Meniskusriss

6 Fragen an Knie-Spezialist Prof. Rainer Siebold

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Quelle: Prof. Dr. med. Rainer Siebold

Knacken im Knie, Schmerzen bei Belastungen oder in bestimmten Positionen wie Treppen laufen? Fast jeder kennt das. Ist das vielleicht der Meniskus? Und muss der dann gleich operiert werden? Das klären wir mit Prof. Rainer Siebold, Knie-Spezialist aus Heidelberg.

1. Was ist der Meniskus?
Das elastische Meniskusgewebe liegt wie eine Unterlegscheibe zwischen der Oberschenkelrolle und dem Schienbeinkopf. Wir unterscheiden beim Menschen einen Innen- und Außenmeniskus. Das knorpelartige Meniskusgewebe dient als wichtigster Puffer bei Stoßbelastungen.

Er führt durch eine deutliche Vergrößerung der Auflagefläche zu einer Stressverteilung von 30-70% der Gesamtlast im Kniegelenk, dient damit der Schockabsorption, der Gelenkschmierung und trägt auch zur Stabilität des Kniegelenkes bei. Die Menisci sind damit der wichtigste Schutz für den Gelenkknorpels.

Der Meniskus besteht aus dichtem Fasergewebe, welches nur im Randbereich zur Gelenkkapsel mit Blutgefäßen versorgt ist. Nervenfasern enthält der Meniskus nicht, dadurch führt eine Meniskusdegeneration oder ein Meniskusriss zunächst nicht zu Schmerzen.

2. Wieso reißt der Meniskus?

Bei Sportlern kommt es häufig durch eine übermäßige Belastung des Meniskus zu einem akuten Meniskusriss. Der Patient beschreibt in der Regel einen einschießenden stechenden Meniskusschmerz. Frische Verletzungen führen häufig zu einer akuten Funktionseinschränkung im Sport bzw. zu bleibender Belastungsunfähigkeit.

Bei degenerativen (= durch Abnutzung entstandenen) Rissen des Meniskus entwickelt sich der Prozess schleichend, sodass nach und nach ein zunehmend störendes Gefühl im Bereich des Kniegelenkes innen- bzw. außenseitig auftritt. Oftmals ist kein Unfall erinnerlich oder es reicht eine Alltagsbelastung, z.B. das Aussteigen aus dem Auto oder eine tiefe Hocke aus, um ein schmerzhaftes Zerplatzen des degenerativ veränderten Meniskus auszulösen.

3. Kann ich einen Meniskusriss spüren?
Bildet sich ein Lappenriss oder ein sogenannter Korbhenkelriss kann es zu akuten schmerzhaften Blockaden des Kniegelenkes mit Einschränkung des Bewegungsumfangs kommen. In den meisten Fällen tritt hierbei eine schmerzhafte Streckhemmung auf. Auch wird vom Patienten oftmals ein Schnappen des Meniskuslappens beschrieben.

Alltagsbelastungen sind bei Meniskusrissen häufig durchführbar, jedoch klagen insbesondere Patienten in stehenden Berufen über zunehmende Schmerzen im Bereich des inneren oder äußeren Gelenkspalts im Tagesverlauf. Stärkere Belastungen müssen häufig abgebrochen werden, bzw. führen zu einer starken Schmerzzunahme mit Reizung und Erguss im Kniegelenk. Auch eine lokale Überwärmung des Kniegelenks ist nicht selten.

4. Wie wird eine Meniskusverletzung diagnostiziert?
Die Diagnose kann durch eine gezielte klinische Untersuchung im Bereich des gestellt werden. Röntgenaufnahmen im Stehen ergänzen die Diagnostik um knöcherne Ursachen der Beschwerden auszuschließen und um den Grad der Arthrose zu ermitteln. Die Kernspintomographie ist sicherlich das zuverlässigste Mittel, um einen Meniskusriss darzustellen.

5. Muss ein Meniskusriss gleich operiert werden?

Eine Frau macht Übungen auf einer Matte. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Foto: Colourbox.de -

Bei Beschwerdefreiheit kann durchaus ein konservativer (nicht operativer) Therapieversuch mit Physiotherapie und entsprechenden Medikamenten unternommen werden. Besondere bei älteren oder nur wenig aktiven Patienten kann dadurch oftmals eine Operation vermieden werden.

In den meisten Fällen jedoch bestehen anhaltende Beschwerden im Alltag und bei Belastung, die die Lebensqualität deutlich einschränken. Dann empfiehlt sich die Durchführung einer Kniegelenksspiegelung. Dadurch ist eine exzellente Darstellung und Untersuchung des Gelenkknorpels und der Menisci möglich und es wird gleichzeitig der Schaden behandelt.

6. Ist der Meniskus noch zu retten?
Es gilt grundsätzlich, so viel funktionstüchtiges Meniskusgewebe wie möglich zu erhalten, um die langfristigen Folgen der Meniskusoperation zu verringern. Deshalb ist es absolut sinnvoll, das Meniskusgewebe soweit möglich durch eine Naht zu erhalten. Wenn dies nicht möglich ist, muss ein Teil des Meniskus entfernt werden.
In sehr seltenen Fällen kann auch eine Meniskustransplantation durchgeführt werden.

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Quelle: Prof. Dr. med. Rainer Siebold