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Weihnachtszeit im Vatikan

Von kleinen Sängern und großen Gardisten

Beim Weihnachtsbaum wird nicht gekleckert, sondern geklotzt: Ein Schwertransporter bringt den 30-Meter-Baum in den Vatikan. Jedes Jahr darf sich ein anderes Land der Ehre rühmen, die Weihnachtstanne für den Petersplatz zu liefern. Schwindelfreie Handwerker drapieren im Lauf einer Woche 2.000 handballgroße Christbaumkugeln und zwei Kilometer Girlanden. Weihnachten im Vatikan ist ein Fest der Superlative.
Schon Wochen vor dem Fest entfaltet sich auf dem Petersplatz emsige Geschäftigkeit: Elektriker, Schreiner, Maler und Gärtner bauen eine riesige Krippe mit den Dimensionen eines Einfamilienhauses: Alle Figuren haben XXL-Format. Allein Josef misst fast drei Meter. Die Krippe wird am Heiligen Abend auf dem Platz vor dem Petersdom geweiht und zieht Zehntausende von Gläubigen und Touristen aus aller Welt an.
Für die Schweizergarde bedeuten die pilgerreichen Tage Großeinsatz und Urlaubsstopp. Manche der jungen Männer sind zum ersten Mal in ihrem Leben weg von zu Hause und denken bei den frühlingshaften Temperaturen in Rom ein bisschen sehnsuchtsvoll an Rösti, Backwerk und Schnee, aber am Heiligen Abend heißt es: Hand an die Hellebarde und Dienst schieben.
Drei Ordensschwestern, Elvira, Adelaida und Rita, sehen schon Wochen vor der Mitternachtsmesse nach den Gewändern von Papst Benedikt, bügeln die Spitzen, legen die passende Mitra zurecht. Der Chor der Sixtinischen Kapelle übt die Christmette: Die Knaben der Chorschule mit dem glockenhellen Sopran besuchen eine eigene Schule und müssen auch Mathe und Englisch büffeln, aber in der Weihnachtszeit sind die Chorsätze Palestrinas wichtiger als der Satz des Pythagoras.
Auch für Chefgärtner Paolo Ferrara ist Weihnachten Hochsaison. Tausende von Rosen kauft er am Tag vor dem Heiligen Abend auf dem Großmarkt in Rom. Fünf Kinder hat er, aber die Geschenke muss seine Frau besorgen, denn er muss die Ausschmückung des Petersdoms beaufsichtigen. Rote Teppiche werden ausgerollt, goldene Stühle für die Ehrengäste und Kardinäle aufgestellt und eine Generalprobe gibt es auch, denn bei der mitternächtlichen Papstmesse darf nichts schief gehen.
Die Reportage begleitet Menschen, die im und für den Vatikan arbeiten durch die Adventszeit bis zur Weihnachtsfeier mit der eigenen Familie.

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