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Afrika: Madagaskar Filmtext & Video

Ambohimanga

14:44 min | So, 24.3.2019 | 6:00 Uhr | Schätze der Welt | SWR Fernsehen

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Ambohimanga: Der Königshügel von Ambohimanga, Madagaskar, Folge 300

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Der Hügel von Ambohimanga ist der Geburtsort von Andrianamapoinimerina, des berühmtesten Königs aus dem Volk der Merina. Bis 1898 war hier seine und die Grabstätte anderer Könige. Dann wurde die Hauptstadt nach Antananarivo verlegt und die königlichen Ahnen mussten mit. Die ehemalige Königsstadt ist eine der heiligsten Plätze der Merina geblieben. Nichts darf hier verändert werden und so sieht es hier immer noch aus wie vor 200 Jahren. In Ambohimanga haben sich die letzten Holzgiebelhäuser Madagaskars erhalten, fein gefügt aus Palisanderholz, von wahrhaft königlichen Ausmaßen.

Filmtext

Das Hochland von Madagaskar. Vor 1000 Jahren besiedelten Einwanderer aus Südostasien die Insel im indischen Ozean. Die Symbole des Christentums sind allgegenwärtig: Kirchtürme, Kreuze. In der Tiefe ihres Herzens aber sind die Madegassen ihrem alten Glauben treu geblieben, dem Ahnenkult. Die Schamanen stellen Verbindung her. Zu bestimmten Mondphasen pilgern Gläubige an die Gräber der Ahnen. Zahllose Füße haben im Laufe der Jahrhunderte den felsigen Weg glatt geschliffen.

Hügellandschaft Madagaskar mit Hütte im Vordergrund

Das Hochland von Madagaskar.

Er übertrifft alle an Höhe, der Ort besonderer Verehrung. Hier erhebt sich die alte Hauptstadt Ambohimanga, wie eine bläuliche undeutliche Skizze. Häuser sind nicht zu sehen, nur ganz oben der Rova, der königliche Palast. So ein zeitgenössischer Reisender aus dem Jahr 1873. Näher an den Hügel kam damals kein Ausländer. Aber auch für die meisten Einheimischen war der Bezirk innerhalb der Burgmauer tabu. Sie durften ihre Waren und Tributzahlungen nur bis vor eines der sieben Tore bringen. Die alten, Steinwege dorthin sind heute noch zu finden, holprig, verfallen, zugewachsen. Alle führen zu Toren. Jedes hat einen Namen. So z.B. das Tor der Bauern, die Tribut bringen.

Auf halber Höhe zur Burg liegt der Ort Ambohimanga. Die Kirche, Läden. Der Hauptzugang zum Innenbereich: 'das Tor des Königs'. Den runden Stein rollten nachts 70 Soldaten vor den Eingang. Heute wie damals ist der Ort Marktplatz an dem Händler und Bauern ihre Produkte anbieten. Die Pilger machen hier nach ihrem mühsamen Aufstieg Halt, kaufen Proviant und Opfergaben, Bananen und Rum. Auch die Schüler zieht es an die Stände mit Süßigkeiten vor ihrem langen Heimweg - in eines der Dörfer irgendwo drunten im Land. Die Steine, die zum 'Tor der Gäste' führen, sind gut erhalten. Vielleicht waren es nicht all zu viele, die hier durch kamen.

Einladend kann es kaum gewesen sein, wenige Meter weiter, jedesmal noch das 'Tor der Feinde' passieren zu müssen. Auch hier sorgte ein tonnenschwerer Fels für die nächtliche Sicherheit.

Bereits vor 2 ½ Jahrhunderten stand der Wald unter dem besonderen Schutz des Königs und noch heute darf im Bannkreis des heiligen Hügels nichts verändert werden. Nur einige Wege werden freigehalten.

'Das Tor des Beraters'. Auf dem Hügel gegenüber residierte einst Andriatsvungo, ein mächtiger Zauberer und Astrologe. Sein direkter Weg in den Königspalast führte durch diesen Eingang. Mauerring und Wallgraben, die den Hügel in früheren Jahrhunderten komplett von der Außenwelt abschirmten sind längst vom Urwald überwuchert.

