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Landleben 4.0 am Kaiserstuhl

Landleben 4.0 Neue Ideen am Kaiserstuhl

Wie sieht das Landleben der Zukunft aus? Was passiert, wenn die Alten immer mehr werden und die Jungen in die Stadt wollen? Damit das Dorf attraktiv bleibt, braucht es neue Ideen - wie am Kaiserstuhl.

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44:35 min | Fr, 1.4.2016 | 21:00 Uhr | Landleben4.0 | SWR Fernsehen

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Fernsehdokumentation

Landleben4.0 am Kaiserstuhl

Ein Dorfladen als Verein in Bischoffingen, eine Zwergenküche in Endingen: Am Kaiserstuhl ist man kreativ, um das Dorfleben für die Zukunft fit zu machen.

Bischoffingen am Kaiserstuhl - gerade einmal 640 Einwohner hat das Winzerdorf. Und doch tut sich etwas in der kleinen Gemeinde, sie macht sich fit für die Zukunft. Dafür braucht es pfiffige Geschäftsmodelle - und die geeignete Infrastruktur.

Der Dorfladen als Verein

Almut Bleichner

Almut Bleichner

Noch vor fünf Jahren gab es weder einen Laden, noch ein Cafè, in dem die Leute sich auf ein Schwätzchen treffen konnten. Auch die Dorfgaststätte war zwischenzeitlich geschlossen. Das alles wollten die Bischoffinger nicht länger hinnehmen. 2011 gründeten sie das "Bischoffinger Dorflädele", in dem die Bewohner regionale Backwaren, Wurst, Fleisch und Zeitschriften kaufen können. Besonders am Wochenende läuft der Laden gut, deswegen hat er auch sonntags geöffnet. Um den Laden zu betreiben, wurde extra ein Verein gegründet. 114 Mitglieder engagieren sich, beschäftigt werden vier Minijobber.

"Unternehmerin des Jahres"

Eine neue Existenz auf dem Dorf bauten sich die Jungunternehmerinnen Coretta Häfele und Jutta Zeisset auf, die eine in Bischoffingen, die andere im zehn Kilometer entfernten Weisweil am Rhein. Als die Metzgerei leer stand, ergriff Coretta Häfele ihre Chance. Die 25-jährige Webdesignerin renovierte den Laden und eröffnete in Eigenregie ein kleines Cafè.

Jutta Zeissert

Jutta Zeissert

Auch Jutta Zeisset änderte ihr Leben von heute auf morgen. Als ihre Eltern den Hühnerbauernhof in Weisweil aufgeben wollten, entschied sich die heute 35-Jährige 2004, nach Hause zurückzukehren. Jetzt oder nie lautete ihr Motto, denn sie wusste, wäre die Kundschaft der Eltern erst einmal weg, würde sie sie so leicht nicht zurückbekommen.

Sie baute die weit und breit einzige Holzofenbäckerei auf, die ehemalige Scheune gestaltete sie zu einem Café mit Konditorei um und den Hofladen baut sie fortwährend aus. Damit schuf sie neue Arbeitsplätze vor Ort - vier in Vollzeit und 21 in Teilzeit. Ihr zweites Standbein: Sie berät Betriebe und Vereine bei ihrer Social-Media-Arbeit, immerhin ist sie in den sozialen Netzwerken selbst sehr aktiv. 2014 wurde Jutta Zeissert vom Bundesverband der Landfrauen zur "Unternehmerin des Jahres" gekürt. Und als wäre das nicht genug, kämpft sie vor Ort für eine bessere Infrastruktur - um das Landleben attraktiv zu machen.

Essen für die Kleinen

Maren Huth

Maren Huth

Maren Huth und Sabine Joseph aus Endingen machten aus der Not eine Tugend. Da es für die örtliche Kita an einem geeigneten Caterer fehlte, gründeten sie die "Zwergenküche". Gesundes, regionales Essen zu vernünftigen Preisen haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Inzwischen bereiten sie unter der Woche 270 Essen für verschiedene Einrichtungen und Betriebe zu. Gekocht wird in der Küche des Sportheims, Büroräume gibt es nicht, alles läuft eher nebenbei bei Maren Huth zusammen. Das hält die Kosten im Rahmen.

Kreativ waren die beiden auch bei der Finanzierung ihres Projekts. Das Land und die EU fördern Frauen im ländlichen Raum. Und die Kaiserstühler "Regionalwert Aktiengesellschaft" unterstützte sie mit einem Darlehen. Die Idee der "Zwergenküche" wollen sie gerne weitertragen: lokale kleinere Küchen, die vor Ort in Eigenregie entstehen. Bis zu 300 Essen hält Maren Huth für machbar.

Nachwuchs für die Winzer

Andreas Berg

Andreas Berg

Am Kaiserstuhl ist es wie überall: Die Obstbauern und Winzer kämpfen ums Überleben. Norbert Weber hatte Glück: Seine Tochter Simone kehrte nach 16 Jahren zurück - mit ihrem Ehemann Andreas Berg. Bislang hatte der Westfale mit Wein nicht viel am Hut, jetzt aber stand der Entschluss, Winzer zu werden. Gemeinsam übernahmen die beiden den Winzerbetrieb, gaben dafür gut bezahlte Jobs auf.

Um sich das leisten zu können, schreibt Simone Weber zusätzlich eLearning-Programme, Musiklehrer Andreas unterrichtet an einer Musikschule. Leben und Arbeiten auf dem Land ist einfacher geworden, wenn man mehrere Jobs und schnelles Internet hat.

Visionen gesucht

Was all diese Leute am Landleben so schätzen? Die Ruhe, die Gelassenheit, die Gemeinschaft. Dass die Dörfer zukunftsfähig bleiben, das liegt hier am Kaiserstuhl allen am Herzen. Und solange es Ideen gibt, gibt es auch eine Zukunft.

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