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SENDETERMIN Mo, 20.2.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Der Gesundheits-Coach Rückenschmerzen - was nun?

Sie kennen das vielleicht auch: Plötzlich fährt einem ein stechender Schmerz ins Kreuz. Was ist, wenn er nicht weggeht oder immer wieder kommt? Wann reicht eine Physiotherapie aus? Wird nur dann operiert, wenn es wirklich sein muss? Und wie finde ich einen Arzt, der das Beste für mich will? Dr. med. Lothar Zimmermann weiß Rat.

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Ein Bandscheibenvorfall, der in der Kernspintomographie sichtbar ist, sagt allein noch nichts darüber aus, ob operiert werden muss. Deswegens sollten Sie auch nicht sofort einer OP zustimmen. Informieren Sie sich über Alternativen. Auch Ihre Krankenkasse ist ein guter Ansprechpartner.

Denn 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle lassen sich konservativ behandeln, sei es durch Physiotherapie oder eine vorübergehende Einnahme von Schmerzmitteln. Nur wenn Lähmungen (v.a. an Darm oder Blase) oder großflächige Taubheitsgefühle auftreten, ist eine sofortige Operation meist unumgänglich.

Dr. med. Lothar Zimmermann, Arzt und Journalist: Es wird zu schnell und zu viel an der Wirbelsäule operiert. Schmerzen sind ein schlechter Ratgeber und eine schnelle Lösung kann zu noch größeren Problemen führen. Daher beim leisesten Zweifel eine zweite Meinung einholen.

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Was ist ein Bandscheibenvorfall?

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Die Bandscheibe ist eine Art Stoßdämpfer. Sie sitzt als beweglicher Puffer zwischen zwei Wirbelkörpern, wie ein Gelkissen.

Die Bandscheibe ist eine Art Stoßdämpfer. Sie sitzt als beweglicher Puffer zwischen zwei Wirbelkörpern, wie ein Gelkissen.

Sie hat außen einen harten Ring, innen ist sie flüssig. Mit den Jahren altert die Bandscheibe, das Ganze wird spröde.

Der äußere Ring bekommt feine Risse. Kommt jetzt beispielsweise durch falsche Belastung zu viel Druck an, kann der äußere Ringe einreißen und das Innere quilt heraus. Das nennt man einen Bandscheibenvorfall.

Ein Bandscheibenvorfall muss nicht unbedingt große Schmerzen verursachen. Drückt der Kern jedoch auf einen Nerv, kann es zu starken Schmerzen bis hin zu Lähmungen kommen.

Der schnelle Griff zum Skalpell

Obwohl abwarten oft die bessere Taktik ist, werden viel zu häufig Patienten operiert, bei denen eine OP gar nicht notwendig ist. Ein besorgniserregende Entwicklung, die auch Dr. Christoph Schätz, Ärztlicher Direktor der Örthopädischen Klinik Markgröningen, mit Skepsis betrachtet.

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Gesundheitscoach

"Das Pendel ist zu weit in Richtung OP ausgeschlagen"

Bei Rückenschmerzen wird zu schnell zum Skalpell gegriffen - diese Entwicklung sieht Dr. Christoph Schätz, Ärztlicher Direktor Örthopädische Klinik Markgröningen, kritisch.

Rückenoperationen sind ein lukratives Geschäft. Krankenhäuser und Ärzte verdienen gut daran. Es geht um eine Milliardensumme. Alternative Therapien gegen Rückenschmerzen sind dagegen für Ärzte finanziell oft unattraktiv.

Wie aber kann man als Laie erkennen, ob man einen erfahrenen Arzt vor sich hat, der es gut mit einem meint und nur dann operiert, wenn es wirklich sein muss? Dr. Christoph Schätz empfiehlt, kritisch zu sein und nachzufragen. Für Operationen sollte man sich an größere Zentren wenden, die sich auf Wirbelsäulenchirurgie spezialisiert haben. Sowohl die Klinik als auch der Operateur selbst sollten den Eingriff entsprechend häufig durchgeführt haben, am besten im "höheren dreistelligen Bereich".

Riskante Wirbelsäulen-Operationen

Dr. Lothar Zimmermann mit Skelett

Gesundheits-Coach Dr. med. Lothar Zimmermann macht den Körper transparent, um durchzublicken.

Sind die Rückenschmerzen unerträglich, ist es natürlich sehr verlockend, mit einer OP schnell schmerzfrei zu sein. Niemand kann einem aber garantieren, dass die Schmerzen nach einer OP wirklich verschwunden sind - und ob es dauerhaft so bleibt. Außerdem sind Eingriffe an der Wirbelsäule nicht ungefährlich. Zu den Risiken gehören Nervenverletzungen, Lähmungen, Infektionen und es können auch dauerhaft Gefäße geschädigt werden.

Deshalb sind Alternativen vorzuziehen wie Massagen bei akuten Schmerzen und Krankengymnastik, um die Bauch- und die Rückenmuskeln zu stärken. Dafür aber benötigt man Geduld: Muskelaufbau braucht seine Zeit. Und in vielen Fällen wird man lebenslang regelmäßig Rückengymnastik treiben müssen, damit die Schmerzen nicht wiederkommen.

Vorbeugen ist besser als therapieren

Um es erst gar nicht zu einem schmerzenden Rücken kommen zu lassen, gilt die Devise: So viel Bewegung wie möglich, so wenig Sitzen wie möglich. Bauen Sie Bewegung in Ihren Alltag ein. Und stärken Sie gezielt die Rückenmuskulatur. Wir zeigen Ihnen kurze, effektive Übungen für zu Hause und fürs Büro.

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Mit Fitness kann jeder Rückenschmerzen vorbeugen oder sie bekämpfen. Ein trainierter Körper alleine schützt aber nicht vor Rückenschmerzen, wenn die falschen Muskeln trainiert werden und der Lendenwirbelbereich beispielsweise vernachlässigt wird.

Zeigen Sie Rückgrat

Rückenschmerzen können ganz verschiedene Ursachen haben. Liegt ein Bandscheibenvorfall vor, weiß man, wo man mit der Therapie ansetzen kann. Manchmal lässt sich aber gar nicht eindeutig sagen, woher die Schmerzen im Rücken eigentlich kommen. Schauen Sie sich Ihre persönliche Situation genau an. Rückenschmerzen haben auch oft psychische Ursachen.

Dr. med. Lothar Zimmermann: Oft sind auch Stress oder Sorgen Grund für hartnäckige Rückenschmerzen. Dann hilft nur eines: Wir müssen uns unseren Problemen stellen und sie lösen.

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