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SENDETERMIN Mi, 19.3.2014 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

MARKTCHECK checkt Müller Große Auswahl, kleiner Preis?

Topmarken im Südwesten

Müller ist die Nummer drei in der hart umkämpften Drogeriemarktbranche. Mit glänzenden Filialen und einem riesigen Sortiment will das Ulmer Unternehmen punkten. Kann Müller trotzdem preislich mit der Konkurrenz mithalten? MARKTCHECK hat die Preise verschiedener Drogeriemarktketten verglichen und die Qualität der Eigenmarken unter die Lupe genommen.

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Logo Drogerie Müller

Die Drogeriemarktkette Müller liegt auf Platz drei der Branche, hinter dm und Rossmann. Sie lockt mit glänzenden Filialen und einem Riesensortiment zu günstigen Preisen. Doch wie schneidet Müller im Preisvergleich tatsächlich ab? Wie gut sind die Eigenmarken? Worin unterscheidet sich Müller von der Konkurrenz? Und wie arbeitet es sich bei der Drogeriemarktkette?


Ein Fall für unsere MARKTCHECKER:

  • Marketing-Experte Prof. Markus Voeth, Universität Hohenheim
  • Stephanie Leucht, Textil-Chemikerin
  • Gewerkschafter Rainer Dacke, Verdi Ostwürttemberg-Ulm

Müller als Drogeriemarkt-Pionier

Müller-Zentrale

Müller-Zentrale

Der Sitz von Müller ist in Ulm. Hier gründet der Friseurmeister Erwin Müller 1953 sein erstes Geschäft. Außer Waschen und Legen bietet er auch Drogerieartikel an. Den Laden gibt es heute noch, mit interessanten Randsortimenten im Schaufenster.

Für Furore sorgt er im Sommer 1967, weil sein Friseurladen auch am „heiligen Montag“ öffnet. Kämpfe scheut er schon damals nicht. In der Zwischenzeit hat der Ulmer Friseurladen montags wieder zu. Aber Müller ist ja hier auch schon lange nicht mehr Chef.

Nach einer Amerikareise setzt er voll auf Drogeriemärkte. Sein Vorbild sind amerikanische Drugstores, die alles für den täglichen Bedarf anbieten. Inzwischen gibt es rund 680 Müller-Filialen. Dieses Jahr feiern sie 60. Geburtstag. Doch geht das Kleinkaufhaus-Konzept auf? Und wie kommt es bei den Kunden an?

Heller Eingang einer Müller-Filiale

Helles Ambiente in Müller-Filialen

1. Check: das Image

Die Filialen befinden sich häufig in bester Innenstadtlage und sie sind meist groß. Ein besonders hochwertiges Ambiente soll der Käufer vorfinden - verspricht zumindest Müller. Spiegel, damit sich der Kunde nicht allein fühlt, sowie helle Beleuchtung und Glasregale gehören zur Einrichtung. Alle im rechten Winkel, weil man damit angeblich besser zurechtkommt. Doch was zählt bei der Kundschaft?

Wir sind in Freiburg und wollen von Kunden wissen, warum gehen sie zu Müller? Die meisten Kunden schätzen die Riesenauswahl bei Müller. Mehr als 180.000 Artikel hat das Sortiment. Neben Drogerieartikeln gibt es auch teure Kosmetik, Schreibwaren und in manchen Filialen sogar Haushaltsgeräte. Besonders groß sind die die Multimediaabteilungen.

Diese Vielfalt kann aber auch zur Gefahr werden, meint unser Marketingexperte Markus Voeth. Der Kunde nehme Müller nicht mehr als Drogeriemarkt wahr. 

Wie viel Spaß macht der Einkauf bei Müller?

Das sollen drei Stuttgarter Studenten für uns ausprobieren. Ihre Aufgabe: Zehn Produkte sollen sie finden. Bei Müller und den beiden Hauptkonkurrenten dm und Rossmann. Wir wollen wissen: Wie lange brauchen sie und wie lang sind die Wege?

Das Ergebnis: Am schnellsten ging unser Einkauf bei dm. Am längsten hat es bei Müller gedauert. Positiv ist dort allerdings das freundliche Ambiente aufgefallen.

Ist das der Grund, warum bei Müller kaum jemand mit Tüten den Laden verlässt? Zum Großeinkauf kommt offensichtlich kaum einer her. Ein Grund dafür sei die schwierige Parkplatzsituation bei Geschäften in den Toplagen der Innenstädte, denn man müsse die Ware ja nach Hause transportieren, so unser Marketingexperte.

Auch die längere Suche bei Müller, die wegen des größeren Sortiments entsteht, läuft möglicherweise den Kundenwünschen zuwider, das zeigen Untersuchungen, so der Marketingexperte Prof. Markus Voeth: "Am wichtigsten ist Qualität, dann das Preis-Leistungsverhältnis, aber schon an dritter Stelle steht sozusagen die Einfachheit, die Produkte zu finden."

Ob die hochwertige Umgebung das aufwiegt? Und wie wirkt sich die edle Einrichtung auf die Preise aus?


