Repair-Café

Kaputte Plastikregentonnen schweißen

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Jeder hat sie im Garten, die Regentonnen. Manchmal können die Tonnen reißen und sind dann nicht mehr dicht. Andreas Frisch zeigt, wie einfach Sie eine Regentonne reparieren können.

Die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll ist momentan ein großes Thema. Jeder von uns ist aber im täglichen Leben auf Gebrauchsgegenstände aus Kunststoffen angewiesen. Gerade bei diesen können wir Abfall vermeiden und Geld sparen, indem wir Defekte reparieren anstatt Produkte vorschnell weg zu werfen und neu zu kaufen.

Allerdings ist der Einsatz von Klebstoffen bei Plastik nur sehr eingeschränkt möglich, da chemisch keine Haftung zustande kommt. Handelsübliche Regenfässer bestehen praktischerweise aus dem thermoplastischen Kunststoff Polyethylen (PE). Bei diesem Material können wir Brüche mit einem Heißluftgebläse und etwas Übung verschweißen und somit selbst reparieren!

Dieses 200-Liter-Regenfass hat oberhalb des Auslasshahns einen klaffenden Riss und tropft deswegen stark. (Foto: Privat - Andreas Frisch)
Dieses 200-Liter-Regenfass hat oberhalb des Auslasshahns einen klaffenden Riss und tropft deswegen stark. Für die Reparatur muss die Regentonne komplett leer sein und zunächst das Ventil abgeschraubt werden. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Das Fass hat einen missglückten Reparaturversuch mit Silikon hinter sich. Leider lässt sich jedoch der Kunststoff Polyethylen (PE), aus dem solche Regenfässer üblicherweise hergestellt werden, praktisch überhaupt nicht kleben. Sehr wohl lassen sich solche Thermoplaste jedoch mit Hitze verschweißen. Dafür müssen wir zunächst die eventuellen Kleberreste entfernen und dann alles von außen und innen sorgfältig mit einem Schwamm putzen. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Wenn die Tonne eine ausreichende Wandstärke von mehreren Millimetern aufweist, bietet es sich an, mit einer scharfen Klinge eine V-förmige Kerbe an den Flanken des Risses zu schneiden, damit die Schweißnaht eine größere Kontaktfläche hat. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Nun erhitzt man mit dem Heißluftgebläse (bei ca. 300°C Lufttemperatur) den zu reparierenden Bereich behutsam, bis der Kunststoff zu glänzen beginnt. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Jetzt kann man einen PE-Schweißdraht durch die Schweißdüse zuführen und ebenfalls auf Schmelztemperatur bringen. Sobald er weich ist, kann er in die vorgewärmte Naht aufgedrückt und gleichmäßig an dieser entlang geführt werden. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Noch im heißen Zustand drückt man den Schweißdraht fest in die Nahtstelle. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Der restliche Schweißdraht wird mit einem Seitenschneider abgeschnitten. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Mit einer scharfen Klinge kann man nun das hervorstehende Material des Schweißdrahts bündig abschneiden, um wieder eine glatte Oberfläche zu erhalten. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Sinnvoll ist es, auch auf der Innenseite die Schadstelle mit einer Schweißnaht zu verstärken. Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen
Und schon ist das Loch repariert! Privat - Andreas Frisch Bild in Detailansicht öffnen

Der Schmelzpunkt von HD-PE liegt bei 135°C, diese Temperatur erreicht man mit einem Haartrockner nicht. Heißluftgebläse für Heimwerker erzeugen diese Hitze hingegen spielend, vielmehr muss man aufpassen, dass man den Kunststoff damit nicht zu stark verformt oder verkohlt. Es reicht also normalerweise die kleinste Stufe. Trotzdem ist dabei die Hitze schon so groß, dass eine Verbrennungsgefahr besteht – bitte Lederhandschuhe tragen!

Um gebrochene Teile zusammenfügen zu können, benötigt man einen Schweißdraht aus demselben Material wie der zu reparierende Gegenstand - die Farbe spielt hingegen keine Rolle. Im Handel gibt es dafür passende Stangen aus verschiedenen thermoplastischen Kunststoffen.

Jetzt kann man einen PE-Schweißdraht durch die Schweißdüse zuführen und ebenfalls auf Schmelztemperatur bringen. (Foto: Privat - Andreas Frisch)
Privat - Andreas Frisch

Zur Vorbereitung ist es wichtig, dass vor allem die Bruchflanken, also die Kontaktflächen richtig angeschmolzen sind und nicht nur eine dünne Haut. Ansonsten ist die Klebung hinterher nur oberflächlich und nicht belastbar. Dafür ist es wichtig, vorsichtig gleichmäßig zu erwärmen und dabei darauf achten, dass der Abstand nicht zu gering ist, damit der Kunststoff sich nicht zu stark zusammenzieht. Bei zu langer oder großer Hitzeeinwirkung würde der gesamte Bereich zu weich werden und später beim Aufdrücken des Schweißdrahts nachgeben!

Der Schweißdraht kann nun entweder durch eine spezielle Düse oder mit der „Fächel“-Methode aufgebracht werden. (Bei dieser wird der Luftstrom durch eine spitze Düse abwechselnd zwischen Schadstelle und dem Schweißdraht hin und her geschwenkt). Ich empfehle, die Prozedur vorher an einem Abfallstück zu üben!

Bitte schaffen sie aber, wenn sie nicht schon eines besitzen, nicht eigens nur für eine solche Reparatur ein Heißluftgebläse an, denn damit wäre der Sinn, Ressourcen zu schonen, verfehlt. Sie können vielleicht ein solches Gerät im Bekanntenkreis ausleihen oder in einem Repair-Café vorbeischauen. Im landwirtschaftlichen Bereich gibt es auch professionelle Anbieter dieser Reparaturen.

Ihr Repairfox
Andreas Frisch

www.repairfox.de

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