Mein neues Leben

Hannelore und Rolf Menk

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Eine kleine Straße im Hamburger Stadtteil Tonndorf. Umzug. Eigentlich nichts Besonderes. Was diesen Ortswechsel allerdings so außergewöhnlich macht, sind die Hausbesitzer: Rolf und Hannelore Menk, beide 72 Jahre alt. Und obwohl hier ein Seniorenumzugsservice am Werk ist, ziehen sie nicht etwa in ein Altersheim sondern in ihr neues Haus. Eines, das sie komplett neu gebaut haben, und das in ihrem Alter.

Würden Sie es wieder machen?
Ja, aus der jetzigen Situation heraus – eindeutig Ja.
Aber die Frage, wie so was verläuft, kann man ja vorher nicht beantworten – deswegen ist das schwierig. Es gehört viel Mut dazu, so etwas Wesentliches im Leben, wie den Wohnsitz seit über 70 bzw. 50 Jahren zu ändern. Ich finde, wir waren mutig! Und wir haben darauf vertraut, dass alles gut geht.

Was war der schwierigste Moment?

Rolf und Hannelore Menk (Foto: SWR, SWR -)
SWR -

Die Entscheidung zu treffen, unser Haus zu verkaufen, denn sie ist nicht wieder rückgängig zu machen.
Dann die Unterschrift beim Notar, die den Kaufvertrag besiegelte und – immer wiederkehrende Momente noch im alten Garten – die Gedanken an meine Großeltern, meine Mutter und daran, dass es ja meine Erde, mein Zuhause, meine Heimat ist, in der ich gerade grabe. Fast alles habe ich und natürlich auch mein Mann "gemacht". Angefangen vom Garagenbau über Dacherneuerung, Ausschachten des Kellers, Wände zumauern oder aufbrechen, unzählige Male im Haus "umziehen" bis hin zur Anpflanzung fast aller Pflanzen.

Was war der schönste Moment?
Die Erkenntnis im neuen Haus, dass wir uns wohlfühlen und eigentlich kein Heimweh haben. Wir haben ja auch ein paar Mal die Nachfolger schon besucht – und ich bin fast ohne Trauer wieder weggefahren. Es war irgendwie nicht mehr mein Haus.

Was hilft auf Durststrecken?

Rolf und Hannelore Menk (Foto: SWR, SWR -)
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Es hilft, sich vorzustellen und auszumalen, wie es sein wird, d.h. was besser sein kann also vorher und das Vertrauen, dass alles gut geht, d.h. die Entscheidung richtig war.

Ich bin viele Male nachts aufgewacht und habe mich gefragt, ob es alles so richtig ist. Nach langem Grübeln kam immer wieder der Gedanke, ja, es ist richtig. Es fühlt sich gut an.

Der beste Rat für Zauderer?
Wenn ich nichts ändere, verändert sich nichts. Nur ich kann was tun. Ich habe mir vorgestellt, was für mich wichtig ist, wenn ich und wenn mein Mann noch älter sind – also in ein paar Jahren. Die Sachen, die ich wichtig finde, hatte ich in Tonndorf nicht. Also musste ich was ändern. Das war dann der Umzug. Also: Mut und Zuversicht und die Hoffnung, das sich was Wesentliches ändern wird.

Mein altes Leben war...
sehr gut, aber es fehlte mir Sicherheit für das Kümmern in den Jahren, in denen wir es nicht mehr selber können..

Erläuterung: Gepflegt werden kann ich überall, im eigenen Haus oder im Heim durch Schwestern, die dafür ausgebildet sind – aber das Überwachen solcher Pflege ist viel wichtiger und auch Entscheidungen zu treffen, wenn wir das für uns nicht mehr können. Und zwar vor Ort und zu jeder Zeit.

Mein neues Leben ist...

Rolf und Hannelore Menk (Foto: SWR, SWR -)
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im Moment noch voll von Arbeit, aber diese Arbeit macht Spaß. Wir sind neugierig auf die weitere Umgebung und was alles sonst noch zu entdecken ist. Außerdem ist die neue Nachbarschaft einzigartig. Sowas hatten wir in dem alten Leben nicht.

Und – wir haben auch Glück gehabt mit den Käufern unseres Hauses. Sie sind ganz wunderbar, verständnisvoll und einfach sehr nett. Sie achten das Haus und sind begeistert. Das hat mir das "Gehen" auch sehr viel leichter gemacht.

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SWR Fernsehen