Einkaufswagen mit Marken-Drogerieartikel

Marken-Drogerieartikel im Vergleich

2. Check: die Preise

Bei Müller kauft sich‘s nicht nur schön, sondern auch günstig - verspricht zumindest ein Müller-Werbesong. Stimmt das Versprechen? Wir machen eine Stichprobe und packen einen Einkaufswagen mit zehn Markenprodukten von der Zahncreme bis zum Katzenfutter. Wer ist günstiger: Müller, dm oder Rossmann? Drei Wochen lang vergleichen wir die Preise in Filialen in Stuttgart, Karlsruhe und Mainz.

Das Ergebnis: Preislich liegen die Drogerien eng beieinander. Bei unserem Warenkorb ist Müller etwas teurer als die Konkurrenz. Auch bei unserer Umfrage wurde Müller am häufigsten als teuerste Drogerie geschätzt.

Den Marketing-Experten Prof. Markus Voeth überrascht das überhaupt nicht. Müller stehe mit seinen aufwändigen Filialen nicht für günstigste Ware, sondern für das breiteste Sortiment.

Uns fällt bei der Langzeitstichprobe noch etwas auf: Viele Müller-Preise sind Aktionen bzw. angeblich reduziert. Merkwürdig ist nur, dass bei DM und Rossmann die identischen Artikel das gleiche oder weniger kosten und von Aktionen keine Rede ist. Im Gegenteil: Die Preise sind dort über Wochen konstant. Für dm beispielsweise sei das ein wichtiges Werbeargument erklärt Prof. Markus Voeth. Denn der, der wirklich günstig sei, habe es eigentlich gar nicht nötig, den Kunden immer wieder darauf hinzuweisen. Solche Preisaktionen seien daher eher etwas für Unternehmen wie Müller, die sich nicht über den Preis positionieren, sondern auf Qualität und Sortimentsbreite setzen.

Sparen kann man bei Müller allerdings schon, etwa wenn man für den nächsten Einkauf die Rabatte auf den Kassenbons nutzt. In der Regel sind das drei Prozent vom Warenwert.

Auch bei den Parfümerieartikeln ist Müller etwas günstiger als etwa Konkurrent Douglas. Und bei Schreibwaren ist man bei Müller ebenfalls vergleichsweise besser dran. Für Multimedia Produkte gilt das nicht, in Fachmärkten sind die meistens billiger.


Drei Deos vor Tanzfläche

Deos im Härtetest

3. Check: die Qualität

Deo im Härtetest: Wir stellen das Deo der Müller-Eigenmarke gegen die Eigenmarken der Konkurrenten Rossmann und dm und gegen ein Markenprodukt. Olga Omeltchenko und Ralf Müller, mehrmalige Tanzweltmeister sind unsere Jury. Vier Tanz-Paare sollen die Deos für uns ausprobieren. Nach verschiedenen Tänzen sind die vier Paare ganz schön ins Schwitzen gekommen.

Für unsere Jury liegt das Markenprodukt klar vorne: kein Schweißgeruch und noch leichter Deoduft. Knapp dahinter folgt die Eigenmarke von Rossmann, danach der dm-Roller. Bei ihm hat der Frische-Duft deutlich nachgelassen. Schlusslicht ist das Müller-Produkt, dort war die Deowirkung am geringsten.


Küchenpapier als Tau im Härtetest zweier Ringer

Wie lang halten die Papier-Seile?

Küchenpapier im Praxistest: Wie schneidet beim Küchenpapier die Müller-Eigenmarke im Vergleich mit dem Markenprodukt ab?

Bei einem Praxistest mit 25 Milliliter Wasser sind die meisten Freiburger der Meinung, dass das Markenprodukt besser saugt. Doch halten die Tücher auch einem Extremtest stand? Jetzt packen wir auch noch die Eigenmarken der Konkurrenten dm und Rossmann dazu. Bei den Meister-Ringern des RSC Fulda wartet ein ungewöhnlicher Einsatz auf die Küchentücher: Tauziehen mit Küchenpapier-Tauen. Wir wollen wissen: Sind die Papiere so reißfest wie versprochen? Dazu knüpfen wir aus jeweils sechs Rollen ein armdickes Sportseil, das  geknickt, gefaltet und gedreht wird.

Das Müller-Küchenpapier hält acht Sekunden, das von dm nur knapp sechs Sekunden. Das Markenprodukt ist selbst nach 30 Sekunden noch intakt und muss mit Wasser aufgeweicht werden.

Markenprodukt siegt auch im Labortest

Küchenrollen müssen sich im Labor beweisen

Küchenrollen im Labor

Haben die Ringer und die Passanten Recht? Sind die günstigeren Eigenmarken tatsächlich schlechter als die teurere Markenrolle?
Im Labor lassen wir das noch mal wissenschaftlich prüfen. Wie saugfähig sind die Papiere? Wie viel Wasser nehmen sie auf und wie schnell? Außerdem wichtig: Wie belastbar sind die Tücher? Trocken und nass. Für den Einsatz im Haushalt ein entscheidendes Kriterium. Und das Labor stellt deutliche Unterschiede fest.
Vor allem die Eigenmarken entpuppen sich da teilweise als ganz schöne Blender und verkraften oft kaum mehr Flüssigkeit als ihr Eigengewicht an Papier. Das teurere Markenprodukt saugt dagegen ein Vielfaches auf, das bedeutet, dass man unterm Strich auch weniger Material benötigt.