Nur noch an wenigen Stellen erkennt man das Befestigungswerk. Das Tor der Gottesurteile. Heute wird dort an durstige Wanderer Kaffee ausgeschenkt. Vor 150 Jahren war es wohldosiertes Gift, mit dem die Richter ihre Opfer sterben oder leben ließen.

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Der Königspalast ist aus Holz. Er besitzt nichts von dem Prunk anderer Königshäuser seiner Zeit. Durch seine einfache, bescheidene Form fasziniert er den Besucher.

Der Königspalast ist aus Holz. Er besitzt nichts von dem Prunk anderer Königshäuser seiner Zeit. Durch seine einfache, bescheidene Form fasziniert er den Besucher.

Die alten, Steinwege hinauf zum Königshügel sind noch zu finden, holprig, verfallen, zugewachsen. Alle führen zu massiven Steintoren. Jedes hat einen Namen. So z.B. das Tor der Bauern, die Tribut bringen.

Um in das Innere der Burg zu gelangen, musste eines der zahlreichen Tore passiert werden. Nachts wurden diese Tore mit schweren Steinen verschlossen.

Heute wie damals ist Ambohimanga auch Marktplatz, an dem Händler und Bauern ihre Produkte anbieten. Die Pilger machen hier nach ihrem mühsamen Aufstieg Halt, kaufen Proviant und Opfergaben, Bananen und Rum.

Der Hügel von Ambohimanga ist der Geburtsort von Andrianamapoinimerina, des berühmtesten Königs aus dem Volk der Merina. Bis 1898 war hier seine und die Grabstätte anderer Könige.

In Ambohimanga haben sich die letzten Holzgiebelhäuser Madagaskars erhalten, fein gefügt aus Palisanderholz, von wahrhaft königlichen Ausmaßen.

Die ehemalige Königsstadt ist eine der heiligsten Plätze der Merina geblieben. Nichts darf hier verändert werden und so sieht es hier immer noch aus wie vor 200 Jahren.

Früher war der Bezirk innerhalb der Burgmauer tabu für die einfache Bevölkerung tabu. Sie durften ihre Waren und Tributzahlungen nur bis vor eines der sieben Tore bringen. Heute darf jeder Madegasse die Kultstätte besuchen.

Längst sind die Königspaläste von Ambohimanga verlassen. Die schlichten Holzbauten zeugen vom - für europäische Verhältnisse - einfachen Leben der madegassischen Könige.

Vor 1000 Jahren besiedelten Einwanderer aus Südostasien die Insel Madagaskar im indischen Ozean.

Der Hügel von Ambohimanga ist der Geburtsort von Andrianamapoinimerina, des berühmtesten Königs aus dem Volk der Merina. Bis 1898 war hier seine und die Grabstätte anderer Könige. Dann wurde die Hauptstadt nach Antananarivo verlegt und die königlichen Ahnen mussten mit.

Wie viele im Schatten dieser Steine wohl unschuldig ermordet wurden? Die Schüler freuen sich ihren engen Klassenzimmern entflohen zu sein. Für den Musikanten bleibt Schule wie für viele Madegassen ein Traum, er kämpft ums Überleben.

Der Platz vor dem Tor zum inneren Palastbezirk war früher Opferzeremonien und Gerichtsverhandlungen vorbehalten. Heute ist er ein beliebter Ort zum Rasten, bevor man die Gebäude der eigentlichen Burg besichtigt. Das Laute, Touristische ist nur eine Seite von Ambohimanga. Es gibt Tage, an denen nur ganz wenige hier herauf kommen. Dann wandelt sich der Hügel wieder zum heiligen Ort. Vom höchsten Punkt geht der Blick weit ins Land, bis zu den Ruinen der Burg von Tana und den modernen Vierteln der Hauptstadt. Mauerreste zeugen noch heute von einem großen Palast, der vor einem viertel Jahrtausend von hier oben das Land beherrschte.

"Andriananbelomasina hatte 12 Enkel und ein jeder war von königlichem Blut. Eines Tages ließ er alle zwölf zu sich rufen. Die verlockendsten Geschenke waren aufgebaut und ein jeder sollte wählen. Andrianapoinimerina, der am Alamadi geborene, nahm das Unscheinbarste: ein Körbchen mit Erde. Da erkannte der weise König den zukünftigen Herrscher." Andrianapoinimerina - gerne ließ er sich als Krieger abbilden - regierte von 1788 bis 1810. Den Mittelpunkt, der Burg, bildet sein Haus, eine wuchtige Konstruktion aus schwerem Palisanderholz, wie sie noch vor 200 Jahren viele Adelige bewohnten. Normalsterbliche lebten schon damals in Lehmhäusern. Heute ist es das letzte Beispiel einer Architekturepoche, die mit dem verschwinden der großen Bäume ihr Ende fand.

