein besonderes Vertrauensverhältnis existiert. Weist man nun ein solches Angebot zurück, besteht zum ersten die Möglichkeit, dass sich das Verhältnis dadurch verbessert, dass das Verhältnis gleich bleibt oder dass es sich - und das ist am wahrscheinlichsten - verschlechtert.

Zumindest ist also besonders Fingerspitzengefühl gefragt, wenn man den Wunsch hat, beim „Sie“ zu bleiben. Begründungen sollten sich daher stets damit einleiten, dass man das Angebot zu schätzen weiß, aber dass es einem die Umstände leider nicht ermöglichen, das „Du“ anzunehmen. Zum Beispiel: „Ich fühle mich geehrt. Vielen Dank. Ich freue mich wirklich sehr über Ihr Angebot und weiß es zu schätzen. Leider haben wir intern einige Verhaltensrichtlinien im Umgang mit Kunden, die es mir unmöglich machen, Ihr Angebot anzunehmen. Das ist sehr schade. Vielen Dank für Ihr Verständnis!“

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SWR Fernsehen