Beim Scheuertest wird geprüft, wie gut die Küchenrollen Schmutz aufnehmen können. Auch hier stoßen die Eigenmarken schneller an ihre Grenzen. Schon beim zaghaften Reiben sind nur noch Fetzen übrig, vor allem wenn die Tücher feucht sind. Beim Scheuern kann das für hässliche Schlieren sorgen.

Auch die Zerreißprobe übersteht nur die Markenrolle wirklich zufriedenstellend, obwohl sie - anders als die Eigenmarken - nicht drei- sondern nur zweilagig ist. Die Rolle ist dadurch auch für härtere Aufgaben gerüstet.

Das Ergebnis: Gleichauf sind die Tücher von Müller und Rossmann. Kaum besser abgeschnitten hat die Eigenmarke von dm, die pro Blatt etwa 0,6 Cent kostet. Klarer Sieger ist das Markenprodukt, das mit rund 1 Cent pro Blatt allerdings deutlich teurer ist.


Schild Müller Warenannahme

Wie sind die Arbeitsbedingungen?

4. Check: die Fairness

Rund 30.000 Mitarbeiter hat die Drogeriemarktkette. Sie wird noch immer geführt vom inzwischen 81-jährigen Firmengründer. "Arbeit" ist sein Lebensmotto und noch immer kontrolliert er selbst das Sortiment. Allerdings haben Fehlspekulationen an den Finanzmärkten, Gewinneinbrüche, Ärger bei der Mitsprache von Beschäftigten und Prozesse vor dem Arbeitsgericht dem Unternehmen zuletzt keine guten Schlagzeilen beschert.

Ein ehemaliger Mitarbeiter kritisiert das "Patriarchentum". Kritische Mitarbeiter hätten die Firma verlassen, weil sie gegenüber dem Eigentümer keine Chance gesehen hätten.

Es brodelt im Unternehmen und in der Vergangenheit ist das Unternehmen immer wieder aufgefallen. Betriebsräte sind dem Firmenchef ein Dorn im Auge. Das koste nur Geld, rechnete er seinen Angestellten vor. Als es im Ulmer Logistik-Lager 2009 tatsächlich zur Wahl eines Betriebsrats kommt, verkauft Müller den Bereich kurzerhand an die Konkurrenz. Und ist damit den Betriebsrat wieder los.
Auch wegen Missbrauchs der Krankenrückkehrgespräche gerät Müller 2009 in die Kritik. Rund 138.000 Euro Bußgeld muss das Unternehmen zahlen, weil es Daten über Krankheiten der Angestellten sammelt. Alles nur Fürsorge, meint der Firmenchef.

Der Insider erzählt uns, in der Firma gehe man Müller inzwischen aus dem Wege, viele nehmen ihn dort nicht mehr ernst. Das Unternehmen, meint er, sei dem Patriarchen bereits zum Teil entglitten.

Kleines Plus, sagt die Gewerkschaft: Müller sei zwar nicht tarifgebunden, wende aber den Einzelhandelstarifvertrag an. Allerdings nicht in den Lagern berichtet Rainer Dacke von Verdi Ostwürttemberg-Ulm. Dort werde eine andere Eingruppierung vereinbart, als im Tarifvertrag vorgesehen. Die meisten Leute würden als Hilfskräfte statt als Lager- und Versandmitarbeiter eingruppiert. Dies mache einen Unterschied von rund 250 Euro aus, so der Gewerkschafter.

Die Kritik der Gewerkschaft kann Patriarch Müller nicht verstehen. Schließlich gebe es für die Mitarbeiter Rabatte und kleine Geschenke zum Nikolaus- und Valentinstag.

Das Fazit unserer MARKTCHECKER: Müller setzt auf exklusives Ambiente und ein großes Sortiment. Doch der Einkauf dauert. Einige Produkte sind bei Müller vergleichsweise teuer. Sparen lässt sich vor allem bei Aktionen und Randsortimenten wie etwa Schreibwaren. In unserem Test unterscheiden sich die Müller-Eigenmarken bei Küchenpapier und Deo kaum von denen der Konkurrenz. Sie sind aber schlechter als die Markenprodukte. Müller zahlt zwar nach Tarif, doch moderne Mitarbeiterführung sieht anders aus.


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28:40 min | Mi, 19.3.2014 | 18:15 Uhr | SWR Fernsehen BW

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MARKTCHECK checkt Müller

Müller ist die Nummer drei in der hart umkämpften Drogeriebranche. Mit glänzenden Filialen und einem riesigen Sortiment will das Ulmer Unternehmen punkten. Kann Müller trotzdem preislich mit der Konkurrenz mithalten? MARKTCHECK hat die Preise verschiedener Drogeriemarktketten verglichen und die Qualität der Eigenmarken unter die Lupe genommen.

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