Ein Palast aus Holz, der gar nichts besitzt von dem Prunk anderer Königshäuser seiner Zeit. Der gerade durch seine einfache, bescheidene Form den Besucher fasziniert. Andriananpoinimerina hat gelebt wie seine Untertanen, in einem einzigen Raum. So wie viele Madegassen heute noch leben. Unter einem Satteldach, strohgedeckt oder wie hier mit Schindeln, bilden vier Steine eine offene Herdstelle. Gläubige legen hier Opfergaben, bunte Bonbons, ab. Das offene Herdfeuer gehört immer noch zum Alltag madagassischer Hausfrauen. Wahrscheinlich saß der König hier nicht nur zum Brettspiel, manche politische Idee wird an diesem Herd geboren worden sein. Die Vereinigung aller Stämme der Insel gelang dem Herrscher allerdings nicht. Sie scheiterte am Widerstand der Fürsten. Der Hügel von Ambohimanga war der Mittelpunkt des königlichen Lebens. Eine überdachte Terrasse mit weitem Blick. Tafelte man hier oben oder war es ursprünglich ein Wachturm?

Die Kanonen haben wohl eher symbolischen Wert, denn nie wurde der Hügel gestürmt. Ein verwunschener, bunter Garten soll hier gewesen sein, in dem die Gärtner des Königs Bäume und Blumen aus allen Teilen des großen Landes kultivierten.

Die Badeanlage der königlichen Familie war schon deshalb Luxus, weil jeder Liter Wasser aus einem hundert Meter tiefer gelegenen See hoch geschleppt werden musste. Der Tod weckt bei den Madegassen keine negativen Empfindungen. Daher ist es ganz normal, dass neben der Stätte des Badevergnügens ein uralter Opfer- und Begräbnisplatz liegt. Nach traditionellem Glauben, lebt der Tote weiter. Er hat also die gleichen Bedürfnisse wie die Lebenden, braucht Nahrung, Zuwendung und Gesellschaft. Gleichzeitig ist er Mittler zu Gott, der berät und Hilfe bringt. Wird er vernachlässigt, kann er den Lebenden auch schaden. In einer unterirdischen Gruft wurden hier die Gebeine Andriananpoinimerinas und seiner Frauen beigesetzt.

Noch ein Jahr nach seinem Tod erschien der Gründer des Merinareiches, der große Andriananpoinimerina, sobald das Signal zur Nachtruhe gegeben war, im Bannkreis des Königspalastes und schaute wie gewöhnlich nach, ob alles in Ordnung war. Er inspizierte die Wachen, lobte den und tadelte jenen und begab sich dann in seine Privatgemächer. Den Traum des Königs, ganz Madagaskar zu einen, verwirklichte erst sein Sohn Radama.

Als der starb herrschte seine Frau Ravanalona noch 30 Jahre. Ihrer Verbindung mit Jean Laborde, einem gestrandeten, französischen Seeräuber, wie behauptet wird, verdankt Ambohimanga die beiden Sommerresidenzen, in ihrem ganz eigenartigen Stil, entsprungen der Phantasie eines weitgereisten Europäers. 1885 wurde das Grab des Königs noch einmal geöffnet. Die Kolonialmacht Frankreich ließ die Gebeine in die neue Hauptstadt Tana überführen. An der Magie und Kraft des Ortes konnte dies jedoch nichts ändern, bis heute.

Die Schüler kehren in die Großstadt nach Tana zurück, in eine Welt wie sie gegensätzlicher kaum sein könnte, Popmusik, Computer, Satellitenfernsehen. Ob Ambohimanga auf Dauer diesen Kräften widerstehen kann?

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz

Filmmusik & Stab

Musik:
Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Madagaskar:
Andrianavonison Ranto Tiaray


Buch und Regie: Rüdiger Lorenz
Kamera: Erwin Lanzensberger

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